Umfrage: Zurück zu den Noten in der Volksschule?

Das Bildungspaket der ÖVP/FPÖ-Regierungsverhandler stößt auf Skepsis. Was denken Sie?

Es enthält eine ganze Reihe von heftig diskutierten Maßnahmen, das von den türkisblauen Verhandlerteams ausgehandelte „Bildungspaket“ der künftigen Regierung. Tirols ÖVP-Bildungslandesrätin Beate Palfrader sieht darin positive Ansätze, wie den Ausbau der Ganztagsschulen und die Fokussierung auf Grundtechniken.

Laut ORF äußert Palfrader aber Bedenken, zu Schulnoten in der Volksschule zurückzukehren. Damit sei auch eine Abkehr von der Wahlfreiheit und der Schulautonomie verbunden: „Wir haben in Tirol bereits 225 Klassen mit alternativer Leistungsbeurteilung“, sagte Palfrader der APA. Dahinter steckten jahrelange Entwicklungsarbeit und Erfahrung. Zudem nehme die alternative Beurteilung viel Druck sowohl von den Kindern als auch von den Lehrern.

Wie beurteilt man die Leistung von Volksschulkindern? Mit klassischen Schulnoten oder mit einer verbalen Einschätzung? Foto: istock/gpointstudio

In die selbe Kerbe schlägt Elisabeth Bachler, Pflichtschulinspektorin in Osttirol: „Es ist schade, dass viele reformpädagogische Konzepte der letzten Jahre mit der Rückkehr zu den Ziffernnoten zunichte gemacht werden sollen. Diese Rückkehr steht auch im Widerspruch zur Schulautonomie im Paket der Bildungsreform, die von der derzeit noch amtierenden Regierung kurz vor Ende der Legislaturperiode beschlossen wurde. Und in der seit September 2016 geltenden Grundschulreform ist die Wahlfreiheit bezüglich der Benotung in den ersten drei Schuljahren ohnehin gegeben.“

Lehrpersonen und Erziehungsberechtigte entscheiden derzeit gemeinsam, ob es in der 1., 2. und 3. Schulstufe Ziffernnoten oder eine alternative Leistungsbeschreibung gibt. Bachler: „Diese Form beizubehalten wäre meiner Ansicht nach die einzig richtige Vorgehensweise. Mit der sehr differenzierten Leistungsbeschreibung können die Stärken des Kindes sehr gut beschrieben und Unzulänglichkeiten gemeinsam behoben werden.“

Für VS-Direktorin Maria Bürgler wäre die Rückkehr der Ziffernnoten ein „bedenklicher Rückschritt und eine Entmündigung der Erziehungsberechtigten“.

Maria Bürgler ist Direktorin der Volksschule Debant und gibt Elisabeth Bachler recht: „Ich sehe die Verpflichtung zur Beurteilung durch Ziffernnoten als einen bedenklichen Rückschritt und als Entmündigung aller Volksschullehrer/-innen und Erziehungsberechtigten. Die alternative Leistungsbeurteilung ist für mich eine Chance, die Gesamtpersönlichkeit eines Kindes besser im Fokus zu haben, ohne dabei das Ziel der Individualisierung aus den Augen zu verlieren.“

„Beide Systeme – Noten und verbale Beurteilung – haben Nachteile“, erklärt Hannes Moritz, Direktor der VS Süd in Lienz. „Noten alleine sagen zuwenig über den Schüler aus. Sie sind auch selten vergleichbar. Verbale Beurteilung ist oft für die Adressaten zu undurchsichtig, zuwenig verständlich.“ Zudem seien verbale Beurteilungen – wie die meisten Texte – mehrfach deutbar, gibt der Pädagoge zu bedenken „und daher ohne den richtigen Hintergrund und pädagogisches Verständnis schwer einzuordnen.“ Moritz hält eine Kombination aus beiden Formen für einen Ansatz, „die Leistungen der Kinder einigermaßen gerecht zu beschreiben“. Und was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser von Dolomitenstadt?

