Oliver Deutsch auf dem Weg in die Heimat

Fast ein Jahr nach dem Start der „Tour Mediterraneo“ erreicht unser Radreisender Bayern.

Oliver Deutsch, Koch und Musiker, brach im Mai 2018 mit dem Fahrrad und leichtem Gepäck auf zu einer „Tour Mediterraneo“, einer fast einjährigen Tour auf dem Fahrrad rund um das Mittelmeer. Durch Italien, mit einem Abstecher nach Albanien, über Frankreich und Spanien nach Portugal und schließlich Marokko radelte der Osttiroler und lieferte authentische Eindrücke in Wort und Bild, die wirklich Lust auf Nachahmung machen. So einfach und so abenteuerlich kann das Reisen immer noch sein, mit Start und Ziel vor der Haustüre. Diese Türe hat Oliver zwar noch nicht ganz erreicht, aber weit entfernt ist er nicht mehr. Doch der Reihe nach.

Radeln auf dem Jakobsweg Camino de la Plata.

In Tarifa haben wir Oliver zuletzt getroffen. „Nach Sevilla bin ich wieder den gleichen Weg wie vor ein paar Wochen die Costa de la Luz entlang gefahren. Einige, Gott sei Dank, nur kurze Abschnitte hat der Regen in den letzten Wochen ziemlich ausgewaschen. Da hieß es dann wieder schieben!“, erzählt er uns. „Ich beschloss, den Camino de la Plata, also einen weiteren Jakobsweg in Richtung Norden zu fahren. Mein Pilgerausweis ist ja ein Jahr gültig. Das ist der am wenigsten begangene Jakobsweg, nicht so kommerzialisiert wie der Camino Francaise. Nur fünf Prozent aller Pilger gehen den, die Etappen sind länger, es gibt weniger Herbergen und im Gegensatz zu anderen Wegen ist der um einiges heißer. Der Camino de la Plata ist mit rund 1000 Kilometern einer der längsten Jakobswege. Wer den mal machen möchte, früh genug starten! Februar und März ist gut.“

Die berühmten Iberico-Schweine grunzen Oliver zu.

Und so radelt Oliver durch den Gebirgskamm nördlich von Sevilla, inmitten wunderschöner Natur. Hier haben Iberico Schweine, Stiere und Pferde ihre Heimat. Flach bis hügelig geht es dahin durch ein Land, das sich Ende Februar schon wieder auf die neue Wein- und Olivensaison vorbereitet. In Zafra trifft Oliver einen Gleichgesinnten, Mario aus Algeciras: „Auch ein Radreisender. Am Abend haben wir uns immer wieder mal in einer Herberge getroffen. Er hatte vor, den Camino bis Santiago zu fahren, musste aber leider in Carcaboso wegen einer Lebensmittelvergiftung aufgeben. Gutes Essen ist sehr wichtig auf einer Tour. Praktisch ist, wenn man selber kochen kann.“

Ein Gesinnungsgenosse – Mario aus Algeciras.

An der Grenze zu Kastillien überwindet unser Weitradler einen weiteren Gebirgskamm und disponiert wieder einmal um: „Zuerst wollte ich nur bis Cáceres am Camino fahren und dann abbiegen in Richtung Madrid. Es war aber so schön, nochmal in diesen Pilgerrhythmus zu kommen, dass ich mich entschlossen habe, weiter bis Salamanca zu fahren. Diese Etappen waren richtig interessant und wunderschön. Ich wär gern noch weiter gefahren, hab aber leider schon vor zwei Monaten – aus Zeitgründen – einen Flug von Madrid nach Zürich gebucht. Ist aber auch OK. Erstens ist es billiger und zweites nicht so umständlich wie mit dem Zug.“

Romantische Bergetappe auf dem Weg nach Salamanca.

Nach ein paar Tagen in Salamanca – die Stadt ist bekannt für ihre Sandsteinarchitektur und die Universität – macht sich Oliver also auf nach Madrid, mit unübersehbaren Abnutzungserscheinungen: „Die 200 Kilometer hatten es nochmal in sich. Nicht nur einige Steigungen machten Probleme, sondern auch mein Fahrrad. Es traten immer öfter Verschleißerscheinungen bei den Reifen und Schläuchen auf. Der einen Monat alte Hinterreifen, gekauft in Spanien, bekam winzige Löcher. Für die letzten Wochen kaufte ich mir nicht nochmal so einen schlechten Reifen. Improvisieren war wieder angesagt, aber Reifenwechseln und Schlauchpicken kann ich mittlerweile gut.“

Salamanca, bekannt für kunstvolle Sandsteinarchitektur und seine altehrwürdige Universität.
Durch die Straßen von Madrid radelt Oliver nur drei Tage.

