„Fremdsein in der Fremde? Wir sind vorbereitet!“

SchülerInnen der HLW und Hotelfachschule starten ab 1. Juni ihr Auslandspraktikum.

Im Mai feierte eines der erfolgreichsten EU-Projekte seinen 30. Geburtstag. Es ist zugleich eines der weltweit größten Förderprogramme für Bildung, Jugend und Sport. Sein Name ist Erasmus, seine Zahlen und sein Budget bemerkenswert und seine Ziele in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Bis zu vier Millionen junge Menschen und Erwachsene in Europa erhalten mit Erasmus+ von 2014 bis 2020 die Möglichkeit, in einem anderen Land zu lernen, zu studieren, eine Ausbildung zu absolvieren, zu arbeiten oder eine Freiwilligentätigkeit auszuüben. Die Europäische Union stellt dafür 14,7 Milliarden Euro und zusätzlich noch rund 1,68 Milliarden Euro für die Kooperation mit Partnerländern weltweit zur Verfügung. Das übergeordnete Ziel ist es, die internationale Verständigung durch dieses gemeinsame Lernen und Arbeiten stetig zu verbessern.

Wie schon im letzten Jahr wagen sich auch heuer wieder zahlreiche Schülerinnen der HLW und ein Schüler der Hotelfachschule an dieses Abenteuer. 25 von ihnen werden im Juni nach England, vier nach Irland und vier nach Italien reisen. Zwischen 61 und 98 Tage werden sie dort in einem touristischen Betrieb arbeiten. Neben der Vertiefung der fachlichen und sprachlichen Kenntnisse zählt die Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstwertgefühles sicher zu den wichtigsten Zielen ihres Auslandsaufenthaltes. Offenheit, Flexibilität und Selbstbewusstsein sind gefragt, denn laut den Rückmeldungen der letztjährigen PraktikantInnen ist es nicht einfach.

Verständigungsschwierigkeiten in der Fremdsprache, andere Ess- und Lebensgewohnheiten, Heimweh sind nur einige der Herausforderungen, denen sie sich im Ausland stellen mussten. Bereut scheint diese Erfahrung dennoch niemand zu haben. „Für mich persönlich war es die beste Zeit, seit ich denken kann. Wir wurden in Swindon so herzlich aufgenommen! Die Leute waren sehr nett und hilfsbereit. Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich nicht arbeiten gehen wollte. Man lernte nicht nur zu kochen, sondern auch ein Team zu sein, zusammenzuhalten und eine Familie zu sein. Dieses Hotel wurde zu einer zweiten Familie für mich und ich bin so froh, dass ich es gewagt habe, nach England zu gehen und das Glück hatte, in dieses Hotel zu kommen“, sagte zum Beispiel Elisa Mitterdorfer über ihr Auslandspraktikum.

Und Marlen Egger berichtete über ihre Zeit in Wales: „Am Anfang, als ich die Unterlagen zu meinem Hotel bekommen habe, hatte ich Angst, dass ich den Anforderungen nicht gerecht werden könnte. Allerdings muss ich dem komplett widersprechen. In diesen zwölf Wochen habe ich mich verändert. Zwar nicht äußerlich, aber innerlich. Ich bin nicht mehr so aufbrausend, wenn etwas nicht funktioniert und generell einfach ruhiger.“

Auch viele Eltern waren von dem Erasmus-Programm begeistert. „Unsere Ängste und Befürchtungen wurden Dank der Kompetenz aller Mitarbeiter im Rahmen des Erasmus-Projektes im Keim erstickt. Unser Kind kam glücklich und mit einer Unzahl an positiven Erfahrungen aus Großbritannien zurück“, fassten es Christa und Klemens Niedermüller zusammen.

dav

Damit auch die diesjährigen PraktikantInnen ihr Auslandspraktikum gut vorbereitet starten können, wurden für sie im Mai zwei spezielle Vorbereitungsworkshops veranstaltet. Im ersten arbeiteten sie an ihren Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen, aber auch ihren Ängsten, Sorgen und Bedenken in Bezug auf ihre Zeit im Ausland. Sie studierten dabei kurze Sketche ein, die mögliche unangenehme oder schwierige Momente darstellten und gemeinsam wurde dann über Lösungen oder günstige Verhaltensweisen in diesen Situationen gesprochen.

Eine Woche später besuchte Oberst Berndt Rott vom Bundesheer die zukünftigen AuslandspraktikantInnen, um mit ihnen einen ganz besonderen Nachmittag zu verbringen. Oberst Rott informierte sie zunächst in perfektem Englisch über Sicherheitsaspekte und Gefahrenmomente im Ausland und ging dabei vor allem auf die Situation in London ein, da die meisten der SchülerInnen in England auch einige Tage dort verbringen wollen. Da sie dies ohne ihre Eltern oder Lehrer machen werden, sollten diese Informationen sie nicht abschrecken, aber sehr wohl achtsam werden lassen.

Oberst Rott, der Kommandant des Jägerbataillons 24 in Lienz, weiß wovon er spricht. Er studierte nicht nur Englisch und Sport-, sondern auch Politikwissenschaften, steht seit 30 Jahren im Heeresdienst, hat mehrjährige Auslandserfahrung und betreute auch als Ausbildungsleiter schon viele internationale Friedensstudenten an der Universität Innsbruck. Wie bei dem Projekt zur Friedensforschung in Innsbruck ging es ihm auch bei den Lienzer SchülerInnen im anschließenden mehrstündigen Selbstverteidigungstraining in der Sporthalle nicht, um Schreckensszenarien an die Wand zu malen, sondern auszuprobieren, um Ängste abzubauen, anstatt sie zu schüren. Korporal Kevin Fleiszner aus Sillian unterstützte ihn dabei. Und wie man auf den Bildern sieht, die von den SchülerInnen gemacht wurden, waren alle mit vollem Interesse und Einsatz dabei!

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