Video und Slideshow: Iselsberg rockt den Fasching!

Und überzeugt damit sogar Faschingsmuffel. Ein Lokalaugenschein am Berg.

Mit Faschingssitzungen ist es so wie mit vielem. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Ein Lei-Lei aus Villach oder ein Helau-Helau aus Düsseldorf können sehr kontraproduktiv sein, was die Einstellung zum Fasching betrifft. Humor ist definitiv Geschmackssache. Was aber ansteckend wie sonst kaum etwas ist, ist gute Stimmung. Die breitet sich im Normalfall schneller aus als man denken kann. Und plötzlich ist man mittendrin. Mittendrin in einer Faschingssitzung. Mittendrin im Dauerklatschen, auch wenn man dadurch die Pointen gar nicht mehr hört, mittendrin im Mitsingen, selbst wenn man den Text nicht kann, und mittendrin im Jubelgeschrei, auch wenn man eigentlich ein Faschingsmuffel ist.

Video: Sepp Eder/Marco Leiter

Iselsberg mag ein kleines Dorf mit wenig Infrastruktur sein, aber was es definitiv hat, ist – neben viel Sonne und Ruhe – ein Vereinsleben, das seinesgleichen sucht. Und dieser Aussage kann man ruhig Glauben schenken, denn sie kommt nicht von ungefähr, sondern von höchster Stelle. Robert Heinrich I. muss es wissen. Er ist schließlich der von Gottes Gnaden selbsternannte Kaiser von Österreich, auch genannt „Der Schöne“, „Seine Hoheit“, oder einfach nur „Der Kaiser“, der alle zwei Jahre am Iselsberg zur Audienz bittet. Der Kaiser und sein beflissener Obersthoffmeister Seifenstein (man beachte die von Wien abweichende, modernere Schreibweise, auf die man am Iselsberg Wert legt), ihr treuer Diener Vormärz und ihre illustren Untertanen schaffen es nun schon seit 12 Jahren, dem Fasching und dem Iselsberg dadurch neuen Ruhm und Glanz einzuhauchen.

Wobei: gehaucht wird wenig an diesem Abend. Gesungen, getanzt, imitiert und parodiert schon sehr viel mehr. Und das mit einem Bühnenaufwand, mit Kostümen und einer Geräuschkulisse, die auch ihresgleichen suchen. Vor allem, wenn – wie seine Hoheit und Seifenstein auch betonen – die Vorbereitungen für die Audienz immer erst im Jänner beginnen. Sie selbst ziehen sich dann für ein Klausurwochenende mit Schweinsbraten und Rotwein auf eine Almhütte zurück, wo grob skizziert wird, was man denn so machen und sagen könnte. Der Rest ist Improvisation. Auch ihre Privataudienzen suchen sie somit spontan aus. Dafür wandeln sie um 19:00 Uhr, also eine Stunde vor Beginn der Vorstellung, gefolgt von ihrem stummen, Prosecco in kleinen Schnapsgläschen servierendem Diener Vormärz, durch den Saal, grüßen hoheitsvoll das eintreffende Publikum und wählen aus, wem die Ehre zukommen soll, ein persönliches Gespräch auf der Bühne – und im Fall einer Augenweide – auch auf dem Schoß des Kaisers genehmigt zu bekommen. Manchmal ist auch niemand dabei. Da sind sie streng.

Augenweiden haben sie schließlich selbst genug. Vor allem junge und hübsche. Die Garde wurde heuer von acht auf 13 aufgestockt (wobei hier die Anzahl und nicht das Alter gemeint ist), dafür brachen ihnen die Seniorinnen weg. Die waren heuer zum ersten Mal nicht mehr dabei. Ansonsten war alles da, was Rang und einen Vereinsnamen hat. Der Kirchenchor als Bienenschwarm, die Feuerwehr als ewige Baustelle, die Landjugend als kleine Jägermeisterchen, die Zumba-Gruppe als die Erste Iselsberger Verunsicherung, die Musikkapelle mit Caféhausgschichtn, für die sie jede Feministin geköpft hätte, auch wenn sie die Kurve der political correctness eh grad und grad noch gekratzt haben.

Dazu noch eine politische Analyse von Tom Wallensteiner, ein „generation gap“ zwischen Computer und Schreibmaschine von Birgit und Birgit, ein genialer Tape Face von Niklas Leiner, die Freuden der Demenz von Oma & Opa Leiner, eine Frau Swinger, die froh ist, dass Franzl (Theurl) nun wieder ein sicheres Plätzchen mit gut gefülltem Futternapf für die nächsten fünf Jahre gefunden hat und überhaupt jede Menge Musik und Tanz der begnadeten Familie Leiner. Zusammen mit den Leuten hinter dem Vorhang, dem Regiepult der Technik und des Tons, der Bar, der Würstlbude und den Putzkübeln des nächsten Tages, sind das an die 100 Leute, wie Robert Heinrich I. mit stolz geschwellter Brust verlauten lässt. Ja, er liebt sie, seine Untertanen und sagt ihnen das auch laut und deutlich am Ende des großen Spektakels auf der Bühne. Natürlich lieben sie ihn auch. Auch das sagen sie ihm laut und deutlich ein wenig später an der Bar. Und auch das ist verständlich.

Meine persönlichen Lieblingsnummern allerdings waren – neben dem genialen Kaiserfilm „Des Kaisers neuer Kreisl“, in dem seine Hoheit mit dem Radl in den Wirren des Turbo-Kreisverkehrs steckt – Markus Warscher als im Eierlikör abhebender Bussibär Heinz Fischer und die Gruppe Boney B rund um Bernhard Auer als sexy und durchgeknallter Daddy Cool. Seine Backgroundsängerinnen waren mit ihrem 70er-Jahre Discooutfit und ihren Afromähnen schon eine wahre Augenweide. Wie Boney B seine dance moves aber ohne die Drogenexzesse der 70er Jahre hinbekommen hat, ist mir ein Rätsel. Aber ich hab’s gesehen, Boney B vom Iselsberg trank Almdudler. Er ist ein Naturtalent. Er schafft das auch ohne LSD. Und was er in zwei Jahren auf die Bühne bringt, will ich ebenfalls wieder sehen. Und das heißt etwas, denn eigentlich bin ich ein eingefleischter Faschingsmuffel.

Slideshow: Lorena Senfter

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