Hinaus in die Welt und wieder retour in die Heimat? Rund ein Viertel aller jungen Menschen kehren zurück – auch in Osttirol. Foto: Matese Fields/Unsplash

Hinaus in die Welt und wieder retour in die Heimat? Rund ein Viertel aller jungen Menschen kehren zurück – auch in Osttirol. Foto: Matese Fields/Unsplash

Zahlen widerlegen Osttiroler „Heimkehrer-Mythos“

Der Bezirk ist für junge Rückkehrer genauso attraktiv wie andere Regionen Österreichs.

Kaum ein Klischee wird bei Sonntagsreden in Osttirol öfter bemüht wie jenes von den jungen Menschen, die auswandern müssen, weil sie vor Ort keine Entwicklungsmöglichkeiten vorfinden und dann nicht wieder zurückkehren, weil es keine geeigneten Arbeitsplätze gibt oder andere Rahmenbedingungen nicht passen. Nun zeigen Zahlen, die dolomitenstadt.at von der Rechercheplattform Addendum zur Verfügung gestellt wurden, dass Osttirol keineswegs weniger attraktiv für junge „Heimkehrer“ ist, als andere Regionen. Im Gegenteil. Selbst im wirtschaftsschwächsten Teil des Bezirkes, dem Iseltal, ist der Prozentsatz der jungen Heimkehrer teilweise höher als in Nordtiroler Ballungszentren.

Kaum zu glauben? Die Datenjournalisten von Addendum liefern die Zahlen dazu, in einer Spezialauswertung von Daten der Statistik Austria zum Thema Landflucht. In den folgenden Tagen werden wir weitere spannende Ergebnisse dieser Auswertung präsentieren, die als Ganzes auch auf der Website von Addendum zu finden ist. Vorerst geht es um die brisanteste Erkenntnis der Recherche: Osttirol hat nicht weniger Heimkehrer als andere Regionen!

Die Fragestellung: Welche Gemeinden schaffen es junge Bürger wieder zurückzuholen? In welche Gemeinden kehren Bürger nicht mehr zurück?

Um als „junger Heimkehrer“ zu gelten, muss ein Bürger im Alter von 18 bis 26 Jahren im Zeitraum von 2003 bis 2018 aus seiner Heimatgemeinde ein Mal weg- und wieder retour gezogen sein. Einschränkung: Die Bezeichnung „bis 1.1.2018 wieder zurückgezogen“ heißt dabei nicht zwingend, dass die betreffenden Personen am 1.1.2018 in der Herkunftsgemeinde gelebt haben, sondern nur, dass sie irgendwann zwischen ihrem Wegzug von dort und dem Stichtag 1.1.2018 wieder zurückgezogen sind. Es kann danach auch noch einen weiteren Wegzug, der dann separat gezählt worden wäre, gegeben haben.

Wichtigste und durchaus bemerkenswerte Vergleichszahl: der Bundesschnitt von 25,5 Prozent! In anderen Worten: Aus allen Gemeinden Österreichs ziehen junge Menschen hinaus in die Welt und nur ziemlich genau ein Viertel von ihnen kehrt zum Beispiel nach dem Studium wieder in den Geburtsort oder die Geburtsstadt zurück. So zogen etwa aus der Landeshauptstadt Innsbruck seit 2003 immerhin 23.714 junge Erwachsene weg und nur 6.590 von ihnen sind seither wieder zurückgekommen. Das sind 27,8 Prozent. Matrei in Osttirol haben im selben Zeitraum 461 junge Erwachsene verlassen und 137 von ihnen sind bis 1. Jänner 2018 wieder zurückgekehrt. Das sind 29,7 Prozent. Fazit: Matrei hat mehr junge Heimkehrer als Innsbruck. In Lienz liegt der Prozentsatz gar bei 32,7 Prozent. Ein Drittel aller jungen Menschen kehrte in die Dolomitenstadt zurück, weit mehr als im österreichischen Bundesschnitt!

Und hier sind die „Heimkehrer-Zahlen“ für alle Tiroler Gemeinden als interaktive Grafik. Einfach auf die Gemeinde klicken oder tippen, um die Detailauswertung zu lesen.


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4 Postings bisher
anton2009

Und weil so viele nach Osttirol zurückkehren haben wir immer weniger Einwohner! Für mich gilt folgender Spruch: "Im Westen die Besten - im Osten die Posten!"

Markus aus den Hohen Tauern

Doch nicht so schlecht in Matrei, wie von Dolomitenstadt in Zusammenarbeit mit der Matreier Opposition immer kolportiert.

Der Osttiroler

Und warum ist der Bezirk Lienz dann der einzige in Tirol mit Bevölkerungsschwund. Also ein Abwanderungsbezirk?

boarium

"So zogen etwa aus der Landeshauptstadt Innsbruck seit 2003 immerhin 23.714 junge Erwachsene weg und nur 6.590 von ihnen sind seither wieder zurückgekommen. [...] Fazit: Matrei hat mehr junge Heimkehrer als Innsbruck."

Kann es etwa sein, dass sich unter die Gruppe 23.714 jungen Erwachsenen der ein oder andere Student mischt, der sich aus Vorteilen, die er sich am Studienort erwartet (etwa Wohnbeihilfe), in Innsbruck angemeldet hat und nach Beendigung Studium wieder abzieht? Oder handelt es sich um 23.714 "genuine" Koatlackler, Pradler Rotzbuam und O-Dorf-Rattler? ;) Ist immer spannend, so Zahlen zu lesen. Aber auch so spannend, sie zu interpretieren...