Phonmiraus: Kleinkunst voller großer Gefühle

Norbert Feldner und Claudia Wisiol stellten in Hopfgarten ihre CD „dunkelweich“ vor.

„Ich sitze am Hafen und schaue, Leben, dir zu, beneide dich um den Moment, in dem das Leben nichts anderes kennt, als bei sich zu sein. Im Spiel verloren, wird die Seele neu geboren.“ Eine Frau, ein Mann, beide in schwarz gekleidet, vor rotem Bühnenvorhang, eine Gitarre, dazu Poesie. Viel mehr braucht es nicht. Und wie so oft, bietet genau diese Kleinkunst Raum für große Gefühle, große Momente und große Überraschungen.

Überraschend ist vor allem die Kombination aus Lyrik in deutscher Hochsprache, vorgetragen von der weichen, angenehmen Stimme von Claudia Wisiol, und den Mundartliedern im Deferegger Dialekt von Norbert Feldner, die nicht nacheinander vorgetragen werden, sondern ineinander verwoben sind. Claudia Wisiol und Norbert Feldner, beide gebürtige Deferegger, mischen damit Rhythmus und Stille, Sprache und Melodie, Stimme und Klang, Tiefe und Leichtigkeit zu einer einzigartigen Kombination aus Musik, Poesie und Poetry-Slam.

Norbert Feldner und Claudia Wisiol präsentierten als Duo Phonmiraus ihre CD „dunkelweich“.

„Lei sogn, es isch zi viel, isch zi weng. Lei tuen als tat’s leicht giehn mocht mi hin, mir isch zwor zin plärrn, a wos, es weard wohl wieda wern, i moch mit lochndn Gsicht mei leschte Schicht. … So ist das also, so fühlt es sich an, wenn von einem Moment zum anderen alles anders ist.“ Wie ein buntes Kaleidoskop spiegeln die Lieder und Texte das Leben wider. Die Lyrik von Claudia Wisiol kontrapunktiert und ergänzt die Lieder von Norbert Feldner perfekt.

Überraschenderweise sind ihre Texte nicht gemeinsam, sondern getrennt voneinander entstanden. Claudia Wisiol, die an der NMS Tux unterrichtet, schreibt zur Zeit, nach ihrem ersten Lyrikband „im augenblick die ewigkeit“, gerade an ihrem zweiten Buch. Norbert Feldner hat neben drei Kinderbüchern bereits drei CDs als „Nobird“ veröffentlicht. Die beiden kennen sich allerdings schon seit der Sandkiste. Und bereits 2016 präsentierten sie in ihrer gemeinsamen Ausstellung „Ewigkeit im Augenblick“ Fotografien, Plastiken, Texte und Musik miteinander.

„Phonmiraus“ entstand – wie ihre gemeinsame Arbeit – aus einem Spiel. Einem Wortspiel. Die erste Silbe entstammt dem Wort Phonetik, der Wissenschaft der Laute. Ausgesprochen klingt der Künstlername wie „von mir aus“, was einerseits auf die tiefe Gefühlsebene der Texte hinweist und andererseits darauf, dass beiden Künstlern offensichtlich sehr wichtig ist, dass jeder Mensch das tun soll, was ihm entspricht. „Phonmiraus ist anders, ist laut und leise, ist tief und weit, ist echt, pur und ehrlich“, beschreiben sie selbst ihr neues Projekt.

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