Schlagabtausch im Prozess Haselsteiner gegen Wilhelm

Subtile Wortklaubereien und lautstarke Wortgefechte am Landesgericht Innsbruck.

Ein weiteres Mal haben sich am Mittwoch die Streitparteien rund um die Causa Erl am Landesgericht Innsbruck zu einer zivilrechtlichen Verhandlung getroffen. Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner hatte den Blogger Markus Wilhelm geklagt, weil dieser auf seiner Homepage behauptet habe, das Forum wegen Haselsteiner geschlossen zu haben. Wilhelm bestritt diesen Vorwurf.

Der Blogger hatte im Mai das Leserforum nach einer Klage von Haselsteiner auf Unterlassung aufgrund zweier Hass-Postings geschlossen. Kommentiert hatte Wilhelm dies unter anderem mit dem Wortspiel „Herr Haselsteiner mag kein liberales Forum“ (Haselsteiner saß für die gleichnamige Partei im Nationalrat, Anm.). Dadurch sei laut Haselsteiners Anwalt, dem ehemaligem Justizminister Michael Krüger, der Eindruck entstanden, dass der Festspielpräsident die Schließung des Forums erwirkt habe. Dem sei jedoch nicht so, denn die erste Klage habe sich lediglich auf die Hass-Postings bezogen.

„Herr Haselsteiner mag kein liberales Forum“. Für diesen Satz verklagte der Industrielle (Bild) den Blogger Markus Wilhelm. Foto: Expa/Groder

Wilhelm entgegnete dem jedoch, dass er nirgends behauptet habe, das Forum schließen zu müssen. „Ich habe das Forum aus freien Stücken eingestellt, aber natürlich veranlasst durch die Klage von Haselsteiner“, meinte der Blogger. Denn er habe weitere Klagen befürchtet. „Und das kann ich mir nicht leisten. Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, dass Forum zu schließen“, erklärte Wilhelm.

Laut Krüger würden die Worte, die seither auf der Seite des geschlossenen Forums zu lesen sind, einen Sachverhalt darstellen, der nicht stimmt. „Er hätte auch etwas schreiben können, was nicht klagbar ist“, so der Anwalt, der dem Blogger „obsessives Verhalten“ unterstellte. „Er will, dass die Festspiele zerstört werden, das ist seine Obsession“, sagte Krüger.

Wilhelms Kommentar wohne zwar „ein gewisser Zynismus“ inne, er sei aber zulässig, meinte sein Rechtsanwalt Markus Orgler. „Ihr Mandant braucht nicht so angerührt zu sein. Diejenigen, die am meisten austeilen, sind die Angerührtesten“, merkte Orgler an. Dem Krüger wiederum entgegnete: „Das trifft auf ihren Mandanten zu.“ Woraufhin ein lautstarker Schlagabtausch der beiden Anwälte folgte. Die Beurteilung obliegt nun dem Richter. Das Urteil wird schriftlich ergehen.

Die Causa Erl hatte in den vergangenen Monaten für gehörig Schlagzeilen gesorgt. Wilhelm hatte Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den künstlerischen Leiter der Festspiele, Gustav Kuhn, veröffentlicht. Zudem hatte er den Festspielen, deren Präsident Haselsteiner ist, Lohndumping vorgeworfen. Nachdem mehrere Künstlerinnen in einem Offenen Brief die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe durch Kuhn erneut aufs Tapet brachten, stellte dieser seine Funktion als künstlerischer Leiter ruhend. Auch als Dirigent wurde er mittlerweile beurlaubt.

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