Umfrage
Sollen die Schulnoten in der Volksschule wieder eingeführt werden?
Ja, gute Idee. 591 Stimmen / 71%
Nein, ein Rückschritt. 246 Stimmen / 29%
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7 Postings bisher
Marcus G. Kiniger

Könnte mir jemand bitte ein Arbeitszeugnis auf reiner Notenbasis zeigen? Das würde mich auch aus arbeitsrechtlicher Sicht brennend interessieren.

Franz Brugger

Es gab Gründe, dass man von den Noten zur verbalen Beurteilung übergegangen ist.

Es zeigt sich offensichtlich, dass die reine verbale Beurteilung auch gewisse Nachteile mit sich bringt. Es wäre logisch, einen Schritt weiterzumachen, also in vernünftiger Form beide Systeme kombiniert, und nicht einfach "zurücksteigt".

Lienzner7

Noten sind sicher nicht der Grund für abfallende Leistungen der Schüler!

user89

das ganze hin und her im bildungssystem ist furchtbar, was auf der strecke bleibt ist die BILDUNG der kinder...ich war nie ein freund der verbalen beurteilung (caum12 sagt es treffend, um den brei herum formulieren)...noten sind okay...im späteren schul- und arbeitsleben wird auch beurteilt und nicht verschönt! wobei das grundlegend und vertiefend der nms genauso der selbe nonsens ist

caum12

"Zudem nehme die alternative Beurteilung viel Druck sowohl von den Kindern als auch von den Lehrern," meint Frau Palfrader. Dafür gibts dann in der vierten Schulstufe für etliche Kinder wohl ein böses Erwachen, da sie durch elegant umschriebene Formeln nie erkannt haben, wo sie wirklich stehen. Die legendären Schülerbeschreibungsbögen können ein Lied von dieser unscharfen Alibi-Charakterisierung schulischer Befindlichkeiten singen. Natürlich spiegeln Ziffernnoten eine falsche Exaktheit wieder und können mitunter wehtun. Oder große Freude bereiten. Sprachliches Um-den-Brei-Herumformulieren wird die Motivation bei beiden nicht sonderlich heben.

Kiew

Eine Beurteilung ist immer eine heikle Sache, die viel Fingerspitzengefühl verlant. Bei der Beurteilung mit Noten ist der Rahmen recht genau definiert und vor allem für einen "Einser" ist sehr viel Selständigkeit gefordert. So gesehen, sind die vielen "Einser" oft zu hinterfragen. Aber ein System von 1 - 5 versteht ein jeder. Eine genaue verbale Beurteilung ist viel schwieriger und kritikanfälliger, die auch verschieden ausgelegt werden kann. Eine genaue Beurteilung mit Worten ist auch viel arbeitsintensiver. Nicht immer soll eine Rückkehr zu Bewährtem als "Rückschritt in die Vergangenheit" verteufelt werden, umgekehrt auch nicht jede Neuerung als "progressiv" abgetan werden. Am wichtigsten ist es, zum Wohl der Schüler zu arbeiten und sie mit entsprechenden Worten und Gesten zu ermuntern, ihre in ihnen liegenden Talente ins Rampenlicht zu stellen

Wiesa

Gratulation an Herrn VD Moritz! Beide Varianten haben, so wie er sagt, Vor- und Nachteile, dass die Rückkehr zu den Ziffernnoten reformpädagogische Lehr- und Lernprozesse unterbindet ist "lächerlich". Entscheidend in jedem Lehr- Lernprozess ist, dass es gelingt, die Neugierde der Schülerinnen und Schüler zu wecken und zu erhalten. Gelingt das, ist die Form der Benotung nicht mehr so wichtig. Weiters ist auch entscheidend, wie eine "Beurteilung" mitgeteilt wird bzw. was zusätzlich noch mitgeteilt wird - ist es die Beurteilung einer Leistung oder eine Beurteilung des Kindes/Menschen!