„Kommunikations-Desaster“ bei Spitalsreform?

Tiroler Oppositionsparteien bringen „Dringliche“ ein. VP unterstützt den Vorstoß.

Die Tiroler Oppositionsparteien haben am Freitag eine Diskussion im Landtag über die von der schwarz-grünen Landesregierung geplante Spitalsreform verlangt. Die bisherige Kommunikation durch ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg bezeichneten sie als „Desaster“. Liste Fritz, SPÖ, FPÖ und NEOS werden daher für den kommenden Landtag eine dringliche Anfrage einbringen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz beklagten die vier Oppositionsparteien das fehlende Konzept. Bei Patienten, Mitarbeitern und der Bevölkerung herrsche Verunsicherung, nachdem bekannt geworden war, dass der Standort des Landeskrankenhauses Natters geschlossen und in die Innsbrucker Klinik übersiedelt werden soll. Während Liste Fritz, FPÖ und SPÖ die Schließung des LKH Natters ablehnen, stehen die NEOS „grundsätzlich“ hinter den Plänen des Gesundheitslandesrates.

„Es gibt viele wesentliche Argumente, die für eine Schließung sprechen“, meinte NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer. Die Argumente würden aber nicht durchdringen, da die Kommunikation vom Start weg mangelhaft gewesen sei. Stattdessen bräuchte es einen partizipativen Prozess.

Andrea Haslwanter-Schneider, Liste Fritz: „Natters ist ein Bauernopfer für verfehlte Gesundheitspolitik.“ Foto: Expa/Jakob Gruber

Anders sah das die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider: „Natters ist ein Bauernopfer für verfehlte Gesundheitspolitik.“ Man habe einfach den Standort ins Auge gefasst, bei dem der geringste Widerstand zu erwarten sei. Zudem ortete Haselwanter-Schneider ökonomische Interessen: „Wir werden aber darauf achten, dass das Areal in Natters nicht an einen Investor verscherbelt wird, der sich damit eine goldene Nase verdient.“

Auch FPÖ-Chef Markus Abwerzger stellte die Sinnhaftigkeit der Entscheidung in Frage: „Die Pneumologie in Natters ist qualitativ hochwertig und der größte Standort Westösterreichs.“ Zudem sei das Gebäude in einwandfreiem Zustand und die Auslastung liege bei 85 Prozent. „Derzeit gehen die Patienten in der Nachsorge im Wald spazieren, nachher am Innsbrucker Südring“, argumentierte Abwerzger gegen eine Verlegung des Standortes an die Innsbrucker Klinik. Zudem sei zu hinterfragen, wer von der Verlegung profitiere.

Eine Schwächung des ländlichen Raumes sah SPÖ-Chef Georg Dornauer durch die geplante Verlegung. Natters sei eine „Perle in West-Österreich“ und die Schließung des Standortes ein „Anschlag auf die Gesundheitsversorgung“. Weder kenne man die Studie noch das Konzept, das hinter den Plänen steht, so Dornauer. Aufschluss darüber erwarte man sich durch die dringliche Anfrage im Landtag.

Nicht grundsätzlich ablehnend ist die erste Reaktion der ÖVP auf diese Anfrage: „Die Weiterentwicklung und Anpassung des Leistungsangebots im Tiroler Spitalswesen ist für die langfristige und nachhaltige Absicherung des qualitativ hochwertigen Tiroler Gesundheitssystems dringend notwendig. Dass eine solch tiefgreifende Reform auch entsprechend auf politischer Ebene diskutiert werden muss, versteht sich von selbst. Die Tiroler Volkspartei wird deshalb die heute von der Opposition angekündigte dringliche Anfrage im nächstwöchigen Landtag unterstützen“, informiert VP-Klubobmann Jakob Wolf.

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