Gemeinden jubeln über Steuer auf Freizeitwohnsitze

Auch in Osttirol spült die Abgabe mehr als nur ein Körberlgeld in manche Kasse.

Geredet wurde darüber schon lange, jetzt kommt sie, die Abgabe für Freizeitwohnsitze in Tirol. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist in Begutachtung und soll im Mai im Tiroler Landtag beschlossen werden. Fällig werden soll die Freizeitwohnsitzabgabe ab dem 1. Jänner 2020. Die Abgabe muss von allen Gemeinden verpflichtend bei den Eigentümern oder Mietern von Freizeitwohnsitzen eingehoben werden. Die Höhe der Abgabe ist gestaffelt nach Wohnfläche:

  • Bis 30 m²: 100 bis 240 Euro
  • Von 31 m² bis 60 m²: 200 bis 480 Euro
  • Von 61 m² bis 90 m²: 290 bis 700 Euro
  • Von 91 m² bis 150 m²: 420 bis 1.000 Euro
  • Von 151 m² bis 200 m²: 590 bis 1.400Euro
  • Von 201 m² bis 250 m²: 760 bis 1.800 Euro
  • Mehr als 250 m²: 920 bis 2.200 Euro.

Freizeitwohnsitze sind nicht mit Zweitwohnsitzen zu verwechseln, von denen es in Tirol ca. 120.000 gibt. Die Hälfte dieser Wohnungen werden von Tirolern genutzt, vor allem von Pendlern. Sie müssen für ihre Zweitwohnung keine Abgaben zahlen. Sehr wohl zur Kasse gebeten werden dagegen Eigentümer von Liegenschaften, die zwar nicht als Freizeitwohnsitz gemeldet sind, aber als Freizeitliegenschaft genutzt werden. Rechnungsadresse ist grundsätzlich der Eigentümer, wird der Wohnsitz aber seit mehr als einem Jahr verpachtet oder vermietet, wird der Nutzer zur Kasse gebeten.

Auf tourismusintensive Gemeinden wie Kitzbühel oder Seefeld wartet ein warmer Regen, aber auch für manche Gemeinde in Osttirol ist die neue Steuer mehr als nur ein Körberlgeld. 920 gemeldete Freizeitwohnsitze gibt es in Osttirol. Hier die Gemeinden mit den meisten Freizeitwohnsitzen im Bezirk:



Matrei und Lienz haben die weitaus meisten Wohnungen dieses Typs, danach folgt auf Rang drei bereits Gaimberg. Bernhard Webhofer, Bürgermeister des Sonnendorfes und ÖVP-Bezirksobmann reibt sich die Hände: „Auf Basis des Gesetzesentwurfs rechnen wir mit einer durchschnittlichen Abgabenhöhe von ca. 400 Euro pro Einheit. In Gaimberg werden mit der Freizeitwohnsitzabgabe damit etwa 30.000 Euro zusätzlich pro Jahr in die Gemeindekasse fließen, Geld, das man gut brauchen kann, um steigende Pflichtausgaben und auch notwendige Infrastrukturprojekte zu finanzieren.“

Applaus für die neue Steuer auf Freizeitwohnsitze kommt aus den Gemeinden. Der Gaimberger Bürgermeister Bernhard Webhofer freut sich über rund 30.000 Euro mehr in der Gemeindekasse. Foto: Brunner Images

Der Gemeindepolitiker hält die Abgabe für „eine Frage der Gerechtigkeit“, wie er betont: Die Gemeinden müssen nicht nur für Hauptwohnsitze, sondern auch für Freizeitwohnsitze die gesamte Infrastruktur wie Wasserversorgung, Kanal und Straßen zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu Hauptwohnsitzen werden die Freizeitwohnsitze aber nicht in die Berechnung der Abgabenertragsanteile miteinbezogen, sprich für Freizeitwohnsitze erhalten die Gemeinden keinen entsprechenden Teil vom Steuerkuchen des Bundes.“ Mit der neuen Abgabe könne diese Finanzierungslücke zumindest zum Teil ausgeglichen werden, erklärt Webhofer.

In das selbe Horn bläst die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Auch sie begrüßt die neue Steuer als „Maßnahme im Sinne der Gemeinden“, wünscht sich aber auch Schritte, die den „Ausverkauf des Landes“ stoppen und Gemeinden mehr Chancen und Möglichkeiten einräumen, sich am Markt zu behaupten. Für die Neos ist die Abgabe schon lange überfällig, sie hätten aber gerne eine Zweckwidmung der Einnahmen für den sozialen Wohnbau.

