„Ich würde eine schwarz-rote Regierung befürworten“

Bernhard Webhofer kandidiert auf Bezirks- und Landesebene für die ÖVP. Ein Interview.

Neben Gerald Hauser und Thomas Haidenberger hat noch ein dritter Osttiroler zumindest eine kleine Chance auf ein Nationalratsmandat, der Gaimberger Bürgermeister Bernhard Webhofer. Wir haben mit ihm gesprochen.

Sie sind ziemlich neu in der Politik. Was hat Sie dazu bewogen, erst für das Bürgermeisteramt in Gaimberg und jetzt für den Nationalrat zu kandidieren?

Herausforderungen habe ich noch nie gescheut. Bei der Bürgermeisterwahl hatten wir die Situation, dass die amtierende Bürgermeisterin nicht mehr zur Wahl gestanden ist. Eine Zeit lang hat es so ausgesehen, als ob es überhaupt keinen Bürgermeister geben würde, und deshalb habe ich mich dazu bereit erklärt, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Ich glaube, ich bin recht gut in die Sache hineingewachsen und vor allem der breite Rückenwind und der Zusammenhalt unter den Bürgermeistern war auch das Rüstzeug, um die neue Herausforderung anzunehmen und für die Nationalratswahl zu kandidieren.

„Herausforderungen habe ich noch nie gescheut“, erklärt Bernhard Webhofer, Gaimberger Bürgermeister und VP-Kandidat für die Nationalratswahl im Oktober. Foto: Expa/Groder

Die beiden Osttiroler ÖVP-Landtagsabgeordneten Mayerl und Kuenz sind Bauernbündler. Nun treten sie als Bauernbündler und Spitzenkandidat der ÖVP im Bezirk zur Nationalratswahl an. Besteht die ÖVP im Bezirk nur noch aus Bauernvertretern? Und hat die ÖVP die Bezirkshauptstadt Lienz aufgegeben? Sowohl Sie als auch Kuenz und Mayerl kommen aus dörflichen Umlandgemeinden.

Das ist nicht ganz richtig. Es ist richtig, dass Kuenz und Mayerl als Bauernbündler kandidieren. Jedoch kandidiere ich für das Team Kurz und für die JVP und nicht für den Bauernbund. Und es stimmt zwar, dass ich wie zwei Kollegen vom Landtag aus einer ländlichen Randgemeinde komme, aber ich glaube auf keinen Fall, dass die ÖVP die Bezirkshauptstadt Lienz aufgegeben hat.

Wenn Sie eine konkrete Sache in Österreich umsetzen könnten, welche wäre das?

Was sicher ein Thema ist, vor allem in unserer Region, ist die Dezentralisierung. Es muss auch den jungen Familien mehr geholfen werden und vor allem den Familien, die sich dazu entscheiden, dass die Mutter zu Hause bleiben will. In so einem Fall muss sie so viel Geld bekommen, dass sie sich das auch leisten kann.

In welchen Bereichen würden Sie im Parlament gerne arbeiten?

Sicher an der Entwicklung des ländlichen Raumes. Da braucht es die Dezentralisierung von Behörden und die Digitalisierung, wo der Lienzer Talboden mit der Breitbandinitiative ohnehin schon an vorderster Front ist. Dafür haben wir letztes Jahr ja sogar den Gemeindepreis bekommen. Dann sind Kooperationen zwischen Gemeinden sinnvoll – und wenn es gewünscht ist, auch Fusionen. Aber ich glaube bei den Sonnendörfern, also unserer Gemeinde, Thurn und Oberlienz, hat die Kooperation sehr gut funktioniert. Dann möchte ich die Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Familienbetriebe verbessern. Es muss für die Leute, die in dem Bereich tätig sind, einfacher sein, ihre regionalen Produkte zu vermarkten.

Die Wohnbauförderung ist ein weiteres wichtiges Thema. Auch wir in Gaimberg sind leider eine Abwanderungsgemeinde. Das hängt damit zusammen, dass wir sehr hohe Grundstückspreise haben. Hier muss natürlich auch die Wohnbauförderung für die Einfamilienhäuser wieder attraktiver gestaltet und Eigentum gestärkt werden. Außerdem braucht es einen Bonus für Abwanderungsgemeinden.

