Gustav Kuhn pausiert als Leiter der Festspiele Erl

Tiroler Grüne sprechen von überfälligem Schritt – Staatsanwaltschaft am Zug.

„Um Schaden von den Festspielen abzuwenden“, stellte am 31. Juli der mit dem Vorwurf sexueller Belästigung konfrontierte künstlerische Leiter der Festspiele Erl, Gustav Kuhn, seine Funktion „bis zur vollständigen Klärung mit sofortiger Wirkung ruhend“. Mit der interimistischen Leitung der Kulturinstitution wird sein bisheriger Stellvertreter Andreas Leisner betraut. Wie der Standard berichtet, ging dieser Entscheidung eine Sitzung des Stiftungsvorstandes in Wien voraus. In diesem Gremium sitzt Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner, Kultursektionschef Jürgen Meindl als Vertreter des Bundes und die Tiroler ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader.

Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner (links) schließt eine Rückkehr von Gustav Kuhn an die Spitze der Festspiele Erl nicht aus. Foto: Expa/Groder

In einer ersten Reaktion bewerten das die Tiroler Grünen positiv. „Die von fünf Musikerinnen detailliert beschriebenen Vorwürfe der sexuellen Belästigung wiegen schwer. Alles andere als eine Ruhendstellung wäre ein fatales Signal gewesen. Jetzt stehen nicht mehr die Festspiele in Erl im Rampenlicht, sondern die rechtliche Aufklärung“, kommentiert der Grüne Kultursprecher Georg Kaltschmid die Entscheidung.

Die Grünen hatten in den vergangenen Tagen wiederholt auf die vorläufige Suspendierung von Kuhn durch den Vorstand gedrängt. Dass Kuhn dem Beschluss zuvorkam, sei zu begrüßen. „Das zeigt zumindest ein Mindestmaß an Sensibilität für diese heikle Causa“, so Kaltschmid. Er sieht damit auch die Reputation des Landes gewahrt. „Man darf nicht vergessen, dass es sich hier nicht um private Festspiele der Herren Haselsteiner und Kuhn handelt, sondern um Festspiele, die in den vergangenen Jahren mit rund sieben Millionen Euro von Seiten des Landes gefördert wurden. Dazu kommen noch die Baukostenbeteiligung von gut acht Millionen Euro“. Jährlich überweist das Land Tirol 1,15 Millionen Euro an die Festspiele in Erl, der Bund steuert weitere 500.000 Euro bei.

Auch die Tiroler SPÖ-Nationalrätin Selma Yildirim verweist auf erhöhten Kontrollbedarf: „Wo so viel öffentliches Geld hinfließt, muss es auch eine entsprechende Kontrolle und einen strengen Verhaltenskodex geben“, so die Abgeordnete. „In Erl wie auch im Fall Werdenigg hat sich gezeigt, dass sich die politischen Entscheidungsträger nicht ernsthaft mit dem Thema Machtmissbrauch und sexueller Gewalt auseinandersetzen“, beklagt Yildirim.

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1 Posting bisher
bergfex vor 2 Wochen

<„Man darf nicht vergessen, dass es sich hier nicht um private Festspiele der Herrn Haselsteiner und Kuhn handelt, .......der Bund steuert weitere 500.000 Euro bei. Habe auch den Blog von .dietiwag.org" immer wieder verfolgt, und mache mir ein Gesamtbild. Mit rechten Dingen scheint es in dieser Kausa nicht zu zugehen.. Mir kommt da schon der Gedanke an private Festspiele, gesponsert von der öffentlichen Hand. Zu den Vorwürfen wird sich wohl das Gericht befassen und urteilen.