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11 Postings bisher
Domenik

Schön, dass Ideen der #NEOS aufgegriffen werden - wenn dann aber bitte komplett oder eben gar nicht liebe ÖVP. Zweckbindung für sozialen Wohnbau ist hierbei unumgänglich! Jetzt isses a Körberlgeld für die Gemeinden...

hieronymus68

Bei den meisten Osttiroler Gemeinden wird wohl der bürokratische Aufwand größer sein als der Ertrag. Gemeindezusammenlegungen würden da wesentlich mehr bringen. Die Aufwandsendschädigung vom Bürgermeister und Stellvertreter macht bei kleinen Gemeinden schon über 50.000 Euro aus, in der Verwaltung kann man mindestens das gleiche sparen und teure Prestigeprojekte der Kleinstgemeinden ( Wattenberg, Amlach usw.) würden ganz endfallen.

    F_Z

    Nach der Logik müsste die größte Gemeinde also die Beste und Reichste sein. Das wäre in Osttirol Lienz...

    Sicher das dein Konzept funktioniert? 🤔

      hieronymus68

      Ganz so schlecht steht Lienz nicht da oder?

beobachter52

Was ist nun was? Ist die 4 mal 4 m große Almhütte ein Freizeitwohnsitz, für den man bezahlen muss (bis 240 €) und die 300 qm Villa ein Zweitwohnsitz (abgabefrei)?

    senf

    hatte ich leider woanders gepostet:

    viel spass bei den um-rück- nach- und neuwidmungen und vor allem beim tatsächlichen oder glaubwürdigen nutzungsnachweis. uschi glas kennt das schauspiel. deine frage wird noch viel staub aufwirbeln, vor allem bei bauern, die ihre "ausziehhäusschen" und umgebauten almhütten verpachten, vermieten, oder der verwandschaft vererbt oder überlassen haben, denn jetzt gehts um knete an die gemeinschaft.

nikolaus

Sind die Gemeinden finanziell scho so ausgeblutet, dass sie über derartige Summen "jubeln"? In Matrei wird es die Löcher im Budgetkäse auch nicht stopfen können, und in den Durchschnittsgemeinden dürfte es nicht mehr als einen niedrigen bis mittleren fünfstelligen Betrag ausmachen (Beispiel Gaimberg: € 30.000,-).

defregger

Naja, das immer neue Einkünfte generiert werden müssen, da Sparsamkeit/Einsparpotenziel des Landes und der Gemeinden nicht sehr gefragt sind, ist hinlänglich bekannt.

25,-, 50,-, 75,- oder ein Hunderter im Monat tut wohl keinen Freizeitwohnsitznehmer wirklich weh. Den ganz xsunden in Kitz und Seefeld dürfte das am Allerwertesten vorbei gehn....

Allerdings löst dies nicht den Wohnungsmangel und ändert nix an den immer stärker und schneller steigenden Mieten in gesamt Österreich, besonders in den Ballungsgebieten.

Hier muss zeitnah von der Politik mehr unternommen werden, viel mehr. Bleibt nur zu hoffen, dass die Immo Blase baldmöglichst platzt!

Bei der bestehenden und der nicht zu erwartenden Änderung der 0 Zinspolitik, ein eher nicht eintreffendes Szenario.

steuerzahler

Die Methode ist immer die gleiche. Statt Haushalten oder Zweckbindung werden immer neue Methoden zum Abkassieren erfunden. Und wenn es mal die "Anderen" trifft, kann man das auch gut verkaufen. Wenn die Berechnung der Abgabenertragsanteile diese Wohnungen nicht berücksichtigt, dann ist wohl die Berechnung falsch. Anders betrachtet gäbe es sehr wohl bereits Abgaben, diese werden aber vom Bund einbehalten. So kommt es zu einer Doppelbelastung. Außerdem werden die Erschließungskosten und auch die diversen anderen Abgaben und Dienstleistungen der Gemeinde sehr wohl vom Eigentümer bezahlt. Wo soll es da eine Finanzierungslücke geben?

Treffen wird das wohl nicht die Reichen in Seefeld und Kitzbühel (deren Anwälte sicher eine Umgehung finden werden), sondern den Rest der einheimischen Bevölkerung.

sw

zur frage der gerechtigkeit ist aber auch zu erwähnen wie viel geld die eigentümer von zweitwohnsitzen letzlich in der gemeinde und der region liegen lassen (baukosten, erhaltungskosten, private konsumation). besonders orte wie kitzbühel oder seefeld hätten ohne zweitwohnsite keinen solchen wirtschaftlichen aufschwung erlebt, schließlich leben diese orte ja auch von der schönen architektur. mag sein dass eine solche zweitwohnsitzabgabe das loch so mancher oben angeführten geneinde stopft, das eigentliche Problem nämlich der druck auf den immobilienmarkt durch zahlungskräftige investoren bleibt aber ungelöst - zumal eine abgabe in der höhe von bis zu 2200 euro insb für die zweitwohnsitzeigentümer in kitz sehr schmerzlich sein wird ...

    nikolaus

    Bitte genau lesen: Zweitwohnsitze sind NICHT betroffen, nur Freizeitwohnsitze, und wer so was in Kitzbühel oder Seefeld leisten kann ist wohl eher den Betuchteren zuzuordnen. Das tut denen ungefähr so weh wie der Biss einer Fliege ...