Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

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Grabungsstätte Innenstadt: „Uns hat keiner informiert“

Geschäftsleute um den Südtirolerplatz und am Markt schlucken nicht nur Staub.

„Wir haben Umsatzeinbußen von rund 30 Prozent“. „Kino-Trafikant“ Helmut Semrajc schluckt derzeit nicht nur Staub, sondern auch seinen Unternehmerzorn hinunter. Er ist nicht der einzige Geschäftsinhaber rund um den Südtirolerplatz und Am Markt in Lienz, der sich irgendwie im Abseits wähnt. Während nur 50 Meter weiter, auf der anderen Seite des „Geigergangls“, ein paar Wochen Baustelle in der Andrä-Kranz-Gasse mit Marketingaktionen für die Kaufleute flankiert und mehrfach im Gemeinderat diskutiert wurden, staunten die Läden am Neuen Markt nicht schlecht, als in der ersten Juliwoche plötzlich die Parkplätze vor ihren Geschäften gesperrt wurden.

Helmut Semrajc arbeitet in seiner Trafik unter suboptimalen Bedingungen. Rund 30 Prozent weniger Umsatz sind die Folge.

„Eigentlich sollten letzte Woche die Bauarbeiten am neuen Markt abgeschlossen werden, dann wurde alles um eine Woche verschoben und nun noch einmal eine Woche drangehängt. Die Folge: Wir haben auch beim Moonlight-Shopping eine Baustelle vor dem Geschäft und das wird sich deutlich auf den Umsatz auswirken“, ärgert sich Stefanie Mikulan vom Modegeschäft TORIA Italian Fashion. Nicht nur sie hatte lange Geduld mit den ursprünglich durch eine defekte Wasserleitung ausgelösten Bauarbeiten, die nun zu immer umfassenderen Grabungen werden.

Stefanie Mikulan ist zwar das Lachen noch nicht vergangen, aber eine Baustelle und keine Parkplätze mitten in der Hochsaison haben auch auf ihr Modegeschäft negative Auswirkungen.

Auch Melanie Buchacher im Modegeschäft Voux am Südtirolerplatz stemmt sich nicht gegen das Notwendige, sondern hat eher grundsätzliche Kritik: „Zuerst wurden vor unserer Türe sämtliche Baugeräte wegen der Pflasterungsarbeiten in der Andrä-Kranz-Gasse abgestellt und jetzt spüren wir die Baustelle am neuen Markt. Der Südtirolerplatz stirbt langsam weg, wer kommt noch hierher, um einzukaufen? Ohne Prozentaktionen kann man hier nicht mehr überleben.“ Unisono stört die von uns befragten Geschäftsleute am Neuen Markt und am Südtirolerplatz ein Informationsdefizit. „Die Kommunikation durch die zuständigen Behörden lässt zu wünschen übrig“, ärgert sich Helmut Semrajc.

„Auch wir wurden im Vorhinein in keinster Weise informiert“, sagt Johanna Wenger vom Obst- und Gemüsegeschäft Klammsteiner, „nur als uns das Wasser abgedreht wurde, kam jemand vorbei, um Bescheid zu sagen.“ Manuela, Friseuse im benachbarten Salon Figaro Giuseppe bestätigt diese Einschätzung: „Bei uns ist das Problem, dass Kunden, die einen Termin haben, teilweise 30 bis 40 Minuten zu spät kommen, weil sie nicht wie sonst zufahren können. Wir wurden weder schriftlich noch mündlich über die Baustelle informiert. Das geht so nicht. Die betroffenen Geschäfte und Bewohner sollten auf jeden Fall vorgewarnt werden, um darauf reagieren zu können. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir das unseren Kunden mitteilen können. Dass nächste Woche die Durchfahrt zum Boznerplatz gesperrt wird, erfahre ich jetzt durch dich — von der Stadtgemeinde kam wieder kein Brief oder ähnliches.“

Friseuse Manuela vom Salon Giuseppe stört die mangelnde Kommunikation: „Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir das unseren Kunden mitteilen können.“

Wir haben Klaus Seirer, den Leiter des Stadtbauamtes gefragt, wie lange denn die Baustellen in diesem Teil der Stadt noch in Arbeit sein werden. Er wollte sich auf keinen fixen Termin für das Ende der Bauarbeiten festlegen und auch keinen Kommentar zu einer weiteren Frage abgeben: Wann wird die im Juni-Gemeinderat besprochene Tiefgarage unter dem Südtirolerplatz gegraben? Hier halten sich alle Beteiligten bedeckt, auch die Presseabteilung der Wohnbaugenossenschaft Frieden. Man wolle erst die Einreichung und Genehmigung der Baupläne abwarten, bevor Baubeginn und Baudetails veröffentlicht werden. Für die Geschäftsleute ist das ein schwacher Trost. Sie werden vermutlich wieder überrascht.

