Plädoyer für die unverzichtbare Berglandwirtschaft

Vertreter der Landwirtschaftskammer besuchten den „Untermeirerhof“ in Assling.

Das Motto der Landwirtschaftskammer Tirol 2017 lautet „Tiroler Berglandwirtschaft – einfach unverzichtbar!“ Deshalb besuchten LK-Präsident Josef Hechenberger und Vize-Präsidentin Helga Brunschmid auf ihrer jährlichen Besichtigung eines Bauernhofes in jedem Bezirk auch den „Untermeirerhof“ der Familie Vergeiner auf 1240 Metern Seehöhe in Assling. Begleitet wurden sie dabei am 27. Juni von Bezirkskammerobmann Konrad Kreuzer, LK-Bezirksstellenleiter Martin Diemling und Bezirksbäuerin Michaela Pitterl.

Silvana und Peter Vergeiner gelten als Vorreiter in punkto Innovationsgeist und Produktqualität im Direktvermarktungssektor für bäuerliche Lebensmittel. Sie wurden in den letzten Jahren von der Fachjury der „GenussKrone Österreich“ mehrmals zu Landessiegern in mehreren Kategorien gewählt, erhielten zahlreiche weitere Prämierungen für ihre Produkte und wurden 2015 auch mit dem Josef Willi-Nachhaltigkeitspreis der Landwirtschaftskammer für den Bezirk Osttirol ausgezeichnet.

Ihre alten, seit Generationen überlieferten Rezepte, die ohne künstliche Haltbarmacher auskommen, haben sich für Peter Vergeiner genauso bewährt wie sein Ziel, einen überschaubaren, kreislauforientierten Hof für drei Generationen zu führen. „Wir stellen ca. 60 verschiedene Produkte her und vermarkten sie direkt auf dem Lienzer Stadtmarkt oder in Bauernläden. Als ich vor 20 Jahren vermehrt mit der Direktvermarktung anfing, wurde ich belächelt. Es gab damals weder einen Markt, noch das Verständnis dafür.“

Vor dem Untermeirerhof in Assling von links nach rechts: Konrad Kreuzer, Helga Brunschmid, Peter und Silvana Vergeiner mit ihren Töchtern Juliette und Marie, Bezirksbäuerin Michaela Pitterl und Josef Hechenberger. Foto: Dolomitenstadt/Ebner

Heute ist das anders. Immer mehr Konsumenten schätzen frische, regionale und qualitativ hochwertige Lebensmittel. Die Direktvermarktung bildet dadurch inzwischen für viele Betriebe das zusätzliche wirtschaftliche Standbein, das es ihnen ermöglicht, den Betrieb im Vollerwerb zu führen. „Uns ist es wichtig, dass unsere Bauern nicht nur eine angemessene Wertschätzung bekommen, sondern eine Wertschöpfung aus ihrem Betrieb erzielen“, betont Helga Brunschmid. Und Josef Hechenberger sieht in dieser Wertschöpfung den politischen Auftrag für eine gemeinsame europäische Agrarpolitik: „Die Berglandwirtschaft braucht Unterstützung. Eine offene Kulturlandschaft ist keine Selbstverständlichkeit!“

Laut Konrad Kreuzer werden zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen für viele Bauern in diesem Jahr ohnehin notwendig werden. „Es haben sich zwar die Milch- und Zuchtviehpreise inzwischen wieder erholt, doch die fehlenden Niederschläge im Winter und die anhaltende Trockenheit in der ersten Jahreshälfte führten zu einem massiven Ausfall des ersten Grünschnitts.“ Das bestätigt auch Peter Vergeiner. „Der erste Schnitt machte gerade einmal die Hälfte des normalen Ertrages aus.“ Bezirksbäuerin Michaela Pitterl ergänzt, dass die Situation in vielen Orten auf der Sonnseite des Oberlandes noch dramatischer ist und auch der Almauftrieb durch die Dürre vielerorts verzögert wurde.

Seit dem letzten Jahr können zwar Versicherungen auch gegen Dürre abgeschlossen werden, allerdings wurde diese Option gemäß Konrad Kreuzer für den Grünlandbereich bis jetzt noch nicht wirklich genützt. Sein Appell an die Landwirtschaftskammer und die Politik ist klar: „Es müssen bis Ende des Jahres Aktionen überlegt werden, um diese schwierige Situation für die betroffenen Bauern zu entschärfen!“

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