„Bürgerstromanlage“: Sonnige Zeiten für Passail

Ein kleiner Ort nördlich von Graz produziert sauberen Strom auf öffentlichen Dächern.

Insgesamt 1.925 Stunden lang schien laut Wetterstatistik im vergangenen Jahr die Sonne auf die Dächer der steirischen Gemeinde Passail nördlich von Graz. Und anders als die meisten Österreicher haben die Bewohner den Sonnenschein nicht nur zum Schwimmengehen, Wandern oder Radfahren genutzt. Sie verwandelten die warmen Strahlen währenddessen mühelos in Strom – und machten die überschüssige Leistung zusätzlich noch zu Geld. Denn jede nicht selbst verbrauchte Kilowattstunde, die aus erneuerbaren Energiequellen in das öffentliche Netz eingespeist wird, erzielt in Österreich 7,91 Cent.

Die kleine Gemeinde weiß die Fördersummen zu nutzen und hat auf den Dächern sämtlicher öffentlicher Gebäude Solaranlagen errichten lassen: etwa auf dem Kindergarten, dem frisch gebauten Turnsaal der Neuen Mittelschule oder der Stocksporthalle. Dass ein Ort mit etwas mehr als 4.000 Einwohnern die dafür nötigen Investitionen stemmen kann, ist ungewöhnlich. Und ein derart großflächiges Bekenntnis zur erneuerbaren Sonnenenergie noch mehr. „In Österreich haben wir eine Solar-Quote von gerade mal einem Prozent“, sagt Hubert Steiner vom Photovoltaik-Dienstleister „Sonnengewinn“. In Passail ist sie deutlich besser: „Da liegen wir schon bei mehr als 600 Watt installierter Photovoltaik-Leistung pro Einwohner.“

Auf allen öffentlichen Dächern Passails sind Solarmodule angebracht – unauffällig und parallel zum Dach.

In Passail sind nicht einfach nur ein paar Solarmodule verbaut worden: Nein, es handelt sich um echte „Bürgerstromanlagen“: Viele der Einwohner sind direkt an ihnen beteiligt, sie haben ihr Erspartes dafür hergegeben – 250 Euro pro Modul, und mindestens 1000 Euro. Das müsse so sein, um den Bearbeitungsaufwand pro Investor möglichst gering zu halten, sagt Steiner. Zuletzt hat der Unternehmer mit Hilfe der Bürger auf der Plattform gemeinwohlprojekte.at mehr als 47.000 Euro für eine Anlage auf dem örtlichen Bauhof eingesammelt. Im Herbst 2017 wurde auch auf dessen Dach eine Photovoltaikanlage für jährlich etwa 50.000 Kilowattstunden Sonnenstrom errichtet.

Und zwar unauffällig und parallel zum Dach, wie der überzeugte Öko-Strom-Experte betont. „Wir verschandeln nicht das komplette Ortsbild für ein bisschen Extra-Leistung.“ Wütende Bürgerproteste, wie sie vor dem Baubeginn großer Windräder oft stattfinden, sind ihm deshalb fremd. „Das Einzige, was Anrainer stören könnte, wäre eine Blendwirkung durch die Solarmodule“, sagt der studierte Ingenieur. „Das hatten wir einmal und haben dann entsprechend umgebaut. Niemand soll durch die Photovoltaik eine Beeinträchtigung erleiden.“ Stattdessen überwiegt der Nutzen für alle Beteiligten: ökologisch wie finanziell. Auf ihr bereitgestelltes Geld bekommen die Solar-Investoren eine Rendite von 2,5 Prozent pro Jahr, ausgezahlt durch Sonnengewinn. Das ist mehr als man von Sparbuch und Co im Moment erwarten dürfe, sagt Steiner. Und das Risiko sei fast ebenso gering: Wer vor Ende der Laufzeit aus dem Mietvertrag aussteigen will, erhält den vollen Einsatz zurück. „Notfalls übernehmen wir frei werdende Module selbst.“

Hubert Steiner ist überzeugter Ökostrom-Experte. Der Unternehmer produziert Solarstrom mit Bürgerbeteiligung.

