Krampus und Halloween: Gilt das Vermummungsverbot?

Nein! Beide Arten der Gesichtsverhüllung fallen unter die Ausnahme „Brauchtum“. 

Seit 1. Oktober gilt in Österreich ein gesetzliches „Vermummungsverbot“. Im Wahlkampf und am Stammtisch heißt dieses Gesetz „Burkaverbot“, was auf seine politische Stoßrichtung hindeutet, nämlich die Gesichtsverschleierung von konservativen Muslimas durch Burka und Niqab. Weil ÖVP und SPÖ, die im Sommer gemeinsam dieses Gesetz beschlossen, sich nicht dem Vorwurf der Diskriminierung einer Religionsgemeinschaft aussetzen wollten, wurde das Verbot „religionsneutral“ formuliert, was mittlerweile zu allerhand – mehr oder weniger skurrilen – Diskussionen und Deutungen führt.

Generell gilt, dass man seit einigen Wochen an öffentlichen Orten und in öffentlichen Gebäuden sein Gesicht nicht verhüllen darf. Man muss erkennbar sein, sonst drohen 150 Euro Strafe. Doch soviel vorweg: Krampusse und Klaubäufe betrifft das nicht. Und auch nicht die Halloween-Monster, die heute durch unsere Stiegen- und Gasthäuser geistern. Brauchtumsveranstaltungen sind nämlich ausgenommen. Bei Halloween wurde tatsächlich darüber diskutiert, weil der amerikanische Brauch noch nicht allzu lange in Österreich beheimatet ist. Stefan Eder, Pressesprecher der Landespolizeidirektion bestätigt aber: „Gesichtsverkleidung zu Halloween ist erlaubt“.

Wer verbirgt sich hinter „Lotter“ und „Litterin“? Das bleibt auch weiter ein Geheimnis, weil das Verhüllungsverbot für Brauchtumsveranstaltungen nicht gilt. Foto: Dolomitenstadt/Stefanie Wurnitsch

Krampusse und Klaubäufe standen grundsätzlich nie zur Diskussion, ihre Läufe fallen unter „kulturelle und traditionelle Veranstaltungen“. Allerdings betont der Polizeisprecher: „Was wirklich als Brauch gilt, entscheiden die Behörden vor Ort, das ist ja oft von Dorf zu Dorf unterschiedlich.“ Am Zug sind also die lokalen Behörden, in Osttirol die Bezirkshauptmannschaft und das lokale Polizeikommando. Wann verstößt denn ein Krampus gegen das Verhüllungsverbot, fragen wir die Bezirkshauptfrau Olga Reisner: „Vom Grundsatz her dann, wenn er sich nicht bei der Polizei meldet und seine Identität nachweist oder nachweislich nicht Teil einer Brauchtumsveranstaltung ist“, lautet die Antwort.

Wichtig ist der zweite Teil des Satzes. Auch hier ist der Rahmen nämlich weit gespannt, wie Silvester Wolsegger erklärt, Postenkommandant in Osttirol und zuständig für die Überwachung des Vermummungsverbotes. Er lässt keine Zweifel aufkommen, dass jeder, der von Ende November bis zum Nikolaustag mit einer Krampuslarve allein oder in Gruppen durch Osttirols Dörfer klumpert, von der Polizei als Teil eines kollektiven regionalen Brauchtums betrachtet wird. Also: Lauf los, Krampus!

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3 Postings bisher
Churchill vor 2 Wochen

Halloween ist kein tiroler bzw. österreichisches Brauchtum. Das stammt ursprünglich aus Irland und wurde vor etwa 20 Jahren aus Amerika importiert.

Darin sind wir uns wohl einig!

Burkas und Niquabs hingegen sind ein aus dem arabischen Raum ebenso erst vor wenigen Jahren importiertes Brauchtum.

Bei aller Güte verstehe ich nicht, warum das eine OK ist und das andere verboten? Also mal ohne jegliche Ideologie und rein von der Logik her drüber nachgedacht.

------- Dieses Gesetz ist wieder mal ein kleiner (Rück-)Schritt für die österreich Bevölkerung, aber ein RIESEN Sprung für die Bananenrepublik und reiht sich in ähnliche Absurditäten ein, wie etwa das nicht-kontrollierte und immer-wieder-beinah-gekippte Rauchverbot oder die unsinnige Flut an Zettelwerk durch die Registrierkassenpflicht.

austrojerk vor 3 Wochen

schade. das wäre die chance gewesen, diesen halloweenquatsch endlich abzuschaffen.

    senf vor 3 Wochen

    + krampusquatsch + faschingsquatsch. was die leute in ihren vier wänden machen ist mir wurst, dort hausen auch maskierte das ganze jahr über - so zumindest, wenn man hinter filmkulissen schaut. und das dürfte das eigentliche übel dieser erscheinungen sein 😇