Fotos: Dolomitenstadt/Roman Wagner
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12 Postings bisher
Zuckerhut vor 2 Wochen

Kommunikation und Information sind wirklich wichtig...aber 30-40 Minuten zu spät zum Friseur, weil kein Parkplatz vor der Tür, ist doch wohl leicht übertrieben od. eine Ausrede der Kundin; ...und bitte wo in der Debant kann man wirklich shoppen...?

bb vor 2 Wochen

Es ist sicher ärgerlich, wenn man als Anrainer nicht informiert wird. Aber an meinem Verhalten ändert sich durch diese Baustelle nichts. Ich parke an der Isel oder in der Fischwirt-Gegend und gehe über den Südtiroler-Platz in die Stadt. Schau genauso in die Auslagen der Geschäfte wie ohne Baustelle.... Das Parkplatz-Argument kann ich ohnehin nicht nachvollziehen. Lienz ist so klein - egal, wo man parkt, man kann alle zu Fuss gut erreichen. Man passiert zu Fuß doch viel mehr Geschäfte als wenn man gezielt mit dem Auto zu einem Laden fährt. Wenn ich ein Paar Schuhe kaufe oder ein T-Shirt, dann muss ich doch nicht mit dem Auto direkt vor dem Laden parken können - ????? Beim zwanglosen "Bummeln" geb ich mehr Geld aus. Und Bummeln ist viel netter ohne Autos, auch der Besuch in den Gastgärten der Lokale. Es war für mich auch nie ein Problem, z.B. einen in der Innenstadt gekauften Staubsauger dann mit dem Auto abzuholen. Ich würde mir einen schönen, autofreien Hauptplatz wünschen. Über einen architektonisch gut und interessant gestalteten Platz geht man auch an trüben Novembertagen gerne...

Unholder0815 vor 3 Wochen

Das spielt doch keine Rolle wo und was gegraben wird, die Lienzer gehen zu fuss, oder fahren mit dem Rad. Und alle anderen kommen ganz leicht in die Debant zum einkaufen,in Lienz sind eh nur Ramschläden. Da kann den ganzen Sommer gegraben werden, das kann nur besser werden.

    Danny vor 2 Wochen

    Finde ich eigentlich frech formuliert.Wir haben in Lienz mit Sicherheit super Geschäfte.Du kannst nicht die Debant mit Lienz vergleichen😡

      Unholder0815 vor 2 Wochen

      Wie ich die Einkaufsmöglichkeit in Lienz wahrnehme , ist wohl meine Sache. Und weiters fehlt es in Lienz generell an einem Konzept. Ein Grandhotel will man haben, und rundherum nur billige Ramschläden. Da kann gegraben werden oder nicht. Das spielt keine Rolle, solange die Entscheidungsträger so oder so überfordert sind.

bergfex vor 3 Wochen

.......ursprünglich durch eine defekte Wasserleitung ausgelösten Bauarbeiten,...........

Und wegen einer defekten Wasserleitung gräbt man den Südtiroler / Marktplatz um und auf ?????

    asdf vor 3 Wochen

    es ist eine 150m langer leitungsstrang der 60JAHRE alt ist.....zuerst informieren bevor man die klappe aufreist.....

Thomas28 vor 3 Wochen

Das ist halt die linke Drüberfahrpolitik!

MelissaM vor 3 Wochen

Ich kann den Ärger gut verstehen. Wenn man nicht einmal informiert wird, kann man schwer reagieren. Soweit ich den Bericht verstehe, beklagen die Betroffenen vor allem einen Mangel Kommunikation.

bergfex vor 3 Wochen

Die Frau Blanik wirds schon richten. Alles halb so schlimm. Ich fahre schon längere Zeit nicht mehr in die Stadt, mich nerven die Baustellen. Ich fahre die paar Kilometer in die Debant, da bekomme ich auch alles.

schnuffi vor 3 Wochen

Wenn diese Baustelle durch eine defekte Wasserleitung dringend notwendig wurde, besteht meiner Meinung absolut kein Grund dafür sich über diese so aufzuregen. Als findiger Geschäftsinhaber muss man sich nicht auf diese Art und Weise beschweren und so in die Öffentlichkeit treten. So vergrämt man nur Kunden! Warum ziehen nicht alle "Beteiligen" bzw. "Beleidigten" am gleichen Strang und bieten stattdessen Baustellen-Aktionen an, in welcher Art und Weise auch immer, und machen so das Negative zum Positiven? Ich ziehe stattdessen den Hut vor denen die sich nicht dazu äußern und trotzdem fleissig weitermachen!

    kobra7159 vor 3 Wochen

    Sehr schöner Komentar und auf den Punkt gebracht. Ich glaube, die umliegenden Geschäftsinhaber haben alle die Schuhe um eine Nummer zu klein gekauft, dass sie das jammern nicht verlernen.