Umweltvereine wollen die „Seele der Alpen“ schützen

Allianz von Alpenverein, Naturfreunden und WWF – Grüne und Fritz springen auf.

Jene Landschaften in Österreich, die völlig oder weitgehend naturbelassen sind, werden immer weniger. Heute sind nur noch sieben Prozent der gesamten Staatsfläche gar nicht oder nur gering erschlossen, mehr als die Hälfte davon ist nicht vor landschaftsbelastenden Eingriffen geschützt. Mit der „Allianz für die Seele der Alpen“ machen der Österreichische Alpenverein, die Naturfreunde Österreich und der WWF auf diese Entwicklung aufmerksam und rücken die Bedeutung der letzten alpinen Freiräume als seltene und wertvolle Ressource in den Vordergrund.

Die „Seele der Alpen“ braucht Schutz. Das unterstreichen nicht nur die Umweltvereine. Foto: Ramona Waldner

„Diese ursprünglichen alpinen Natur- und Kulturlandschaften beheimaten eine besonders große biologische Vielfalt. Bund und Land sind jetzt gefordert, unser einzigartiges Naturerbe, die Seele der Alpen, zu bewahren. Denn ohne Kurswechsel beim Boden- bzw. Flächenverbrauch bleiben Arten- und Naturschutz auf der Strecke. Zahlreiche Tiere und Pflanzen sind auf intakte und störungsarme Lebensräume angewiesen, seien es Steinadler, Steinbock und Alpenmurmeltier oder Enzian und Edelweiß“, unterstreicht Hanna Simons, stellvertretende Geschäftsführerin WWF Österreich.

Alpine Freiräume seien aber nicht nur für den Arten- und Naturschutz wichtig. „Sie stellen auch einzigartige Erholungsräume für uns Menschen dar. In unserer hochtechnisierten Gesellschaft hat das Naturerlebnis einen ganz besonderen Stellenwert. Die Menschen sehnen sich zunehmend nach einem Kontrast, nach tiefer Stille, reiner Luft und nach Naturräumen, in denen der Blick frei schweifen und die Seele zur Ruhe kommen kann. Die gesundheitliche Bedeutung dieser Landschaften ist nicht zu unterschätzen“, so Ingrid Hayek, Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins.

Gebi Mair gesteht ein, dass die Grünen als Regierungspartner in Tirol nicht alle Umweltziele erreichten, unterstreicht aber auch Teilerfolge. Foto: Expa/Gruber

Die Tiroler Grünen nehmen den Ball auf und regen eine offene Strategiediskussion der Tiroler Umweltbewegung an. „Wir haben als Grüne in den letzten Jahren nicht hundert Prozent unseres Programms umsetzen können”, gesteht Klubchef Gebi Mair, betont aber gleichzeitig auch Erfolge im Interesse des Naturschutzes, etwa die Erweiterungen von Schutzgebieten im Zillertal und die Natura 2000 Nominierungen in Osttirol. „In Tirol droht nach dem 25. Feber ein umweltpolitischer Gau und ein Rückfall in eine Zeit, in der die Wirtschaft ohne Rücksicht auf die Natur einfach drübergefahren ist. Das wird wieder passieren, wenn sich auf Bundesebene Kurz und Strache zusammentun und nach der Landtagswahl ein schwarz-blaues Bündnis in Tirol geschmiedet wird“, warnt Mair.

Auch Andrea Haselwanter-Schneider und Isabella Gruber von der Liste Fritz suchen den Schulterschluss mit den Umweltvereinen. Foto: Liste Fritz

Und auch die Liste Fritz sucht den Schulterschluss mit den Umweltvereinen und unterstützt die Initiative. „Immer noch mehr Schigebiete auszubauen, immer noch mehr Natur zu erschließen und dabei immer noch höher hinauf zu flüchten, mitten hinein in die einstmals heiligen und unberührten Gletschergebiete, kann nicht die Antwort auf fehlende Zukunftsvisionen im Tourismus und die Folgen der Klimakatastrophe sein“, erklärt Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider und kritisiert die Grünen: „Die grüne Selbsteinschätzung stimmt nicht mit dem konkreten politischen Handeln in den letzten fünf Jahren überein. Die Großkraftwerke samt Wasserableitungen und Wasserüberleitungen vom Kaunertal bis zum Stubaital sind unter Schwarz-Grün genauso unhinterfragt weitergegangen wie die touristischen Erschließungsprojekte, die jetzt im größten Gletscherschigebiet Pitztal-Ötztal gipfeln sollen.“

Ein Blick auf die Website des WWF zeigt, wo die „Seele der Alpen“ ihren geografischen Sitz hat: Von den oben zitierten sieben Prozent an weitgehend unberührten Landschaften liegen ein gutes Viertel in Tirol und davon wiederum ein beachtlicher Teil in Osttirol, vor allem im Bereich des Nationalparks Hohe Tauern.

Die „Seele der Alpen“ wohnt dort, wo diese Grafik dunkelgrün ist. Bezogen auf die Gesamtfläche ist keine Region so „beseelt“ wie Osttirol. Grafik: WWF
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bb

​„Immer noch mehr Schigebiete auszubauen, immer noch mehr Natur zu erschließen und dabei immer noch höher hinauf zu flüchten" ... Immer noch mehr Gülle auf noch mehr Almwiesen aufbringen...