Sebastian Kurz hält sich mit inhaltlichen Ansagen bisher zurück. Als Sie für Platz 4 zusagten, wussten Sie, mit welchen Inhalten die Partei antritt, für die Sie kandidieren?

Natürlich nicht alle, weil das schon einige Zeit vorher gewesen ist. Also ich finde den Weg von Sebastian Kurz sicher beeindruckend. Wo ich mit ihm sicher konform gehe, ist, dass er nicht andere Parteien anpatzt. Ich glaube, die Leute mögen in der Politik keinen Wirbel. Die Leute wollen die antretenden Parteien sachlich beurteilen und machen am Wahltag dann ihr Kreuz.

Haben Sie dann ein Problem damit, wenn er behauptet, die SPÖ würde Spenden von Herrn Haselsteiner bekommen, oder wenn Herr Dönmez den Journalisten Tarek Leitner angreift?

Was sein Umfeld und die einzelnen Kandidaten machen, wird auch Sebastian Kurz nicht in der Hand haben, aber ich versuche, in meinem Wahlkampf so gut es irgendwie geht, keine anderen Parteien anzupatzen oder anzugreifen.

In welchen inhaltlichen Fragen sind Sie anderer Meinung als Ihre Partei?

Das ganze Parteiprogramm ist ja noch nicht bekannt. Aber bisher bin ich natürlich mit dem Parteiprogramm wie es jetzt vorliegt, einverstanden.

Die ÖVP ist in den Umfragen weit vorne – wenn es Platz eins wird, wer wäre denn Ihr Wunsch-Koalitionspartner im Bund?

Das wäre wahrscheinlich schon die SPÖ. Ich würde eine schwarz-rote Regierung befürworten.

Das überrascht. Die ÖVP ist unter Sebastian Kurz deutlich nach rechts gerückt und hat viele FPÖ-Positionen übernommen, auch in der Wirtschaftspolitik gibt es viele Gemeinsamkeiten. Wo sehen Sie Unterschiede zwischen FPÖ und ÖVP?

Die neue Farbe – das Türkis – ist für viele ungewöhnlich. Das ist glaube ich schon ein Zeichen, dass man die Zusammenarbeit wünscht und schätzt. Und das wird es im ganzen Wahlkampf geben, dass es verschiedene Parteiprogramme gibt, die sich decken. Man kann ja keine neuen Themen erfinden. Was bei der Bundespräsidentenwahl für die Blauen ein ganz großes Wahlkampfthema war, das waren die Flüchtlinge. Und ich glaube vor allem da haben wir mit Sebastian Kurz als Außenminister einen Mann an der Spitze, der uns der Lösung einen Schritt näher bringen kann. Er kennt das Problem und hat auch schon sehr gute Lösungsansätze dafür präsentiert.

Mit welcher Strategie werden Sie in den Wahlkampf gehen?

Wie gesagt, ich versuche, möglichst viele Menschen zu erreichen. Ich will vor allem auch die jungen Leute motivieren, zur Wahl zu gehen. Da braucht es auch einiges an Aufklärung. Ich bemerke eine unheimliche Politikverdrossenheit, wenn man mit den Leuten redet. Teilweise sagen sie auch, sie verstehen überhaupt nicht, warum ich mich für das hergebe. Aber ich glaube, gerade das ist die Möglichkeit, aktiv den Bezirk und auch unser Land zu gestalten. Und wenn jeder sagt, ich will nicht in die Politik, dann werden wir auch keine Gestaltungsmöglichkeit haben.

Wie hoch schätzen Sie Ihre Chancen ein, in den Nationalrat zu kommen?

Die lokalen Zeitungen haben die Möglichkeit als nicht sehr hoch eingeschätzt. Auf der anderen Seite gibt es schon eine reelle Möglichkeit. Was, wie bei den anderen Parteien auch, der große Unterschied zu anderen Regionen ist: Osttirol hat kein Grundmandat und der Einzug ins Parlament ist nur über die Landesliste möglich, nicht über den Bezirkswahlkreis. Da gilt es natürlich, die Wählerinnen und Wähler so zu mobilisieren, dass sie dann auf der Landesliste auch meinen Namen reinschreiben, das heißt, mir auf Landesebene eine Vorzugsstimme geben.