Die Gemeinden haben bei all dem übrigens nicht viel mehr zu tun, als ihre Dächer bereitzustellen. Bezahlen müssen sie erst etwas, wenn sie nach 13 bis 25 Jahren die Anlage von Sonnengewinn zum Buchwert abkaufen. „Bis dahin bekommen sie nicht nur sauberen Strom für ihre öffentlichen Gebäude, sondern verdienen sogar noch eine Dachmiete,“ erklärt der Photovoltaik-Anbieter. „Und zwar für Flächen, die normalerweise überhaupt nicht genutzt werden.“

Bei der gesamten Projektabwicklung haben die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen meist ebenfalls wenig Kopfschmerzen: Sonnengewinn kümmert sich um die Ermittlung des Solar-Potenzials im Ort, prüft die Statik der Dächer und beruft die Bürgerversammlungen ein. Und wenn der nächste Netzanschluss zu weit entfernt vom Kindergarten liegt, verlegt Steiner eben auf eigene Kosten eine neue Leitung. „Es darf nicht zu kompliziert werden, sonst machen die Gemeinden nicht mit.“ Die Gebühren für die Baugenehmigung der Projekte über mehr als 100 Quadratmeter trägt Sonnengewinn ebenfalls vorher, auf eigenes Risiko. „Da zahlen Sie schon mal 2.000 bis 3.000 Euro, ohne zu wissen, ob Sie die Anlage später gefördert kriegen.“

Nicht die einzige Hürde auf dem Weg zum eigenen, sauberen Strom vom Dach, von der er berichtet. Der vergleichsweise geringe Solar-Anteil in Österreich verwundert da nicht mehr: Denn die Förderung einer geplanten Anlage kann man – kaum zu glauben, aber wahr – nur einmal im Jahr beantragen. „Immer am 9. Jänner um 17.00 findet eine Lotterie statt, zu der man sich für fünf Minuten online anmelden kann. Wer zu spät kommt, kann wieder ein Jahr warten“, erzählt Steiner pragmatisch, was für Außenstehende nach einer besonders verrückten Folge von Asterix und Obelix klingt. Er hat sich im System mittlerweile zurechtgefunden, auch wenn er sich häufigere Vergabetermine wünschen würde, damit es mit der Solarenergie in Österreich vorangehen kann. „Aber wir sind zufrieden.“

Pro Einwohner produzieren die Anlagen in Passail 600 Watt Photovoltaik-Leistung.

Das gesamte Konstrukt des Mietens, der Bürgerbeteiligung mit Gewinnbeteiligung, des Kaufens und Zurück-Kaufens mag auf den ersten Blick etwas komplex wirken. Doch so sei es für alle Projektteilnehmer am sichersten, findet Steiner.

Die Gemeinwohl-Anerkennung ist für ihn nicht nur ein netter Marketing-Gag. „Wir sind schon Überzeugungstäter“, gibt er zu. Sonnengewinn arbeitet zum Beispiel bei allen Installationen möglichst mit lokalen Handwerkern zusammen, um die Wertschöpfung in der Region zu lassen. „Wir wollen mit Solarenergie in den Orten nicht nur einen neuen, ökologischeren Weg der Stromerzeugung anbieten, sondern auch einen wirtschaftlichen Mehrwert schaffen“, sagt Steiner. So seien in Passail drei Personen ganzjährig mit der Errichtung und Betreuung der Photovoltaik-Anlagen beschäftigt. „Für so einen kleinen Ort ist das eine ganze Menge.“

Enttäuscht ist der grundsätzlich optimistisch wirkende Öko-Unternehmer eigentlich nur vom mangelnden Engagement bei so manchem Industriebetrieb. „Wir sind da in der Vergangenheit schon oft gegen Mauern gerannt“, sagt Steiner. „Wir haben Industriebetrieben für ihre riesigen Dachflächen schon Projekte im Megawatt-Bereich angeboten, und hätten bis zu 50.000 Euro Sonnenstrom-Gewinn pro Jahr ins Haus gebracht“, erzählt er. Doch kein Interesse.

„Noch ist der konventionelle Strom für viele wohl weiterhin zu billig“ sagt er. Auch das werde sich aber irgendwann ändern, wenn die wahren Kosten von fossilen Energieträgern und Umweltzerstörung einmal weitergegeben würden. „Wir werden irgendwann alle unseren Beitrag leisten müssen, wenn wir gegen den Klimawandel eine Chance haben wollen“, sagt Steiner noch dazu. Die Bürger von Passail sind schon so weit.


