„Himmlazzn“ – ein Aufblitzen der Literatur in Assling

Markus Wurzer zündete mit seinem dritten Poetry-Slam wieder ein kreatives Feuerwerk.

Markus Wurzer liebt die Sprache. Er liebt ihre Inszenierung und er liebt die Begeisterung, die sie wecken kann, wenn der Funken auf Zuhörer überspringt. Dass er es meisterlich versteht, diesen Funken zu entzünden, hat er schon 2015 bewiesen. Damals gewann der 28-jährige Asslinger, der in Graz und Bologna Germanistik und Geschichte studierte und nun an seiner Doktorarbeit schreibt, den Grazer Hörsaal Slam. Und das vor 600 Zuhörern, mit einem Text in bestem Asslinger Dialekt, von dem er nicht wusste, wie viele ihn tatsächlich zur Gänze verstehen würden. Wie unterhaltsam er aber auch im kleinsten Rahmen sein kann, zeigte Wurzer mit dem von ihm mit viel Witz und Charme moderierten „Himmlazzn-Slam“, der in diesem Jahr zum dritten Mal in Assling stattfand.

„Als gemeinsam mit dem Team der Bücherei Assling die Idee geboren wurde, einen Slam zu organisieren, war rasch klar, dass wir einen knackigen Titel finden müssen, denn einen solchen braucht jeder Slam”, erzählt Markus. Nach etwas Überlegen sei es „Himmlazzn“ geworden. „Und ich denke, der Name sitzt: Wetterleuchten an lauen Sommernächten trägt immer eine Spur Magie in sich. Und magische Momente und zündende Texte wollen wir auch beim Slammen erleben. Außerdem ist ‚Himmlazzn‘ ein besonderes Dialektwort, das regional spezifisch ist und einen wunderschönen, ja fast lautmalerischen Klang besitzt.“ Und darum geht es schließlich bei Poetry-Slams: Es ist nie nur der Inhalt eines Textes, der zählt, sondern auch der Klang der Sprache und die Art, wie diese Literatur dem Publikum übermittelt wird. Einen Beweis dafür liefert das von Florian Vergeiner gemachte Video:

„Bei Poetry-Slams ist es wichtig, seinen Text in Szene zu setzen. Es ist nie nur das Vortragen von Literatur, sondern immer auch eine Performance, die eine Interaktion mit dem Publikum einschließt“, beschreibt es Anna Lukasser-Weitlaner, ebenfalls eine gebürtige Asslingerin, die nun als Theaterpädagogin in Salzburg arbeitet. Gesagt, getan! Und zwar sowohl mit ihrem ersten Beitrag „27“, in dem sie über die „Quarterlife Crisis“ sprach – einer ersten Lebensbilanz also, die nicht immer so rosig ausfällt, wie es das Alter an und für sich verheißen könnte – als auch mit „Kathrin“, ihrer ganz persönlichen und berührenden Hommage an ihre beste – und im Publikum sitzende – Freundin.

Freundschaft war vor allem bei den jüngeren Teilnehmerinnen des Slams ein großes Thema. „Das macht es schwerer, denn es ist leicht, Fakten in einem Schulreferat vorzutragen, aber es ist nicht einfach, Persönliches so offen zu präsentieren“, sagt dazu Emma Schrotter, die zur Zeit die vierte Klasse des BG/BRG Lienz besucht und schon bei allen drei „Himmlazzn“-Poetry-Slams und Workshops von Markus Wurzer dabei war. Den ersten Asslinger Slam gewann damals Sandra Vergeiner, eine 24-jährige Studentin der Musikwissenschaften in Innsbruck, die das Gleiche in diesem Jahr noch einmal schaffte. Heuer allerdings ex aequo mit der erst 16-jährigen Schülerin und zukünftigen Elementarpädagogin Ariana Schiner aus Thal. Sie beide erhielten nicht nur die gleiche, vom Publikum vergebene Punktezahl im zweiten Durchlauf. Auch die bei ihnen per Handy-App gemessene Applauslautstärke war gleich!

Workshop mit Markus Wurzer
Die Fangemeinde
Anna Lukasser-Weitlaner
Emma Schrotter
Ariana Schiner
Mona Tirala
Die Preisträger
Die jüngsten Teilnehmer

Doch um das Gewinnen schien es den Teilnehmern ohnehin nicht zu gehen. Poetry-Slams haben zwar 1986 mit einem „Dichterwettstreit“ in Chicago begonnen, erinnern ein wenig an die „Sängerkriege“ des Mittelalters und weisen durch die Jury-Bewertung, das Aufsteigen in die zweite Runde und die Krönung eines Siegers typische Merkmale eines Wettkampfes auf, aber von einem gegeneinander Antreten konnte zumindest in Assling keine Rede sein. Markus Wurzer bringt die eigentliche Faszination eines Poetry-Slams dementsprechend folgendermaßen auf den Punkt: „Der Reiz liegt in der Vielfalt an Poeten und ihren Texten, Themen, Formen. Wer zu einem Poetry-Slam geht, erlebt keine Langeweile, sondern faszinierende Darbietungen, die so einzigartig sind wie ihre Autoren. Die Abwechslung macht den Reiz am Ende aus.“

Das wurde beim „Himmlazzn“ Poetry-Slam 2018 in Assling definitiv bewiesen. So erzählte zum Beispiel die jüngste Teilnehmerin, die erst siebenjährige Mona Tirala aus Innsbruck, von einem sprechenden Baum, Sandra Vergeiner von einem Faultier, dem diese Welt nicht nur zu hektisch, sondern auch zu „denkig“ ist und Ariana Schiner davon, wie sehr die großen Probleme unserer Welt mit uns selbst zu tun haben. Und all das in einer poetischen, harmonischen, zum Text und Sprecher passenden Sprache. Würde man diese Texte lesen, wären sie immer noch gut. Vorgetragen aber sind sie richtig gut. Poetry ist Literatur. Poetry Slams sind ihre Konzerte. Und gespielt wird live. Mit allem Drum und Dran, inklusive Bühnenangst und Lampenfieber, Freude, tosendem Applaus und dem Gefühl, beim nächsten Slam auch wieder dabei sein zu wollen. Nur gut, dass es einen „Himmlazzn“-Slam 2019 geben wird.

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