Alpenverein: „Wege ins Freie“ immer öfter in Gefahr

Mit 545.000 Mitgliedern sieht sich der Bergverein als „Anwalt der Alpen“.

545.000 Mitglieder und über 22.000 Ehrenamtliche machen den Alpenverein zu einem der größten Vereine des Landes und damit auch zu einem schwer zu übergehenden Lobbyisten für die hochalpine Natur. Mit Naturschutz-Petitionen wie der „Allianz für die Seele der Alpen“ oder Warnungen vor der Neuauflage des „Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms“ werde der Alpenverein seinem Ruf als „Anwalt der Alpen“ einmal mehr gerecht, betonte die Vereinsführung bei der Jahreshauptversammlung am 19. Oktober in Stockerau.

„Neben Tirol sind die meisten Alpenvereinsmitglieder in Wien zu finden“, freut sich Vizepräsident Wolfgang Schnabl über Zuwachs auch im Osten des Landes. „Wir beobachten den Trend, dass sich in Großstädten immer mehr Menschen für die Angebote des Alpenvereins interessieren.“ In Wien habe man im abgelaufenen Vereinsjahr ein Plus von 6,2 Prozent erreicht, in Niederösterreich stieg die Zahl der Alpenvereinsmitglieder um 4,3 Prozent. Laut der aktuellen Studie ist das größte Zusatzpotenzial des Österreichischen Alpenvereins in der Altersgruppe der 31- bis 45-Jährigen zu finden. Die mit Abstand geringste Berg-Aktivität zeigen junge Menschen. Eine Herausforderung für die alpinen Vereine.

2018 rief der Österreichische Alpenverein gemeinsam mit den Naturfreunden und dem WWF Österreich die „Allianz für die Seele der Alpen“ ins Leben, die in einer Petition verbindliche Erschließungsgrenzen fordert. Aktuell warnt der Alpenverein vor der Neuauflage des Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms (TSSP). Laut ÖAV droht das Programm, jenen Erschließungsplänen, die noch in den Schubladen liegen, endgültig Tür und Tor zu öffnen. Betroffen wären beispielsweise etwa Tiroler Projekte wie der Zusammenschluss Hochfügen-Tux mit Zubringer über Weerberg, Hochoetz-Kühtai oder Sexten-Sillian.

Der Klimawandel bringt für die meist ehrenamtlichen Wegewarte große Herausforderungen mit sich. Foto: Alpenverein/Melcher

Große Herausforderungen sieht der Alpenverein im Erhalt der oft als Kulturgut einzuordnenden hochalpinen Wege. Seit dem 19. Jahrhundert kümmert sich die Bergsport- und Naturschutzorganisation um ein insgesamt 26.000 Kilometer langes Wegenetz in den heimischen Alpen, das Wanderer u.a. auf die 230 Hütten des ÖAV führt. Dabei übernimmt der Verein die Wegehalterhaftung und investiert jährlich rund eine Million Euro.

„Der Klimawandel bringt für die meist ehrenamtlichen Wegewarte ebenfalls eine große Herausforderung mit sich“, betont Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Österreichischen Alpenverein. Häufiger auftretender Starkregen, Steinschlag, auftauender Permafrost oder Erosionen ziehen Wege in Mitleidenschaft. Der benötigte Einsatz der Sektionen steige laut Kapelari stark an. „Der Gletscherweg Innergschlöß im Nationalpark Hohe Tauern beispielsweise musste auf Grund des Gletscherrückgangs verlegt und adaptiert werden, damit Naturbegeisterte die Zunge des Schlatenkeeses weiterhin erreichen können.“

Der starke Rückgang des Gletschers erforderte eine neue Wegführung für den „Gletscherweg Innergschlöß“. Foto: ÖAV/Hannes Schlosser

Neben natürlichen Einflüssen brächten auch touristische, forstliche oder jagdliche Interessen Veränderungen der oft als Kulturgut einzuordnenden Wege mit sich, warnen die AV-Experten. Laut AV-Vizepräsident Helmut Ohnmacht werden Konflikte dabei intensiver. „Einige der Wege können als gebaute Kunstwerke und somit kulturelles Erbe eingestuft werden“, erklärt Ohnmacht und verweist dabei auf die kunstvoll angelegten Stufenanlagen zum Friesenberghaus im Zillertal. „Der Tourismus will immer öfter Wege für beispielsweise Mountainbiker oder E-Biker anpassen und nutzbar machen – die Ursprünglichkeit der Wege geht damit verloren.“ Auch die Trassierung von Forststraßen könne alte Wege zerstören. Besonders schützenswerte Wege sollen laut Ohnmacht daher zukünftig unter Denkmalschutz gestellt werden – eine für den Vizepräsidenten „zwingend notwendige Initiative“.

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