„Neue Wege“ ist eine Kurzserie auf dolomitenstadt.at im Rahmen des Prozesses „Vordenken für Osttirol“. Bis zum Herbst 2018 zeigen wir anhand von ausgewählten Beispielen aus ganz Österreich, wie durch verschiedene Modelle der Bürgerbeteiligung regionale Problemstellungen auf innovative Art gelöst werden. Abwanderungsstopp, Bildung, Digitalisierung, Wertschöpfung, soziale Integration – Ziele, die auch in Osttirol angesteuert werden, sind andernorts manchmal schon erreicht. Wir nehmen diese Lösungen unter die Lupe, recherchieren Hintergründe und bieten damit Anregungen für Bürgerprojekte vor Ort.

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16 Postings bisher
Leonhard vor 2 Monaten

... auch wenn nicht jeder sehen will, was anderswo so alles möglich ist.

... Bleibt zu hoffen, dass doch irgendwann den "richtigen" Menschen in unserem Land bewusst wird, dass Wasserkraft ...

Herr Haidenberger, solange Sie mit solchen Statements überheblich, arrogant und pseudointelektuell auf die "normalen Menschen" herabblicken, werden die Grünen weiterhin nur in Ausnahmefällen - wie in Innsbruck - Erfolg haben.

steuerzahler vor 2 Monaten

Bitte etwas genauer recherchieren, denn die Vergütung für Solarstrom erreicht die kolportierten 7,91 Cent/kWh höchstens in Ausnahmsfällen und das nur begrenzt. Würde ich die 7,91 bekommen, dann würde ich sofort mit dem Aufbau beginnen. Leider bekommt man aber nur die Hälfte und das rechnet sich nicht. Und Hobbys, bei denen man den Preis nicht hinterfragt, habe ich schon genug... Grundsätzlich halte ich den Solarstrom für eine gute und wichtige Sache, leider wird der Preis von den Atomstromkonzernen ruiniert.

    F_Z vor 2 Monaten

    Nun ja, wenn man die erwähnte Anlage auf dem Bauhofdach nimmt, dann speist die nicht ins öffentliche Netz ein, sondern der Strom geht an die Gemeinde (Bauhof + Kindergarten) - von daher auch die erwähnte Leitung beim Kindergarten - die wurde nämlich dafür verlegt. Und wie dann die Gemeinde mit dem Solaranlagenbetreiber abrechnet, das weiß ich nicht. Welche Verträge es braucht, damit eine Firma auf einem Gemeindegebäude mit Geld aus einer Bürgerbeteiligungsmodell eine Solaranlage installiert, und den Strom dann an die Gemeinde liefert/verkauft weiß ich nicht. Wäre aber sicher interessant. Wenn die Gemeinde dann die erwähnten 7,91 Cent bezahlt steigt sie nicht schlecht aus; und damit kämme man auf einen Gewinn von knapp €4000.- denen jährliche Betriebskosten + Zinsen von ca. € 2000.- gegenüberstehen. Ohne Steuern und sonstige ungeplante Vorfälle amotisiert sich die Anlage damit nach 28 Jahren. Für alle die nachrechenen: das Budget beim Bauen wurde überschritten... (https://www.gemeinwohlprojekte.at/uploads/tx_alprojectfunding/2017-12-07_-_Zusammenstellung_Investkosten_Passail_Bauhof_Hohenau_Final.pdf)

    Thomas Haidenberger vor 2 Monaten

    7,91 Cent / kWh beträgt der Ökostrom-Fördertarif für alle Anlagen zwischen 5kW und 200 kW Leistung, die 2018 einen im Internet zu beantragenden Fördervertrag mit der OeMAG bekommen haben (OeMAG ist die "Abwicklungsstelle für Ökostrom" in Österreich) Auch für 2019 ist der Fördertarif in einer Verordnung zum Ökostromgesetz schon fixiert und wird 7,67 Cent / kWh betragen. Siehe: https://www.everto.at/wp-content/uploads/2017/11/%C3%96kostrom-EinspeisetarifVO_2018_-_Text.pdf

    Wie jemand zu dieser Förderung kommen kann, ist im Artikel beschrieben und wird dort als "Lotterie" bezeichnet.