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8 Postings bisher
Thomas28 vor 3 Monaten

Ich finde es immer wieder witzig wenn man vor Schwarz-Blau warnt wie erst kürzlich der BK Kern. Ja wir hatten schon mal eine Schwarz-Blaue Bundesregierung, zum Schluss übrigens Schwarz-Orange und es lief damals auch nicht alles rund. Die FPÖ wurde abgewählt, die ÖVP übrigens nicht, obwohl sie ja den Kanzler gestellt hatte und somit die Hauptverantwortung zu übernehmen hatte. Die FPÖ hat sich neu aufgebaut und ist nun fast wieder da wo sie einmal war. Haider hatte damals um die 27%. Die damaligen Politiker von Schwarz-Blau sind mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden. Man sollte eher vor einer Neuauflage von Rot-Schwarz oder von mir aus auch Schwarz-Rot warnen. In den vergangenen 10 Jahren hat man gesehen das Rot und Schwarz miteinander nicht können und auch nicht wollen und somit keine gemeinsame Politik FÜR Österreich machen. Trotzallem finde ich ist es unter Schwarz-Blau besser gelaufen als heute unter Rot-Schwarz. Und wenn ich mir den Wandel von der SPÖ anschaue dann wird mir schlecht. Von einer engagierten Österreichpartei, von einer Arbeiterpartei die früher viel weitergebracht hat, zu einer Stillstandspartei, zu einer unwählbaren Chaotenpartei. Kreisky würde im Grab rotieren. Die FPÖ hingegen zu einer wählbaren Volkspartei.

    skeptiker vor 2 Monaten

    Sie lasen eine Wahlwerbung Der FPOE, der "... wählbaren Volkspartei". Es ist schon schön wenn der geneigte Wähler an Alzheimer leidet. Die "Milch und Honig" Ära der OEVP/FPOE Regierung ist bis heute noch nicht aufgearbeitet. Die Erfolgsstory dieser Regierung mit dem besten Finanzminister aller Zeiten - KHG - wird hoffentlich nicht weiter geschrieben. Es wird leider eine OEVP/FPOE Regierung kommen, aber ob dass für die Massen gut ist wage ich zu bezweifeln. Die finanzielle Elite wird es freuen, der 0815 Wähler wird sich wundern. In einem gebe ich dir Recht - die FPOE scheint im Moment glaubwürdiger als die OEVP (welche im übrigen seit wieviel Jahren in der Regierung ist? ...)

    Edi1913 vor 2 Monaten

    Ehrlicher wäre es jedenfalls, wenn die Türkisschwarzen gleich mit den Blauen fusionieren würden, inhaltliche Unterschiede gibt es keine mehr.

    Edi1913 vor 2 Monaten

    PS: Kreisky wollte (aus taktischen Gründen) die Rechten spalten, jetzt vereinigen sie sich gerade...

Kilian1990 vor 3 Monaten

Sympathischer junger Mann, aber halt noch ziemlich blauäugig. Glaube nicht, dass er als Nationalrat etwas bewegen könnte. Wünsche ihm und Gaimberg, dass er als Bürgermeister gute Projekte in seinem kleinen Dorf umsetzen kann.

chiller336 vor 3 Monaten

blödsinn ... rot schwarz hat jahrelang bewiesen, dass nichts dabei sinnvolles dabei herauskommt . jüngstes beispiel: abgebrochene parlamentsbaustelle. die leute hams satt, ständig angelogen zu werden, deshalb wirds zeit für einen richtungswechsel

multi 1 vor 3 Monaten

Wos san die jetzt türkis😳😂schworz bleibt schworz ,der Herr Kurz ist ja schon lange in der Bundesregierung .Themen von den Freiheitlichen jetzt zu übernehmen, find i a bissl schwach.

Thomas28 vor 3 Monaten

Der wievielte “Neustart“ wäre es dann? Der 100ste?