Vertical Arena: Wieviel Mensch verträgt der Berg?

In Sexten diskutierten Fachleute über den Massenansturm und seine Folgen im Hochgebirge.

Bei der 2. Vertical Arena am 14.06.2018 in Sexten erzählten der bekannte Alpinist Steve House (USA), die Profibergsteigerin Ines Papert (D), der polarisierende Expeditionsveranstalter Lukas Furtenbach (Ö) und der spirituelle Kletterer Heinz Grill (D) über ihr Tun am Berg, egal ob mit Hilfe einer teuren Multimedia-Show oder einfach nur begleitet von ein paar schlecht aufgelösten Bildern.

Die Vortragenden hatten in zwanzigminütigen Impulsvorträgen die Aufgabe, die Essenz ihres Handelns und Wirkens zu beschreiben. Heraus kamen Zugänge zum Bergsteigen und Klettern, die unterschiedlicher nicht sein hätten können. Vom Puristen Steve House über den mit Sauerstoff und Hypoxie-Zelten agierenden Furtenbach bis hin zum spirituellen Yogalehrer und Alleingänger Heinz Grill reichte das Spektrum. Ines Papert legte noch eines drauf und zeigte in atemberaubenden Bildern ihren Schneller-Höher-Weiter-Stil in den Bergen. Durch den Abend führten der Chefredakteur des Magazins „bergundsteigen“ Peter Plattner und die Osttiroler Alpinistin Lisi Steurer.

Steve House, Großmeister des alpinen Purismus, erklärte dem Publikum bei der Vertical Arena Sexten 2018 seine Sicht auf die Berge.

Nach den Impulsvorträgen gab es eine Diskussion zum Thema „Massen am Berg“. Der Hintergrund dafür: Bergsteigen ist zu einem Breitensport geworden. Das hat zwar positive Folgen für die Wirtschaft aber auch negative für die Natur. Nicht nur die Alpen und das UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten sind in der Hochsaison überfüllt, sondern auch andere bekannte Bergregionen der Erde. Es drängte sich daher die Frage auf, welche Menschenmassen vertragen die Berge? Furtenbach brachte es auf den Punkt: „Die Leute sind dort, wo wir ihnen einen leichten, einfachen Zugang ermöglichen“. Durch attraktive Angebote findet eine Besucherlenkung automatisch statt, die andere Gebiete vor der Überfüllung schützt. Dies sei am Everest gleich wie in den Alpen.

Lukas Furtenbach, kommerzieller Anbieter von Achttausender-Expeditionen, erklärte, wie die Massen auf den Berg kommen.

Die Massen gehen also dorthin, wo es Anziehungspunkte gibt und die Infrastruktur dafür geschaffen wurde. Dies können Wanderwege und Klettersteige, genauso wie die asphaltierten Dolomitenpässe sein. Die Mehrheit der Menschen sucht diese Orte, die sie als erlebnisorientierte Gesellschaft braucht, um davon auch auf Sozialen Medien zu berichten. Das Füttern des Egos auf Facebook, Instagram und Co. sieht Furtenbach übrigens auch als Gemeinsamkeit zwischen Touristen und (Extrem-)Alpinisten am Berg, die zwar ohne Sauerstoff auf einen Achttausender steigen, aber dennoch Teil der Erlebnisgesellschaft des 21. Jahrhunderts sind.

Christina Schwann, Ökologin mit Schwerpunkt Regionalentwicklung. Fotos: Wisthaler

Christina Schwann, Ökologin mit Schwerpunkt Regionalentwicklung aus Innsbruck hingegen sah in der Limitation dieser leicht erreichbaren Gebiete eine Chance für die Natur. Die Regulierung des Individualverkehrs auf den Dolomitenpässen sei als längst überfälliger Schritt zu sehen und ein Garant für einen langfristig touristischen Erfolg einer Bergregion. „Weniger ist hier viel mehr!“

Skigebietserweiterungen und Heliskiing in den Dolomiten sind der Ökologin ein Dorn im Auge und schädigen ihrer Meinung nach das Image der Dolomiten langfristig. Auch das Publikum war zu später Stunde noch aktiv und die Tatsache, dass viele Touristen als motorisierte Eintagsfliegen in die Dolomiten kommen, um die Pässe oder den Pragser Wildsee zu sehen, sei langfristig besonders für die Bewohner der Dolomitenregionen nicht wünschenswert.

Kurz vor Mitternacht beendete die Osttiroler Bergführerin und Alpinistin Lisi Steurer den Abend. Sie entwickelte das Veranstaltungsformat gemeinsam mit dem Sextener Künstler Felix Tschurtschenthaler im Auftrag des Tourismusvereins.

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