      steuerzahler vor 2 Monaten

      Ja, genau das ist echt abschreckend. Die Lotterie ist lediglich geeignet für Online-Zocker. Irgendeine Sicherheit gibt es nicht. Außerdem ist für heuer alles vergeben und für nächstes Jahr ist der Tarif schon wieder geringer. Die Verringerung kann man für die vergangenen Jahre verfolgen und schon mal kalkulieren, wie es weitergeht. Der ganze Bestimmungs- und Verordnungsdschungel ist gigantisch. Nur ein Betätigungsfeld für Juristen. Dazu kommt dann noch die Elektrizitätsabgabe, die Anlagen über 25 kW unattraktiv macht. Interessant ist, daß das Finanzamt noch 2014 von Einkünften in der Höhe von 27,4 Cent ausgegangen ist. Angesichts dieses Wusts an Bestimmungen ist erkennbar, daß die Errichtung von Privaten nicht gewünscht ist. Hier werden lediglich EVU's unterstützt und die sind nur mäßig an Photovoltaik interessiert. So schön es wäre, alle Dächer mit PV zu bestücken, so uninteressant wird es, wenn man sich näher damit beschäftigt. Eigenleistungen sind nicht möglich, wenn man alle Verordnungen berücksichtigt. Und eine Anlage von Profis, die einem all dies abnehmen, ist zu teuer oder zu klein.

      F_Z vor 2 Monaten

      Danke für die Information ☺ Langsam komme ich da mit: Mit der im Artikel erwähnten Förderung kriegt man für die 7,91 cent für 13 Jahre. In Zahlen heißt das, das die Errichtungskosten von 47250.- (ohne die Überschreitung gerechnet) mit 18750.- gefördert werden, und man danach auf 13 Jahre einen Tarif von 7,91 cent bekommt. Wenn man nun das Ganze mit einem Ertrag von 3955.- (für 50MWh) und Kosten von 800.- (Betriebskosten) + 1181,25 (Zinsen Bürgerbeteiligung) rechnet, dann fehlen nach 13 Jahren noch € 2243,75. Das wäre wirtschaftlich wohl vertretbar. Aber die Rechnung zeigt zeigt auch, das Solarenergie eine Energieform ist, mit der einige nette Renditen erzielen (2,5% ist zur Zeit ganz ok) und die Allgemeinheit finanziert das über öffentliche Förderungen. Und dann jammern die Solarier das es zu wenig Förderung gibt...

      Thomas Haidenberger vor 2 Monaten

      In derselben Verordnung sind auf Seite 5 auch die OeMAG - Fördertarife für die Kleinwasserkraft zu finden. Kleinwasserkraft ist bis max 2MW (=2000kW) Leistung förderbar, PV Anlagen bis max 200 kW. Hier noch einmal der Link:

      https://www.everto.at/wp-content/uploads/2017/11/%C3%96kostrom-EinspeisetarifVO_2018_-_Text.pdf

      steuerzahler vor 2 Monaten

      Mal ernsthaft, ich soll eine Investition auf einer Lotterie aufbauen? Schon daran sieht man, wie ernst es mit dem Solarstrom gemeint ist. Und warum ist die Wasserkraft mit der zehnfachen Leistung förderbar? Bringt mir auch viel, könnte ja eine Turbine an die Dachrinne anschließen... Ich brauche eigentlich keine Förderung, ich möchte einen akzeptablen Lieferpreis und Rahmenbedingungen, die eine private Errichtung möglich machen.

irina vor 2 Monaten

Das wäre doch eine Top-Idee für Lienz mit seinen vielen Sonnenstunden. Bin absolut dafür, diese Energiequelle zu nutzen!!!

Thomas Haidenberger vor 2 Monaten

Vielen Dank für diesen Bericht!

Blicke über den gewohnten Horizont sind wertvoll, auch wenn nicht jeder sehen will, was anderswo so alles möglich ist.

In Sachen Stromversorgung wird in Tirol bisher wenig über den Horizont der Wasserkraft hinausgeblickt: Hohe Berge, große nutzbare Höhen, zu gewissen Zeiten auch viel Wasser. Das waren bisher die wesentlichen Zutaten für das hierzulande einzige beliebte Rezept zur Stromerzeugung. Da muss auch nicht verwundern, dass eine inzwischen drei Jahre alte Studie des Landes zum Energiepotenzial der Sonne nach ihrer Veröffentlichung rasch in ein Archiv im tiefsten Keller "verräumt" wurde. Schließlich bescheinigt "Tirolsolar" der Sonne allein auf den bestehenden Dächern unseres Landes ein Strompotenzial "in der Größenordnung der gesamten in Tirol derzeit (2015) ausgebauten Wasserkraft". Und das Potenzial ist seither schon deutlich gewachsen, weil der Wirkungsgrad der Solarmodule laufend verbessert werden kann.