In Madrid gönnt sich Oliver nur drei Tage Aufenthalt, besucht das Museum Reina Sofia, den Retiro Park und den Rastro, einen Freiluftflohmarkt – und spart sich das Taxi zum Flughafen: „Ich bin mit dem Rad hingefahren. Einen Karton fürs Fahrrad kann man auch dort kaufen, dachte ich mir. Natürlich ging das alles dann nicht so einfach, aber das ist eine andere Geschichte. Zwei Stunden später war ich in Zürich.“

Häuser, Bäume, Berge, saubere Straßen, das Wetter, es wird Deutsch gesprochen – alles erinnert plötzlich an zu Hause! Ein Kulturschock? „Nein, aber es ging dann doch etwas zu schnell!“ Bei der aus Lavant stammenden Eva Tabernig findet Oliver Unterschlupf: „Gott sei Dank. Die Schweiz könnte ich mir sonst nur schwer leisten. Eva lebt seit einigen Jahren dort mit ihrem Freund Mike. Sie erzählte interessante Anekdoten zur Stadt und hat mir schöne Ecken gezeigt. Obwohl es sehr gemütlich war, hab ich mich trotzdem bald wieder aufgemacht. Mit neuem Hinterreifen!“

Blick vom Zürichsee in die Altstadt.
Liggeringen beim Bodensee.
Erster Tag in Deutschland.

Über Winterthur radelt Oliver zum Bodensee, bei Wind und Regen, aber bester Laune. Am Wochenende fahren im Winter keine Fähren, also legte der Weitradler noch ein paar Extrakilometer ein, mittlerweile bei Schneefall: „In Liggeringen musste ich übernachten und einen Schneesturm abwarten, um am nächsten Tag über den Landweg die andere Seite des Sees zu erreichen.“

Ankunft in Unterwaldhausen. Foto: Peter O Connor

Dann ging es weiter nach Unterwaldhausen nahe Ravensburg, zu einigen Seelenverwandten: „Bei Peter O Connor bin ich da gelandet. Ein alter Freund von mir, den ich vor Jahren in Sevilla kennenlernte. Eigentlich aus Cornwall, lebt jetzt aber seit zwei Jahren hier am Hof der sehr netten Familie Wicker. Peter ist auch Musiker, also kam ich endlich wieder zum Musizieren. Wegen dem schlechten Wetter bin ich zwei Tage länger geblieben als gedacht und hab geholfen, die Küche auf Vordermann zu bringen.“

Für Peter O Connor ist die Küche zugleich Probenraum.
Auf dem Hof der Familie Wicker.

Es ist Mitte März. Oliver radelt bei teilweise sehr wechselhafter Witterung weiter zu Verwandten in Herrsching bei München und bleibt dort einige Tage, bevor er noch schnell einen zweiwöchigen Trip nach Südkorea einschiebt: „Urlaub ohne Rad. Das kann ich am Ammersee lassen und Anfang April fahr ich dann über Garmisch, Innsbruck, den Brenner, Südtirol wieder nach Osttirol. Mitte April sollte ich wieder zu Hause sein. Das war’s dann mit der Tour Mediterraneo.“

Wir werden Oliver natürlich vor Ort erwarten, zu einem ersten Interview nach einem Jahr auf dem Rad. Eine letzte Folge unseres Reisetagebuches gibt es also noch. Bis dahin wünschen wir dem unermüdlichen Radfahrer schönen Urlaub in Südkorea und eine sichere Fahrt über die Alpen in die Heimat.

Hier der direkte Link zu allen bisherigen Stationen der Tour Mediterraneo von Oliver Deutsch.

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2 Postings bisher
Kapatieme

Also echt Daumen hoch für Olivers interessante Geschichte. Eigentlich sind es ja viele Geschichten. Er könnte gut Reisejornalist sein. Freu mich auf den Abschlussbericht !

bergfex

Gibt es dann auch einen großen Empfang wenn er in Lavant einradelt? Wäre eine schöne Geste. Vielleicht kann es Dolomitenstadt organisieren helfen?