Ein gutes Attest für ihre Wirtschaftlichkeit bekommen auch die Tiroler Kliniken, hier die Landesklinik in Innsbruck. Foto: Expa/Jakob Gruber

Ein gutes Attest für ihre Wirtschaftlichkeit bekommen auch die Tiroler Kliniken, hier die Landesklinik in Innsbruck. Foto: Expa/Jakob Gruber

Land Tirol wirtschaftet besonders effizient

Benchmark-Studie von EcoAustria zeigt hohes Sparpotenzial in Bundesländern.

Die Bundesländer geben für ähnliche Aufgaben unterschiedlich viel Geld aus. Das industrienahe Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat nun errechnet, dass quer durch Österreich sechs Mrd. Euro gespart werden könnten, wenn sich die Länder am jeweils günstigsten Modell orientieren würden. Spitzenreiter im Effizienzvergleich ist Tirol, wo sowohl Verwaltung als auch Spitäler gut abschneiden.

„Würde das öffentliche Angebot überall effizient bereitgestellt, könnten die Ausgaben deutlich gesenkt und das Leistungsniveau für die Bürger erhalten oder sogar gesteigert werden“, glaubt EcoAustria-Direktor Tobias Thomas. Er betont, dass für das Ranking nicht nur die Ausgaben berücksichtigt wurden, sondern auch Ergebnis- und Wirkungsindikatoren sowie „Strukturunterschiede“ zwischen den Bundesländern.

Am Beispiel der stationären Behandlungen in den Krankenhäusern erklärt: Hier kommt EcoAustria auf ein „Effizienzpotenzial“ von 2,4 Mrd. Euro. Errechnet wird das, indem EcoAustria den Gesamtausgaben von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung für die Spitäler (10,97 Mrd. Euro 2016) die Zahl der abgerechneten „LKF-Punkte“ gegenübergestellt. Dabei gilt: Je mehr Behandlungen ein Krankenhaus durchführt, desto größer die Zahl der LKF-Punkte. Ergebnis: In Tirol kostet ein LKF-Punkt 93 Cent – deutlich weniger als im Österreich-Schnitt (1,26 Euro). Im „teuersten“ Bundesland (die Namen der Schlusslichter nennt die Studie nicht) sind es 1,45 Euro je LKF-Punkt.

Mit ähnlichen Methoden hat EcoAustria auch die „Effizienzpotenziale“ in der ambulanten Gesundheitsversorgung, in der Pflege, in der Wohnbauförderung sowie bei Pflichtschulen, Kindergärten und in der öffentlichen Verwaltung verglichen. Wobei bis auf Wien und die Steiermark jedes Bundesland in zumindest einem Bereich besonders gut abschneidet: Tirol (neben Krankenhäusern) auch in der Verwaltung, das Burgenland bei ambulanten Gesundheitsleistungen, Salzburg bei den Pflichtschulen, Kärnten bei den Kindergärten, Oberösterreich bei der Wohnbauförderung und in der Pflege sind es Niederösterreich (stationär) und Vorarlberg (mobil).

Das Einsparungspotenzial von sechs Mrd. Euro entspricht bis zu 1,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Besonders hoch ist das Potenzial laut EcoAustria im Gesundheitsbereich (drei Mrd. Euro), danach folgt die Verwaltung (1,1 Mrd. Euro), die Pflege (713 Mio. Euro) und die Wohnbauförderung (590 Mio. Euro). In der Kinderbetreuung könnten demnach 327 Mio. Euro gespart werden, bei den Pflichtschulen 226 Mio. Euro.

Benchmark-Studien sind allerdings nicht unumstritten, da sie in der Regel wenig über die tatsächliche Qualität von angebotenen Leistungen aussagen, etwa in der Bildung oder in der Pflege. So können beispielsweise Personaleinsparungen die wirtschaftliche Effizienz steigern und zugleich die Betreuungsqualität senken.

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