Wie sagt man so schön: „Wien ist anders.“

Die 21-jährige Lienzerin Lisa Granig studiert seit einigen Jahren in der Bundeshauptstadt.

Lisa, was studierst du?
Ich absolviere das Diplomstudium Pharmazie und bin derzeit im 7. Semester.

Wie lange dauert dein Studium?
Die Mindeststudienzeit liegt bei neun Semestern, im Durchschnitt benötigt man aber 16 Semester — einerseits wegen fehlender Laborplätze und den damit verbundenen Wartezeiten, andererseits aber auch wegen der schweren Prüfungen, welche man auch das eine oder andere Mal wiederholen muss.

Lisa Granig, gezeichnet von Linda Steiner.

Womit schließt du dein Studium ab?
Als Magister der Pharmazie. Für die Beendigung des Diplomstudiums bleibt mir noch bis November 2021 Zeit, ansonsten erfolgt eine Umstellung auf den Bachelor-/Master-Studiengang. Dadurch habe ich auch die nötige Motivation, um im Studium voranzukommen. Ich will unbedingt den Magister erlangen und habe es mir als Ziel gesetzt, bis Ende 2020 mit allen Prüfungen und Laborübungen fertig zu sein. Das dürfte sich – mit eingeplanten Verzögerungen – auch gut ausgehen.


Was gefällt dir bisher besonders an diesem Studium? Worin siehst du Verbesserungsbedarf?
Ich bin vor allem vom praktischen Arbeiten im Labor sehr angetan. Es macht mir wirklich Spaß, gelerntes Wissen dort umzusetzen. Leider gibt es nur eine begrenzte Zahl an Laborplätzen und so ist es oft schwierig, an den jeweiligen Kursen teilnehmen zu können.


Warum ausgerechnet Pharmazie?
Eigentlich wollte ich zunächst Medizin studieren, habe dann aber mit Pharmazie begonnen, um für den Medizin-Aufnahmetest zu lernen. Nach einem Semester war mir aber klar, dass ich doch in diesem Studiengang bleiben möchte, da mich die Chemie inzwischen mehr faszinierte, als ich das geahnt hatte. Meine Entscheidung bereue ich nicht.


Gab es ein Aufnahmeverfahren?
In Wien gibt es eine begrenzte Aufnahmezahl an Studenten für den Studiengang Pharmazie. 686 Studierende werden jährlich aufgenommen und falls sich doch mehr anmelden — wie in jedem Jahr üblich — muss man an einem Aufnahmetest teilnehmen, der Anfang September durchgeführt wird.

Warum hast du dich für Wien als Studienort entschieden?
Für meine Studienrichtung gibt es österreichweit generell nur drei Standorte. Sowohl Pharmazie als auch Medizin kann nur in Innsbruck, Graz und Wien studiert werden — abgesehen von Privatuniversitäten. Ich habe mich für Wien entschieden, weil auch mein Vater schon hier Medizin studiert hat und immer sehr von dieser Stadt geschwärmt hat. Der Gedanke an die Großstadt und das Leben dort und vor allem die vielen Möglichkeiten haben mich letztlich überzeugt. So habe ich den großen Sprung vom ländlichen Osttirol in die Hauptstadt Österreichs gewagt. Meinen Bruder hat es aufgrund seiner Studienwahl bereits ein Jahr vor mir nach Wien gezogen, daher war ich am Anfang zumindest nicht ganz allein.

Wie war die Phase des Einlebens? Schwierig?
Am Anfang fiel es mir nicht leicht mich zu orientieren. Alles war neu und ich war mehr oder weniger auf mich allein gestellt, da eigentlich niemand von meinen Schulfreunden nach Wien zog. Besonders an der Hauptuniversität hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten. Es war eine große Herausforderung für mich alle Hörsäle zu finden und mir alle notwendigen Skripten zu besorgen. Ich habe jedoch alles gut gemeistert und bin an meinen Aufgaben auch gewachsen. Jetzt bin ich das vierte Jahr in Wien und habe überhaupt keine Probleme mehr, mich zurechtzufinden.

