Lienzer Innenstadt: Zoff in der Begegnungszone

Rätselraten im Gemeinderat, ob man mit dem Pkw durch die Altstadt fahren darf.

Noch in diesem Frühjahr wird mit der Pflasterung der Lienzer Zwergergasse begonnen. Vor dem Sommer soll sich die Gasse in einem ähnlichen Look präsentieren wie mittlerweile fast die ganze Innenstadt mit Ausnahme des Hauptplatzes. Für das Projekt wurden am 25. März im Gemeinderat 300.000 Euro Rahmenbudget einstimmig beschlossen. Bei dieser Gelegenheit verwies VP-Gemeinderat Christian Steininger darauf, dass nach wie vor die Durchfahrt durch die Zwergergasse nicht geklärt sei und trat damit eine Debatte los, die im Juni 2018 schon einmal geführt wurde.

Durchfahrt verboten? Über diese Frage muss die Bezirkshauptmannschaft entscheiden. Sie findet die von der Stadt vorgeschlagene Regelung aber „nicht schlüssig“. Fotos: Dolomitenstadt/Pirkner

Damals hatte der Gemeinderat mit den Stimmen der SPÖ, der Grünen, der LSL und des FPÖ-Mandatars Anton Raggl eine Ausweitung der innerstädtischen „Begegnungszone“ auf den gesamten Johannesplatz, die Andrä Kranz-Gasse und die Hans von Graben-Gasse beschlossen. Auch die Zwergergasse sollte in dieses Konzept integriert werden. Zugleich sollte ein Fahrverbot in der gesamten „gestalteten Innenstadt“ gelten, von dem lediglich der Anrainerverkehr ausgenommen ist. Das bedeutet, dass man einen Anrainer – sprich ein Geschäft, ein Lokal, einen Arzt – auch mit dem Auto besuchen darf.

Wichtig ist den Verfechtern dieser Lösung, dass sie einheitlich ist und ein bisheriges Flickwerk an Fahrverboten, Fußgängerzonen etc. ablöst. Im Fall der Zwergergasse und der Andrä-Kranz-Gasse hat eine Begegnungszone mit Fahrerlaubnis nur für Anrainerverkehr aber gravierende Auswirkungen. Die einfache Durchfahrt von der Muchargasse kommend zum Südtirolerplatz oder durch die Zwergergasse zur Amlacherkreuzung ist damit verboten.

Gegen diese Einschränkung votierte die gesamte ÖVP-Fraktion, unterstützt von FPÖ-Mandatar Sepp Blasisker, bereits im Juni 2018 und erhielt eine wichtige Schützenhilfe durch die Bezirkshauptmannschaft, die als Behörde ein solches Fahrverbot erlassen müsste, dem Wunsch der Stadt aber bis heute nicht Folge leistete. Ein vorgelegtes Gutachten wurde von der BH als „nicht schlüssig“ abgelehnt, auch mit inhaltlichen Nachbesserungen ist das Baubezirksamt nicht zufrieden.

Im Ablehnungsschreiben vermerkt Bezirkshauptfrau Olga Reisner, dass es aus verkehrstechnischer Sicht notwendig sei, „alle ursprünglich verordneten Verkehrsregelungen der BH Lienz aufzuheben und den Verkehrsteilnehmern in der nunmehr verordneten Begegnungszone eine Phase der Eingewöhnung für diese neue Verkehrsregelung zu gewähren, ohne dass diese derzeit durch weitere Regelungen überlagert wird.“

Das interpretiert Bürgermeisterin Blanik als Freibrief für die Rückkehr in längst vergessene Zeiten, in denen durch die Messing- und Rosengasse der Verkehr rollte: „Die BH ist offenbar der Meinung, dass wir alles, was wir in den letzten 15 Jahren gemacht haben, überhaupt nicht mehr brauchen. Konsequent durchgedacht, dürften die Autos von der Messinggasse bis zum Hauptplatz wieder fahren. Wenn das durchgeht, werde ich Konsequenzen einleiten“, drohte die Bürgermeisterin mit rechtlichen Schritten und malte das Schreckgespenst „Modell Kufstein“ an die Wand: „Ich war dort, da fahren die Autos einfach durch“, erzählte die Bürgermeisterin.

Frage: Welches Schild gilt? Antwort: Alle. Kennen Sie sich aus? Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

LSL-Mandatar Uwe Ladstädter brachte den Stand der Debatte auf den Punkt: „Niemand weiß derzeit, was er darf. Selbst die meisten Anrainer wissen nicht, welche Tafeln gelten.“ Dieser Frage ging dolomitenstadt.at heute nach, mit folgendem Ergebnis: Offenbar hebt die Erlassung einer Begegnungszone durch die Gemeinde eigentlich alle bisherigen Verkehrsregelungen auf.

