Theatererlebnis in Lienz: „Begegnung mit Anne Frank“

Eine szenische Auseinandersetzung mit dem Tagebuch des jüdischen Mädchens vom Stadttheater Bruneck.

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank bewegte Generationen. Die Szenische Auseinandersetzung von Claus Tröger berührt durch das intensive Spiel von Petra Rohregger nicht minder, begeistert aber auch durch die gelungene Anknüpfung an die Gegenwart.

Mehr als zwei Jahre gelang es Anne Frank und ihrer Familie, sich in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht vor den Nationalsozialisten zu verstecken. Dann wurde die jüdische Familie verraten und von den Deutschen in verschiedene Konzentrationslager verschleppt. Anne Frank starb 1945 in Bergen-Belsen an Typhus, nur wenige Wochen vor Kriegsende.

Als einziger der Familie überlebte Annes Vater Otto die Shoa (jüdische Bezeichnung für den Holocaust). Er war es, der nach dem Krieg Annes Wunsch erfüllte und ihr Tagebuch, das sie während ihrer Zeit im Versteck geführt hatte, als Buch herausgab. So wurde „Das Tagebuch der Anne Frank“ zu einem der bedeutendsten und berührendsten Zeitdokumente über die Schrecken der Shoa. Die bewegende und verstörende Geschichte der Anne Frank zeigt die Welt einer Jugendlichen, die innerhalb eines Sekundenbruchteils durch politische Entscheidungen von der normalen Mitbürgerin zur Vaterlandsverräterin, zur nationalen Bedrohung und zur Ausgestoßenen wird.

Der jungen Südtiroler Schauspielerin Petra Rohregger gelingt es, die Klugheit, Nachdenklichkeit und den Frohsinn von Anne Frank wiederzugeben. Foto: Stadttheater Bruneck

Claus Trögers Umsetzung auf der Bühne ist die Auseinandersetzung mit der Zeitlosigkeit eines historischen Moments. Es ist der Versuch, Vergangenheit transparent zu gestalten, um sie einer gegenwärtigen Generation plausibel darzulegen. Es ist keine Zeigefinger-Penetranz und kein „Nicht-schon-wieder-dieses-Thema!“, zeigt aber sehr wohl die Notwendigkeit, nicht schweigen zu wollen.

Es spielt die junge Südtiroler Schauspielerin Petra Rohregger: geboren in Bozen, aufgewachsen zwischen Südtirol, Shanghai und Singapur, sammelt sie bereits mit 13 Jahren Erfahrung als Kinder Fernsehmoderatorin auf Chinesisch und Englisch. Ab Oktober 2013 Ausbildung zur diplomierten Schauspielerin an der Europäischen Theaterschule in Bruneck (Abschluss im Juni 2015 mit ausgezeichnetem Erfolg). Sie spielte unter anderem am Stadttheater Bruneck sowie diverse Rollen in der Schweiz und Deutschland mit dem „Tatort-Social-Network“ Projekt. Erste Film-Erfahrungen sammelte sie beim Kinofilm „Honig im Kopf“ von Til Schweiger und ist auch in der zweiten Fernsehfolge von „Kripo Bozen“ zu sehen.

Die eingespielten Tonbandstimmen kommen von Klaus Rohrmoser, Jim Parker und Horst Herrmann. Das Stück ist eine Produktion des Stadttheater Bruneck.

Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 6. März, um 20:00 Uhr im Saal des BG/BRG Lienz. Karten für den Theaterabend sind im Bürgerservicebüro in der Liebburg erhältlich, Info und Reservierung telefonisch unter 04852 600 519 und online auf www.stadtkultur.at. Am Vormittag findet eine Vorstellung für höhere Schulen statt.

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