Bisher hat die Studie wenig bewirkt in der Energiepolitik des Landes Tirol. Schließlich trägt das Landesenergieunternehmen ja auch das Wasser in seinem Namen und nicht die Sonne. Aber immerhin - es gibt einen Nebeneffekt in Form einer digitalen, öffentlich zugänglichen "Solarkarte" unseres Landes. Auf dieser Karte ist über eine Farbskala die Eignung jedes bestehenden Daches in Tirol für die Sonnennutzung bewertet.

https://www.tirolsolar.at/#10/47.1900/11.5700

Bleibt zu hoffen, dass doch irgendwann den "richtigen" Menschen in unserem Land bewusst wird, dass Wasserkraft die Nutzung von Sonnenenergie auf Umwegen ist und schwere Eingriffe in die Natur erfordert. Die Sonne kann auch direkt zur Erzeugung von Strom genutzt werden - schon seit einigen Jahren erschwinglich und wirtschaftlich.

    senf vor 2 Monaten

    herr haidenberger, sie sind vielleicht ein bemühter lehrer, aber leider kein experte in sachen solarenergie. vielleicht meinen sie es tatsächlich gut mit ihren ratschlägen, vielleicht lassen sie sich zu sehr als lobbist vor den karren spannen. egal. ich fühle mich als solarnutzer von ihnen verarscht, wenn sie jedesmal hinausposaunen, dass die tiroler nicht uber den gewohnten horizont hinausblicken wollen und "irgendwann den richtigen menschen im land bewusst wird ..." noch einmal: solarenergie ist wichtig, sie deckt schon heute einen teil unseres energiebedarfs und kann natürlich mit ausgeklügelten systemen noch besser genutzt oder eingesetzt werden. was solarenergie nicht hat, ist die jederzeitige verfügbarkeit in aller örtlichkeit. wenn sie wirklich gebraucht wird! als solarnutzer bin ich stolz auf den teilersatz von fossiler energie und kenne die grenzen. wenn man in tirol nicht so euphorisch ist, wie sie gerne möchten, dann deshalb, weil an den schalthebeln tatsächlich experten sitzen, die die realität nicht verkennen und realistisch bleiben. im übrigen hat das land tirol mit förderungen als steuerungsmittel bisher klar bewiesen, wie ernst es ihm um eine sinnvolle energieversorgung steht, auch wenn ich das ziel "Tirol energieautark 2050" als unwahrscheinlich sehe.

    herr haidenberger, nehmen sie sich für nicht so wichtig und akzeptieren sie endlich, dass sonnenenergie unter den heutigen ansprüchen nur eine unter vielen zu nützenden energiequellen sein kann. auch am iselsberg!

    die idee von herrn steiner ist sicher nachahmenswert, damit ermöglicht er grosse investitionen fur die photovoltaik und als "experte" weiss er aber auch, dass die energieversorgung nur auf mehreren beinen garantiert werden kann.

      Thomas Haidenberger vor 2 Monaten

      Herr oder Frau "senf", Sie sollten vielleicht versuchen meine Zeilen einfach zu lesen und weniger zu interpretieren. Wie kommen Sie auf die Idee, ich wolle die Stromversorgung vom derzeit einzigen relevanten "Bein" (Wasserkraft) zur Gänze auf ein anderes "Bein" (Sonnenenergie) stellen. Auf einem Bein zu stehen wird so oder so schon nach kurzer Zeit ziemlich anstrengend und wackelig. Mir geht es darum, dass der in Zukunft sicher steigende Strombedarf auf mehrere belastbare Beine verteilt wird.

      Es freut mich, dass auch Sie persönlich schon auf Sonnenenergie setzen. Damit wissen Sie aus Erfahrung, dass es heute schon mit überschaubaren Investitionen möglich ist, den im eigenen Haushalt verbrauchten Strom bilanziert über das Jahr selber zu erzeugen.

      Natürlich ist Sonnenstrom nicht zu jeder Zeit verfügbar, aber dieser unbestrittene Vorzug der Wasserkraft lässt sich mit dem riesigen Potenzial der Sonne bestens kombinieren: Bei Sonneschein könnte Wasser in den Speichern bleiben und stünde dann zu Zeiten ohne Sonne zusätzlich zu Verfügung. Man könnte, wie Sie auch sicher wissen, sogar mit Solarstrom Pumpspeicher füllen - wenn es einmal entsprechend viele PV - anlagen gäbe.

