Der Tiroler Schützenbund stellt sich der Vergangenheit und arbeitet mit einer Forschungsarbeit seine Rolle während der Nazizeit auf. Foto: Expa/JFK

Der Tiroler Schützenbund stellt sich der Vergangenheit und arbeitet mit einer Forschungsarbeit seine Rolle während der Nazizeit auf. Foto: Expa/JFK

Tiroler Schützen arbeiten Rolle während der NS-Diktatur auf

Historiker Michael Forcher forschte jahrelang und präsentiert das Ergebnis als Buch.

Der Historiker Michael Forcher hat unter Auftrag des Bundes der Tiroler Schützenkompanie die Rolle der Tiroler Schützen während der NS-Diktatur, also von 1938 bis 1945, aufgearbeitet. Dieser Teilaspekt der Geschichte sei bisher wenig erforscht, weshalb die Meinungen weit auseinandergingen – von der Behauptung die Schützen seien verboten gewesen, bis zu ihrer Einschätzung als Säulen des Systems.

Die mittlerweile auch in Buchform vorliegende Forschungsarbeit zeige jedoch, dass es die Tiroler Schützen während der NS-Zeit immer und überall gab. Sie seien nie verboten gewesen, sondern wurden gefördert wie kaum zu einer Zeit vorher und nachher. Die Schützenkompanien wurden in den von Gauleiter Hofer gegründeten Tiroler Standschützenverband übernommen, der auch Musikkapellen, Volkstanzgruppen und Brauchtumsvereine umfasste. So konnte der Gauleiter das gesamte Tiroler Schützenwesen unter seinen direkten Einfluss bringen.

Die Schützen seien in der NS-Zeit fest im Griff der Partei gewesen. Denn der Standschützenverband war dem Gauleiter als Landesoberstschützenmeister unterstellt und auch im Kreis (Bezirk) und auf Ortsebene fungierten die Kreisleiter bzw. Ortsgruppenleiter der NSDAP als Kommandanten. So wurden die Schützen laut Forcher in der NS-Zeit zu einem wichtigen Instrument der Parteipropaganda. Sie vermittelten das Bild einer tiefen Verbundenheit der nationalsozialistischen Partei mit Heimat, Geschichte und Brauchtum.

Die Möglichkeiten, sich gegen diese Vereinnahmung zu wehren, seien wegen des ausgeübten Drucks, latenter oder offener Drohungen und der allgemeinen Angst äußerst gering und für den Einzelnen mit einem hohen Risiko verbunden gewesen. Es seien deshalb nur wenige Beispiele bekannt, dass in Schützenkreisen versucht wurde, die wenigen und engen Freiräume auszuloten. Dass es in den Schützenkompanien Parteigenossen und Mitläufer der Nazis gegeben habe, stehe jedoch fest. Wie viele es waren, sei aber nicht bekannt.

Ein Thema, das der Historiker in seinem Buch nur am Rande streifte, sind ehemalige Nazis, die nach 1945 Schützen blieben und bei der Neugründung oder Wiedergründung von Kompanien eine oft führende Rolle spielten. Gesichert sei jedoch, dass 1950 unter den Gründern des Bundes der Tiroler Schützenkompanien ehemalige Nationalsozialisten waren.

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