Wie gefällt dir das Großstadtleben?
Ich glaube, jeder von uns war schon einmal in Wien. Die Stadt ist riesig und schläft nie und die Menschen dort wirken gestresst und hektisch. Die Wiener sind eigen, aber wie sagt man so schön: „Wien ist anders“.

Neben dem ganzen Stress und Autolärm gibt es aber auch viele schöne Plätze in Wien. Neben den großen Parks und Grünflächen gibt es ein großes Angebot an Freizeitmöglichkeiten in und außerhalb der Stadt. Am meisten fasziniert mich jedoch das System der öffentlichen Verkehrsmittel — ein verpasster Bus oder eine Straßenbahn ist hier überhaupt kein Problem, in fünf Minuten kommt schon der oder die nächste.

Wie war der Abschied aus der Heimat?
Am Anfang war ich etwas nervös, wie es mir in der Großstadt wohl ergehen würde. Besonders der Gedanke, dass ich dort eigentlich keinen kennen würde, weckte ein mulmiges Gefühl in mir. Andererseits mag ich Herausforderungen und so war die Vorfreude auf die Großstadt auch dementsprechend groß. Vor allem die Tatsache, dass mein Bruder ebenfalls in Wien studiert, hat mich letztlich doch sehr beruhigt. Der Umzug nach Wien war natürlich auch eine große Umstellung für mich, aber ich habe mich recht schnell eingelebt und neue Freunde gefunden. Besonders in den Laborpraktika habe ich viele liebe Freundinnen dazugewonnen und wir unterstützen einander auch im Studium so gut wir nur können.

Wie verbringst du deine Freizeit in der Großstadt?
In meiner Freizeit lerne ich meistens, das Kontrastprogramm dazu beinhaltet viel Sport. Das lange Sitzen in den Vorlesungen aber auch in der Bibliothek beim Lernen kann auf Dauer sehr anstrengend werden, daher besuche ich mehrmals pro Woche das Fitnessstudio. Am Wochenende gehe ich oft spazieren oder treffe mich mit Freundinnen.

Wie soll dein beruflicher Weg nach dem Studiumabschluss aussehen?
Auf jeden Fall will ich das Studium mit dem Master abschließen. Danach werde ich wohl das Aspirantenjahr — ein praktisches Jahr in einer Apotheke — angehen. Danach stehen mir viele Möglichkeiten offen. Ich würde später gerne in der Forschungsabteilung eines Pharmakonzerns arbeiten.

Hast du Heimweh? Was geht dir besonders ab?
Vor allem im Winter vermisse ich Osttirol, da ich eine leidenschaftliche Schifahrerin bin und den Schnee im Winter liebe. Leider schneit es in Wien nicht oft, aber wenn, dann habe ich schon sehr Heimweh. Auch wenn ich aufgrund von Prüfungen und Laborpraktika länger nicht heimfahren kann, vermisse ich besonders meine Eltern und auch die Gegend zuhause. Wenn mehrere Tage hintereinander vorlesungsfrei oder Ferien sind, fahre ich immer gerne nach Osttirol. Für mich ist das wie Urlaub und sehr erholsam. Nur über das Wochenende zahlt sich die Fahrt aber nicht wirklich aus, da man nach Lienz mit dem Zug knapp sechs Stunden unterwegs ist — pro Fahrt versteht sich. Meine Mutter besucht mich auch trotz vollem Terminkalender manchmal in Wien. Auch mein Vater kommt hin und wieder vorbei, dann ist das Heimweh nicht mehr so schlimm.

Kannst du dir irgendwann eine Rückkehr nach Osttirol vorstellen?
Leider gibt es für mich in Osttirol derzeit nicht viele Aussichten auf eine gute Arbeitsstelle — abgesehen von den Apotheken. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen, etwas in der Nähe zu finden. Mein Aspirantenjahr kann ich hoffentlich in Lienz absolvieren, was danach kommt, ist noch offen.
Ich werde aber immer versuchen, Osttirol regelmäßig zu besuchen, da ich ein sehr heimatverbundener Mensch bin.

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