Herzstück des neuen „Mobilitätszentrums“ ist eine breite Fußgänger- und Radunterführung, die den Süden von Lienz mit dem Hauptplatz verbindet. Visualisierung: Ostertag Architects - studiobaff.com

Herzstück des neuen „Mobilitätszentrums“ ist eine breite Fußgänger- und Radunterführung, die den Süden von Lienz mit dem Hauptplatz verbindet. Visualisierung: Ostertag Architects - studiobaff.com

So sieht der neue Lienzer Bahnhof aus

Erste Bilder visualisieren die Modernisierung und eine großzügige Unterführung.

Der Campus Technik Lienz kämpfte am 6. Mai in den Abendstunden mit einem bislang unbekannten Problem: Überfüllung. Gleich zwei Hörsäle des architektonisch spektakulären Uni-Ablegers an der Isel füllten sich mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Lienz, die einen ersten Blick auf die Visualisierungen des derzeit größten öffentlichen Projekts im Bezirk werfen wollten, den geplanten neuen Lienzer Bahnhof. Per Konferenzschaltung wurden die virtuellen Bilder des 29 Millionen-Euro-Projektes von einem Saal in den benachbarten übertragen. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik schilderte einmal mehr die Genesis des Projekts, zählte die seit dem Planungsbeginn entthronten SPÖ-Verkehrsminister auf – vier an der Zahl – und spekulierte darüber, ob wohl Norbert Hofer 2022 das Band zur Eröffnung des neuen „Mobilitätszentrums“ durchschneiden werde.

Die Lienzer Bürgermeisterin ließ auch die politische Entstehungsgeschichte des neuen Bahnhofs Revue passieren. Im Hintergrund Architekt Marcus Ostertag, der die Planung verantwortet. Foto: Stadt Lienz/Brunner Images

Siegfried Moser, Regionalleiter der ÖBB-Infrastruktur AG, Torsten Wastian, Projektleiter vor Ort und Architekt Marcus Ostertag lieferten dann recht kurz und bündig ein paar elementare Informationen zu einem Projekt, das zur Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs in Osttirol werden soll. Genau dieses Thema – der Verkehr – war an diesem Abend aber eher Nebensache. Als Stars der Präsentation wurden ein generalsaniertes Bahnhofsgebäude und eine großzügige Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung gezeigt. Je zwei Meter breite Radspuren in beide Richtungen, farblich und auch vom Niveau her getrennt davon ein mindestens zwei Meter breiter Fußweg, ein 14 Meter breites lichtdurchflutetes Atrium im Bereich des mittleren Bahnsteigs und komplette Barrierefreiheit – das erwartet die Bahnbenützer ab 2022.

In der Visualisierung völlig autofrei: der neue Bahnhofsvorplatz in Lienz. Links im Bild erkennt man, dass das derzeitige Betriebsgebäude im Osten fehlt. Es wird abgerissen. Visualisierungen: Ostertag Architects – studiobaff.com
Die Bahnsteige in Lienz werden nach den von anderen Bahnhöfen bekannten Designvorgaben der ÖBB neu gestaltet.

Einen optischen und funktionalen Quantensprung macht wohl auch das Innere des Bahnhofsgebäudes, in dem sich ein MPreis-Markt samt Restaurant ansiedeln wird. Es wird zudem ein modernes Kundenzentrum und ein Reisebüro im Gebäude geben. Mit der Einladung, sich all das auch einmal durch die Virtual-Reality-Brille anzuschauen, wurde die Publikumsdiskussion eröffnet, die sich vorwiegend um die zu erwartenden Verkehrsbehinderungen während der Bauphase drehte. Nur gestreift wurde die zentrale Frage der künftigen Verkehrsorganisation rund um das Megaprojekt.

So wird man beispielsweise künftig nicht mehr, wie gewohnt, auf den Bahnhofsplatz einfahren können. Die Zu- und Abfahrt für Pkw, die Fahrgäste zum Bahnhof bringen oder von dort abholen wollen – auch für Kunden des neuen MPreis-Marktes – erfolgt beim neuen Bahnhof über die derzeitige Ausfahrt im Osten des Platzes. Hier wird es eine neue Linksabbiege-Spur für Fahrzeuge geben, die von Osten kommen. An der Boznerplatz-Kreuzung darf man aus dem Bahnhof dann nur noch aus- aber nicht mehr einfahren. Hundert Meter weiter westlich, etwa auf Höhe der Pizzeria Leonardo, kommt ein weiterer Linksabbieger, in diesem Fall für Busse, die künftig nicht mehr vor dem Bahnhof ihre Fahrgäste aufnehmen, sondern westlich davon.