Doch da die Bezirkshauptmannschaft in Sachen Fahrverbot noch nicht entschieden hat, bleibt vorerst alles beim Alten. Im Wortlaut: „Bis zur Entscheidung darüber ist aus Sicht der Bezirkshauptmannschaft Lienz weiterhin das verordnete Fahrverbot mit den auf den Zusatztafeln kundgemachten Ausnahmeregelungen gültig.“ Also darf man doch nicht durch die Stadt fahren, bis auf Weiteres …

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

9 Postings bisher
Europa

Liebe Leute

In Lienz muss man nicht mit dem Auto in die Stadt fahren es sei den es hat jemand eine Lungenerkrankung oder kann nicht zufuss in die Stadt gehen aus Medizineschen Gründen sonst kann man Mit dem Fahrrad oder Zufluss oder mit dem Regiobus Lienz fahren übrigens der Fahrpreis für die Fahrt in eine Richtung ist ab 1.4.2019 anders und zwar kostet die fahrt fü einen Erwachsenen 1.30 Euro für Kinder 0.60 Euro und für Senioren 0 80 Euro laut Der App Smart und Ride neben dieser App gibt es auch die APP von Vvt Ticket in Google App Store.

Ceterum censeo

Auch wenn es "Zoff" geben sollte: Wenn es aus persönlichen Gründen - nicht aus Bequemlichkeit - notwendig sein sollte, in die "verbotenen (?) Verkehrszonen" einzufahren, werde ich mich nicht abbringen lassen, den PKW zu benützen. Ansonsten bin und bleibe ich ich ein begeisterter Radler und Fußgeher! Nur: Die Innenstadt ganz für den Verkehr zu sperren - davor warne ich. Die Handelsbetriebe brauchen Frequenz für die Wirtschaftlichkeit. Fragt einmal nach, was im Winter am gesperrten Hauptplatz los ist. Es würde mich nicht wundern, wenn in Bälde die eine odere andere Auslagenscheibe mit weißen Plakaten verklebt ist. Beispiel: Moden Mairer, in - ehemals - bester Geschäftslage.

    bb

    Es gibt am Hauptplatz und in der übrigen Fussgängerzone doch kaum ein Geschäft, das so schwere oder sperrige Dinge verkauft, die man vor der Tür ins Auto laden müsste. Möbel bei Tschibo kann man beim Hinterausgang am Markt abholen. Einen Sack mit Kleidungsstücken oder Schuhen zum Auto südlich der Liebburg oder am Südtiroler Platz zu tragen scheint mir für die meisten Kunden zumutbar...

chiller336

witzig, dass die frau bgm, welche ja notfalls gegen einen bh bescheid klagen will und radständer sowie blumenkübel aufstellen lässt, um leute am falschparken zu hindern, ihr fahrzeug sehrwohl dort abstellt - und sei es nur um ihre erledigungen in der haupttrafik zu bewerkstelligen ... man sollte mit gutem beispiel vorangehen, wenn man oben genannte absichten hegt

Damaha

Zum Thema 'Fahrverhalten' der osttiroler Bevölkerung möchte ich erwähnen, dass regelmäßig der Zebrastreifen, der direkt zum Eingangsbereich des Kindergartens Eichholz führt, von Mamis und Papis als Parkplatz benutzt wird. Mehr muss ich nicht sehen, da weiss ich was das für Leute sind....

nikolaus

Wer fährt denn noch freiwillig bzw. ohne dringlichen Bedarf mit dem Auto in oder durch die Altstadt? Mir sind jedenfalls die Blicke der Fußgänger peinlich! Lieber fahr ich weit genug außen vorbei oder stell das Fahrzeug rechtzeitig ab. Sogar vom Hochsteinparkplatz aus ist man in 5 Minuten im Zentrum, hat nebenbei noch einen idyllischen Spaziergang durch die Alleestraße. Also: Autos raus aus der Altstadt!😷

    Barbara4

    nikolaus, deine Meinung - schön und gut ... Ich bin bis zu meinem Unfall auch in 5 Minuten vom Hochstein auf den Hauptplatz gegangen. Heute, 4 Jahre später, und mit 59, - müsste ich mindestens 3 Pausen machen. Nachdem der Parkplatz an der Ladestraße auch weg kommt, werde ich in Zukunft sehr selten in die Altstadt gehen. ... es gibt aber viele Leute, die viel älter sind als ich, die auch gern am Hauptplatz Eis essen gehen würden, aber den Vergleichsweise langen Fußweg auch mit Pausen nicht schaffen.

    Traurig, dass man auf diese Menschen (die schon viele Jahre ihr Geld in den Geschäften / Cafés) ausgegeben haben, vergisst 😢

Kiew

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!

wolf_c

Autoschau das ganze Jahr, ich fahre also bin ich!