      Im übrigen können wir uns gern einmal zusammensetzen, um ganz sachlich über das Thema zu sprechen. Meine Nummer steht im Telefonbuch.

      steuerzahler vor 2 Monaten

      Dazu braucht es Pumpspeicherwerke, die von den Verhinderungsparteien energisch bekämpft werden. Der Solarstrom ist dann allerdings noch teurer. Strom ist einfach zu billig, denn die Folgekosten für Atomstrom fehlen in der Gesamtbilanz.

      senf vor 2 Monaten

      herr haidenberger, sie sind anscheinend doch lernfähig, aber auch als grünpolitiker genügen schlitzohrig genug, um die tatsachen zur schadensbegrenzung hier im forum nach ihtren gutdünken zu verdrehen.

      sie behaupten: "Damit wissen Sie aus Erfahrung, dass es heute schon mit überschaubaren Investitionen möglich ist, den im eigenen Haushalt verbrauchten Strom bilanziert über das Jahr selber zu erzeugen". das ist schmarrn!

      um meinen eigenbedarf zu decken, fehlen mir mindestens vier bis fünf monate eigenproduktion im jahr und in dieser zeit beziehe ich meine energie - dankenswerterweise von der tiwag oder kelag - aus wasserkraft und diese gewinnen die energie aus den stauseen. alles andere ist quatsch und argumentativ nicht zulässig.

      natur und umweltschutz ist für uns überlebenswichtig, allerdings mit den abgedroschenen neinsagersprüche der grünen wird es niemals die erwünschte ausgewogenheit geben. verantwortung zu übernehmen heisst gesamt- und weitbick zu haben, um vernünftige entscheidungen für die zukunft zu treffen. nicht nur in energiefragen, sondern in allen belangen des täglichen lebens. dieses talent vermisse ich bei ihrer organisation besonders. eigentlich schade!

      Thomas Haidenberger vor 2 Monaten

      Herr oder Frau "senf", Sie haben möglicherweise "bilanziert über das Jahr"überlesen... Sind Sie nicht der Meinung, dass mit dem im Sommer als Überschuss ins Netz eingespeisten Strom jenes Wasser in Stauseen gepumpt werden könnte, das dann im Winter zur Stromerzeugung verwendet wird, wenn die Sonne weniger scheint? Genau das, nämlich Wasser in Stauseen pumpen, soll ja auch mit dem Strom gemacht werden, der z.B. mit dem geplanten Kraftwerk am Tauernbach vielleicht einmal erzeugt wird.

      Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings: Der Sonne wird in der Winterzeit wenig Kraft zugeschrieben. Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Das Kraftwerks-Projekt am Tauernbach würde im ganzen Winterhalbjahr (1. Oktober bis 31. März) weniger als 10 % seiner Jahresstromerzeugung schaffen. PV-Anlagen an guten Standorten produzieren dagegen in derselben Zeit über 30% der Jahresmenge.

      In verschiedenen Studien zur Aufbringung des in Österreich benötigten Stroms im Jahr 2030 (z.B. August Resch u.a. / TU Wien - 2017, oder Umweltbundesamt - 2016) liegen die Solarstromanteile jeweils über dem Szenario von Tirol 2050. In der Strategie des Landes Tirol wird von 20% Solarstrom 2050 ausgegangen. Schon um dieses Ziel zu erreichen, müsste bis 2050 (vorhersehbare Verbrauchssteigerung eingerechnet) JEDES JAHR etwa die derzeit in Tirol schon bestehende Anlagenleistung neu dazu gebaut werden. Hoffentlich wird damit bald begonnen.

      mit sonnigen Grüßen ...

      Übrigens: Es ist eine gängige Strategie, dass Menschen, denen in der Diskussion die fachlichen Argumente ausgehen, auf die persönliche Ebene wechseln …

      senf vor 2 Monaten

      herr haidenberger, wie vorzüglich von ihnen, dass sie meine argumente für energiespeicherung in stauseen jetzt übernehmen und endich vom ewigen "neinsagen" abrücken. nachzulesen in meinen früheren posting. es ist also egal, ob das geplante kw tauernbach im winter 8, 15, oder 20 prozent energieausbeute hat, es speichert im sommer winterenergie und ersetzt damit die fehlende energie aus der sonne, die im winter ja nur maximal 30% der durchschnittlichen jahresproduktion ausmacht. wie sie ja selber schreiben, und das von der iselsberger lage aus betrachten. die defregger oder prägrater sehen das wahrscheinlich etwas anders.

      wie wärs mit einer bestandsaufnahme der energiefressenden einfachverglasung im lienzer zentrum. sie würden staunen, welches sparpotential dort heutzutage noch schlummert und den grünen handfeste argumente liefert?