Adler Runde an AK: Reden wir miteinander!

Zum 1. Mai beteuern die Spitzen von Arbeiterkammer und Wirtschaft ihre Dialogbereitschaft.

„Unser Land hat sich stets ausgezeichnet durch den Dialog, durch Meinungsvielfalt und durch gegenseitige Akzeptanz und Toleranz. Diese Tugenden scheinen nichts mehr zu zählen. Sozialpartner und Experten werden auf die Seite geschoben, es wird parteipolitisch agiert und agitiert. Derzeit verweigert die Regierung den Dialog, statt Gemeinsamkeiten zu verhandeln. Ist das die neue Form des Regierens, die uns versprochen wurde?“

So klagt der Präsident der Tiroler Arbeiterkammer, Erwin Zangerl, in einer Aussendung zum Tag der Arbeit über ein verändertes politisches Klima, im dem „Teile der Politik, Wirtschaft und Industrie“ für Verunsicherung sorgten indem der Staat krankgejammert werde, um Pensionskürzungen und Spar-Dogmen zu propagieren.

„Menschen sind kein Kostenfaktor.“ AK-Präsident Erwin Zangerl gibt sich weiter kämpferisch, beteuert aber Dialogbereitschaft. Foto: AK/Facebook

„Menschen sind kein Kostenfaktor. Es geht um gute Arbeit und gerechte Gehälter, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Statt Kürzungsdebatten braucht es eine Aufbruchsstimmung und weitere Maßnahmen zur Konjunkturbelebung“, so der Arbeiterkammer-Präsident, der dann zu noch härteren Bandagen greift und der – von seiner eigenen Partei gelenkten – Regierung die Verbreitung von „Fake-News“ unterstellt:

„Die angeblichen finanziellen Entlastungsmaßnahmen für die Arbeitnehmer durch eine Senkung der AK Beiträge sind der gleiche Taschenspielertrick wie der Anschlag der Regierung auf die AUVA, AMS oder Sozialversicherungen. Da geht es nicht um Verbesserungen oder Einsparungen. Da geht es um Macht und Einfluss auf die wesentlichsten Säulen unseres Sozialstaates. Hier drohen ein massiver Sozialabbau und eine Umverteilung von unten nach oben. Man ist ein paar Großindustriellen im Wort. Die Industrie hat Dinge bestellt, die Regierung muss Ergebnisse liefern. Was als Unterstützung im Wahlkampf geflossen ist, muss als Dividende zurückkommen.“

Anton Pletzer ist Präsident der Tiroler Adler Runde und meint: „Wir können uns den Veränderungen, die die Wirtschaft von morgen einfordert, nicht verschließen.“ Foto: Tiroler Adler Runde

Einige Vertreter der von Zangerl kritisierten Industrie sitzen in der „Tiroler Adler Runde“, die per Presseaussendung kontert. Man weise die permanenten Angriffe der AK zurück und fordere eine Rückkehr zu lösungsorientiertem Handeln für den Wirtschaftsstandort Tirol: „Wir können uns den Veränderungen, die die Wirtschaft von morgen einfordert, nicht verschließen. Um zukunftsfähig zu bleiben, braucht es neue Spielregeln“, erklären die 42 Tiroler Unternehmer des elitären Zirkels. Statt „medialer Anwürfe und tendenziöser Umfragen“ müssten die dringlichen Fragen für die Zukunft angesprochen werden, etwa auf dem Bildungssektor.

„Hierfür mutig Motor zu sein, um die Arbeitnehmer bestmöglich auf den strukturellen Wandel vorzubereiten – rund 9 Prozent der Beschäftigten haben aktuell ein hohes Automatisierungsrisiko – wäre die Aufgabe der gesetzlichen Interessensvertreter“, so Anton Pletzer, der Präsident der Tiroler Adler Runde. „Ansonsten bleibt ein anachronistischer Beigeschmack – ähnlich dem Red Flag act, der für die ersten Automobile in England einen Begleiter vorschrieb, der mit der roten Fahne vorauslaufen musste, um die Fußgänger zu warnen“, so Pletzer weiter. Auch er betont die Notwendigkeit einer Rückkehr zum „wertschätzenden Meinungsaustausch“. Die Adlerrunde plane eine Veranstaltung für Unternehmer und Arbeitnehmer, um neue Wege aufzuzeigen: „Wir möchten in diesem Zuge noch einmal unsere bereits mehrmals ausgesprochene Einladung zum Interessensaustausch an AK-Präsident Zangerl erneuern“, unterstreicht Anton Pletzer im Namen der Adler Runde.

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