Natura 2000 weckt wieder politische Emotionen

ÖVP mit Säbelrasseln in Richtung Brüssel – WWF will Grüne in die Pflicht nehmen.

Zwei Tage vor der Nationalratswahl bemüht sich die ÖVP in einer konzertierten Aktion um Distanz zu den EU-Forderungen für eine Nachnominierung von Natura 2000-Gebieten. Innerhalb von nur einer Stunde trafen Presseaussendungen von Landeshauptmann Günther Platter, dem Tiroler Wirtschaftsbund-Obmann Franz Hörl und dem Osttiroler Landtagsabgeordneten Hermann Kuenz mit weitgehend ähnlichem Grundtenor in der Redaktion ein.

Einmal mehr betonen die VP-Politiker, dass es die von der EU geforderten Nachnominierungen nicht geben dürfe und werde. Platter gibt sich „verärgert“ und erklärt die Verhandlungen für abgeschlossen. Hörl – mitten in einem aufwändigen Vorzugsstimmenwahlkampf um ein Nationalratsmandat – wittert einen „von realitätsfremden EU-Beamten erteilten Nominierungsbefehl“, den man so nicht hinnehme und drischt auf die Grünen ein, die er eine „schwindende Öko-Partei“ nennt. Hermann Kuenz unterstreicht, dass an der Isel und ihren Zuflüssen vollkommen ausreichend Schutzflächen bestimmt seien und Ausweitungen also nicht nötig, „vor allem schon deswegen nicht, weil wir im Vergleich zu anderen EU-Ländern von Haus aus sehr nachsichtig und verantwortungsvoll mit unserem Land umgehen.“

Sind die Isel und ihre Zubringer ausreichend geschützt? Ein politischer Dauerstreit kreist um diese Frage.

Auch der WWF meldete sich heute zu diesem Thema zu Wort und forderte die grüne Tiroler Umweltlandesrätin und Bundessprecherin auf, sich gegen Wirtschaft und Bauern durchzusetzen. „Wir wünschen uns ein bisschen mehr Mut von Ingrid Felipe, sich für den Schutz der bedrohten und wertvollen Natur einzusetzen!“, erklärt Christoph Walder vom WWF zur neu aufgeflammten Debatte um die Natura 2000-Gebiete in Tirol.

Hintergrund für die wieder aufflammende Natura 2000-Debatte ist ein Forderungskatalog der EU-Kommission, der Anfang Oktober übermittelt wurde. Einmal mehr und nun ganz offiziell stellt Brüssel klar, dass etwa in Osttirol nicht nur die Isel sondern auch der Tauernbach, die Schwarzach und der Kalserbach nach fachlichen Kriterien als Schutzgebiete ausgewiesen werden müssten. Den WWF stört besonders, dass Umweltreferentin Felipe nur davon spreche, diese Vorgaben zu prüfen.

„Dabei sind etwa die Forderung nach einem Schutz der gesamten Isel inklusive ihrer Zuflüsse oder des Piz Val Gronda beileibe keine Überraschungen“, ärgert sich Walder. „Statt selber das Heft in die Hand zu nehmen und endlich die richtigen Lebensräume fachlich korrekt auszuweisen, wird dauernd auf Verzögerung und Verschleppung des Prozesses gesetzt. Damit muss jetzt Schluss sein!“

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6 Postings bisher
Sepele vor 1 Monat

Ich bin der Meinung wir tun bereits mehr als genug mit den ausgewiesenen Schutzzonen. Irgendwo brauchen die Menschen auch einen Platz zum Leben und Wirtschaften. Meine Unterstützung haben die drei. Immerhin setzen sie sich für Osttirol ein!

skeptiker vor 1 Monat

" ...ÖVP mit Säbelrasseln in Richtung Brüssel ..." Welches Säbelrasseln genau, Presseaussendungen? In der Natur2000 Thematik agieren wir gleich wie die von vielen kritisierten Briten mit ihrer "Rosinenpickerei". Ausweisen nur dort wo es genehm ist, Förderungen aber im maximalen Ausmaß fordern. Denke nicht, dass das so durchgeht.

Ornithologe vor 1 Monat

Der Zeitpunkt der Übermittlung dieses jetzt nicht mehr vorläufigen Arbeitsdokumentes wurde durch die grüne Bundesvorsitzende und Noch-Landeshautmann Stellvertreterin Magistra Ingrid Felipe sicherlich nicht zufällig gewählt: 2 Tage vor der Nationalratswahl kann das keine Zufall sein!!! Aber was möchte sie damit bezwecken? Die Grünen werden wegen des getrennten Antretens von Dr. Peter Pilz sowieso starke Verluste hinnehmen müssen…….

Aber am meisten entbehrlich sind beim Thema Natura2000 wohl die Ergüsse des Noch-Landtagsabgeordneten und bereits als Ökonomierat weggelobten Dipl. Ing. Hermann Kuenz.: Wer, wenn nicht er, war denn der Hauptverantwortliche für das Drüberfahren über 10 Iseltaler und Deferegger Gemeinden im Jahre 2015 und für das Drüberfahren über 12 Lienzer Talboden-Gemeinden bei der versuchten Zwangsverordnung zur Ausweisung von landwirtschaftlichen Vorrangflächen bis unmittelbar an die Siedlungsgrenzen heran? Im Iseltal glaubt dem Kuenz politisch fast Niemand mehr etwas!

Wirtschaftsbund Landesobmann und Nationalrat-Kandidat Franz Hörl bemüht sich wenigstens glaubwürdig, zumindest in Nordtirol, das Schlimmste an überbordendem Naturschutz zu verhindern, wenngleich auch er in Osttirol seine Bezirksobfrau und hyperaktive Nationalratskandidatin bei der Natura2000 herzlich wenig im Griff hatte: Wer, wenn nicht sie, war es doch, die den Iseltaler-Bürgermeistern gerade bei diesem komplexen Thema die Kompetenz abgesprochen hat?

Landeshauptmann Günther Platter kann man aber abschließend attestieren, dass er sich vor allem in den letzten Jahren sehr für die Menschen in der Osttiroler Nationalpark-Region eingesetzt hat, insbesondere beim Neubau der Felbertauernstraße nach dem verheerendem Felssturz, bei einer verstärkten touristischen Positionierung des Nationalparks sowie bei der Installierung eines wirtschaftlichen Sonderprogrammes zur Belebung der Iselregion, auch noch ohne neue Natura2000-Gebiete……….

    lienzerin43 vor 1 Monat

    Ach lieber Anda, dein Beitrag zur Lösung ist wie immer sehr gering. Du hattest wohl lang genug Zeit, als Bürgermeister und Abgeordneter eine Lösung vorzubereiten. Aber konstruktives Arbeiten liegt dir nicht. Deshalb wurdest du auch abgewählt!

Kilian1990 vor 1 Monat

... und auch deswegen bekommen die Schwarzen am Sonntag meine Stimme

    miraculix vor 1 Monat

    ... schön, dass das jetzt auch "aus den eigenen Reihen" bestätigt wird. Wie formulierte es jüngst (sinngemäß) ein Politologe: Man kann ein Stück Asphalt auch türkis anpinselsn, schwarz bleibt es trotzdem ...