„Für viele zählt die Zeit hier zu den schönsten Erlebnissen.“

Das familiäre Reha-Zentrum am Ederhof feiert im September 25-Jahre-Jubiläum.

Betritt man das Gelände des Ederhofs in Iselsberg-Stronach, schallen einem munteres Kinderlachen und -geschrei entgegen. Der Hof selbst wirkt familiär, gemütlich und vor allem lebendig. Der Garten sieht mit dem großen Klettergerüst ein bisschen aus wie ein Spielplatz, zwei Kinder schaukeln gerade um die Wette. Vor der Kulisse der Lienzer Dolomiten erholen sich hier Kinder und Jugendliche vor und nach Organtransplantationen – gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern.

Das familiäre Reha-Zentrum entstand vor 25 Jahren und feiert am Samstag, 9. September, sein Jubiläum. Robert Weichselbraun, seit zwölf Jahren Geschäftsführer der Einrichtung, sprach aus diesem Anlass mit Dolomitenstadt über die Geschichte, den Alltag und die Zukunft des Ederhofs.

Die jüngsten Besucher des Ederhofs spielen im hauseigenen Kindergarten. Fotos: Dolomitenstadt/Unterwurzacher

Gegründet wurde die Einrichtung 1992 vom deutschen Chirurgen Prof. Rudolf Pichlmayr († 1997), einem Pionier der Transplantationsmedizin. Weil die Erholung nach Organtransplantationen für Kinder besonders schwierig ist, hatten er und seine Frau Ina die Idee, in Europa ein Zentrum zu errichten, das solchen Kindern den Weg zurück ins Leben erleichtert. Und weil die Pichlmayrs ihre Urlaube in Osttirol – genauer gesagt in Iselsberg-Stronach – verbrachten, war bald ein passender Ort gefunden: Der Geburtshof des Malers Franz von Deferegger, zu diesem Zeitpunkt dem Verfall preisgegeben, wurde restauriert und zum Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche nach Organtransplantationen umgebaut – dem ersten seiner Art.

Die Kinder und Jugendlichen, die sich in dieser europaweit einzigartigen Einrichtung erholen, kommen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. „Die meisten kommen aus Deutschland, auch aus Österreich, Südtirol, der Schweiz oder den Benelux-Staaten. Wir hatten aber auch schon Kinder aus Namibia bei uns“, erzählt Robert Weichselbraun.

Die älteren Kinder besuchen eine kleine Schulklasse. Gerade steht Plakate malen auf dem Programm.

Die Reha verläuft familienorientiert. Das bedeutet, die Kinder werden während ihrer Zeit am Ederhof von ihren Eltern und Geschwistern begleitet. Jeweils vier Wochen verbringt eine altershomogene Gruppe auf dem Ederhof. Der Alltag besteht dabei nicht nur aus Physio-, Massage-, Ergo- und Logotherapie. Die Jüngsten spielen im Kindergarten, für die älteren Kinder gibt es sogar eine kleine Schulklasse. Abgesehen davon werden viele Ausflüge unternommen. „Wir machen eigentlich alles, was man in Osttirol machen kann – von Raftingausflügen auf der Isel über Schitage bis hin zu Besuchen im Tierpark“, so Weichselbraun.

So ergänzen sich im Alltag der Kinder also Ausflüge und Therapietage. „Für einige von ihnen ist es wahrscheinlich das Schönste, was sie bisher erlebt haben“, ist sich Robert Weichselbraun sicher. Viele von ihnen haben ihr halbes Leben in Kliniken verbracht und sehen das erste Mal die Berge. „Es ist auch wesentlich, dass die Kinder hier eine wichtige Peer-Group finden“, erklärt er weiter. So profitieren die verschiedenen Kinder und Familien auch vom Kontakt zueinander.

Auch Physiotherapie steht auf dem Plan.

Nun hat eine Einrichtung wie der Ederhof, der sich vor allem aus Spenden finanziert, auch mit manchen Problemen zu kämpfen. „Unser grundsätzliches Problem ist sicher, dass wir eigentlich eine deutsche Einrichtung in Österreich sind. Viele Österreicher glauben dann, wir sind ‚was Deutsches‘ und bei den Deutschen ist es genau umgekehrt.“ Gerade wurden vom österreichischen Verband der Sozialversicherungen Kinder-Reha-Betten vergeben – der Ederhof ging dabei vorerst leer aus. „Die Gespräche sind aber noch am Laufen“, meint Robert Weichselbraun, der optimistisch ist und glaubt, dass der Ederhof die Betten früher oder später bekommen wird.

Denn Zukunftspläne gibt es schon. „Wir wollen noch ausbauen und uns noch mehr in Richtung Prävention spezialisieren“, erklärt er. Das schaffe auch Arbeitsplätze. Die große Hoffnung für die Zukunft bleibt daher ein fixer Vertrag mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen. Damit wäre für den Ederhof nicht nur die Expansion, sondern auch eine bessere Planung und die fixe Zuweisung von Kindern gewährleistet. „Nach 25 Jahren wäre es wirklich einmal an der Zeit.“


Am Samstag, 9. September, soll am Ederhof gefeiert werden! An diesem Tag findet der Jubiläumstag der offenen Tür und das Sommerfest statt. Beginn ist um 10:00 Uhr mit einem Familiengottesdienst, im Anschluss gibt es eine Festansprache vom ärztlichen Leiter Prof. Dr. Eckhard Nagel und ein Interview mit Prof. Dr. Ina Pichlmayr.

Ab 13:00 Uhr wird dann gegrillt, musikalisch untermalt von „the FUSION“ (Gaba Forcher und Andrea Salcher), außerdem gibt es eine Zirkusaufführung der Kinder gemeinsam mit den „Rote-Nasen-Clowns“. Auch Kinderschminken, ein Zirkusworkshop für Kinder, Riesenseifenblasen und vieles mehr stehen am Programm. Der über die Wintermonate 2016/17 umgebaute Hof kann besichtigt werden und die Projektgruppe „together.“ startet mit dem Schokoladenverkauf zugunsten des Ederhofs.

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