Klärwerk als Paradebeispiel für Kooperation im Lienzer Becken

40 Jahre Abwasserverband und ein Kooperationspreis waren zwei Gründe zum Feiern.

Wir stellen uns eher selten die Frage, was mit unseren Fäkalien geschieht, nachdem wir die Klospülung betätigt haben – und doch ist Abwasserentsorgung eine der substanziellsten Infrastrukturleistungen überhaupt. Seit 40 Jahren lösen die Gemeinden des Lienzer Talbodens diese Thematik gemeinsam.

Hier landet, was 28.000 Menschen im Lienzer Becken ins Klo spülen. Fotos: Brunner Images

1977 legten die starken Männer der damaligen Regionalpolitik, der Lienzer Bürgermeister Hubert Huber und der Leisacher VP-Landesrat Fridolin Zanon den Grundstein für einen gemeindeübergreifenden Verband und damit den Bau eines gemeinsamen Klärwerkes, das 1984 eröffnet wurde.

Zum 40-Jahre-Jubiläum am 23. September in Dölsach erzählte Bürgermeister Sepp Mair, Obmann des Abwasserverbandes Lienzer Talboden und des Talboden-Planungsverbandes heitere Episoden aus der Historie und gab als Gastgeber den Grundtenor der Festreden vor: gemeinsam ist auch in der Kommunalpolitik besser als einsam. Die Gemeindegruppe im Abwasserverband deckt sich beinahe mit jener des Planungsverbandes 36, lediglich Assling und St. Johann bilden an den Ausläufern des Lienzer Beckens Ausnahmen. In Summe umfasst das Gebiet, in dem 15 Gemeinden viele ihrer Aufgaben kooperativ zu lösen versuchen, 28.000 Einwohner und damit mehr als die Hälfte der Osttiroler Bevölkerung.

Josef Mair ist Dölsacher Bürgermeister, aber auch Obmann des Planungsverbandes 36 und des Abwasserverbandes Lienzer Talboden.

Mair streute der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik Rosen und bezeichnete die Stadt mit ihrem Marketingleiter Oskar Januschke als Treiber hinter vielen zukunftsorientierten Gemeinschaftsprojekten, zu denen aktuell vor allem der Breitbandausbau zähle. Für diese Kooperation erhielt der PV 36 in Dölsach einen von Landesregierung und Gemeindeverband neu ausgeschriebenen Preis überreicht, den GEKO, den Gemeindekooperationspreis 2017. Es gab also zwei Gründe zum Feiern. Der zuständige Landesrat Johannes Tratter überreichte die Trophäe, betonte in seiner Ansprache ebenfalls die Wichtigkeit regionaler Zusammenarbeit und ließ durch eine Differenzierung aufhorchen: „Wir haben Untersuchungen, wonach gut gemachte Kooperationen besser funktionieren als Zwangsfusionen von Gemeinden.“

Landesrat Johannes Tratter merkt an: „Gute gemachte Kooperationen funktionieren besser als Zwangsfusionierungen von Gemeinden.“

Die Abwasserversorgung des Talbodens zählt offenbar zu den gut gemachten Kooperationen, das unterstrich Maria Bogensberger vom Österreichischen Abwasserverband, die dem Klärwerk nicht nur technisch sondern auch wirtschaftlich ein gutes Attest ausstellte und darauf hinwies, dass die Dölsacher an einem österreichweiten Benchmarking teilnehmen, sich also mit den besten unter den Abwasserspezialisten messen.

Maria Bogensberger vom Österreichischen Abwasserverband stellt dem Dölsacher Klärwerk ein gutes Zeugnis aus.

Wer Lust hatte, konnte die Umwandlung von Exkrementen in weitgehend sauberes Wasser und Kompost aus nächster Nähe und mit allen Sinnen erleben. Klaus Huber leitet ein Team von vier Klärwerkern in Dölsach, führte interessierte Festgäste durch sein Reich und stellte den Besuchern die fleißigsten Mitarbeiter des Klärwerkes vor: Bakterien. Von ihnen werden die organischen Stoffe des Abwassers abgebaut und anorganische Stoffe teilweise oxidiert. Bevor die Mikroorganismen ihre biologische Feinarbeit leisten, muss die Kloake mechanisch vorgereinigt werden und da bleibt so einiges in den Rechen und Sieben hängen, beispielsweise 100 Tonnen Kadaver pro Jahr.

Klärwerker Klaus Huber beschreibt, was in dem imposanten „Faulturm“ hinter ihm gerade passiert. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Spannend ist auch die letzte Phase des mehrstufigen Reinigungsprozesses, die sich im „Faulturm“ abspielt. Nach dem Ausleiten von – zu 97 Prozent gereinigtem – Wasser in die Drau bleibt nämlich noch Klärschlamm übrig, der in diesem Turm von anaeroben Bakterienstämmen zu Faulschlamm und brennbarem Faulgas abgebaut wird. So gesehen ist das Klärwerk zugleich eine Biogasanlage, die ihren eigenen Energiebedarf durch Faulgas abdeckt. Der Schlamm wird in mehreren Stufen weiter verarbeitet und gereinigt. Von Schadstoffen und Giften befreit, verwandelt er sich in Kompost, den die Firma Gumpitsch vor allem für Rekultivierungsprojekte – zum Beispiel im Bereich der Felbertauernstraße – verwendet.

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