Die Einfahrt aus beiden Richtungen der B 100 in den neuen Bahnhof wird nach Osten verlegt. Hier gibt es künftig auch eine Spur für Linksabbieger. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Mit neuen Tatsachen müssen sich auch all jene vertraut machen, die den großen Parkplatz an der Lastenstraße als Dauerparker oder für einen Besuch in der Stadt nutzen. Weil die Busse künftig einen Teil des Platzes beanspruchen, wird dieser Parkplatz kleiner und ist nach Fertigstellung des Projekts primär über die Amlacherkreuzung erreichbar. Zum Ausgleich entsteht ein großer Park&Ride-Parkplatz im Süden des Gleiskörpers, auf den man über eine bereits in Bau befindliche zehn Meter breite Draubrücke gelangt. Nicht zu klären war in Einzelgesprächen mit Experten nach der offiziellen Veranstaltung, ob auf diesem südlichen Park&Ride-Parkplatz auch Lienz-Besucher und Dauerparker stehen dürfen oder nicht. Die ÖBB sagt nein, aus Kreisen der Stadt hört man anderes.

Und auch die künftige Führung des sommerlichen „Italiener-Radverkehrs“ zum neuen Terminal im Süden der Bahntrasse ist unklar. Während Bürgermeisterin Elisabeth Blanik bei der Präsentation auf eine entsprechende Publikumsfrage antwortete „es wird eine eigene Radspur auf der Tristacherstraße geben“, meinte ein Straßenbauexperte im anschließenden inoffiziellen Gespräch lapidar: „Dann müsste man alle Bäume an der Tristacherstraße umschneiden.“

Solche und ähnliche Fragen werden die Stadtpolitik und deren Chefin wohl noch länger beschäftigen. Mitte des Monats wird voraussichtlich das „Stadtlabor“ am Hauptplatz eröffnet und dort will Bürgermeisterin Elisabeth Blanik dann eine ganze Woche persönlich neugierigen Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort stehen.

Siegfried Moser, Regionalleiter der ÖBB Infrastruktur AG (links) erklärt interessierten Bürgern die Pläne für den neuen Lienzer Bahnhof. Foto: Brunner Images
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35 Postings bisher
Edi1913

pro Bahnhosrestauration! (=schützenswerte Art) Nicht nur so Standlglumpert.

Weltreise

Ich finde es in Ordnung das der Bahnhof Lienz umgebaut wird. Es wird in Lienz sicher zu einem Verkehrschaos kommen, aber würden mehr Menschen in Osttirol den Öffentlichen Verkehr nützen, würde es dann kein Verkehrschaos geben ist meine Meinung. Dazu müsste der Fahrplan der Buse Züge besser aufeinander abgestimmt sein. Als Beispiel von mir nehmen wir die Buslinie 941 her, das ist der Bus der über die Pegetz fährt, also ins Gewerbegebiet von Lienz der fährt, um 12.07 von Bahnhof Lienz ab, aber der Regiobus Lienz kommt erst in der 12 Minute jeder Stunde aber erst an,am Bahnhof Lienz also heißt es 45 Minuten warten um mit dem nächsten Bus der Linie 941 zufahren. So schlecht ist der Regiobus Osttirol abgestimmt auf dem Regiobus Lienz. Das sollte sich doch ändern lassen, dann würde doch mehr Leute den Regiobus nehmen oder? Den der Fahrpreis würde ja wenn ich mit dem Regiobus Lienz komme und in die Pegetz will nur Einzelfahrkarte führ Erwachsene nur 1.30 Euro kosten. für Kinder 0.60 Euro für Senioren 0.80 Euro. Ob ich von Bahnhof Lienz erst fahre oder von Thurn Gaimberg oder einer anderen Haltestelle in der Zone Lienz ist total gleich teuer wird die Busfahrt erst wenn man die Zone Lienz verlässt. Und für die Umwelt wäre es auch gut oder?

    le corbusier

    ich bin voll deiner meinung, die neuen fahrzeiten sind sehr schlecht oder garnicht aufeinander abgestimmt. ich würd echt gern öfter den bus nehmen, aber es ist meistens unmöglich.

bb

Ich bin neugierig auf den Bus-Bereich, da erwarte ich mir ein große Verbesserung: mehr Übersichtlichkeit, welcher Bus wo abfährt. Überdachte Sitz- und Wartemöglichkeit, besser lesbare Fahrpläne - größere Schrift. Beleuchtung, damit man auch am Abend lesen kann. Vielleicht gibt es gar digitale Anzeigen... Man träumt halt...

    Stiller Gedanke

    Aber Vorsicht mit den Träumen, nicht das es so endet wie in Kitzbühel.

    Stiller Gedanke

    In Kitzbühel wurde dder Vorplatz auch umgestaltet und das Grundkonzept gefällt mir gut, nur ist nach zwei Jahren immer noch kein Dach auf auf den fertigen Stehern und die anzeigen sind auch noch Provisorisch.

      Edi1913

      denen vermutlich wuarscht, weil die Münchner Zahnorthopäden und Schönheitschirurgen kommen halt selten mit Bus und Zug nach KB...

anton2009

Das präsentierte Mobilitätszentrum wird eine tolle Sache - leider wird es das Verkehrsproblem in Lienz nicht lösen!

Sepp Brugger

Lienz, wie es leibt und lebt. Da wird der veraltete Bahnhof endlich zu einem modernen Mobilitätszentrum umgebaut, auch in Lienz wird der Bahnhof endlich barrierefrei, und trotzdem gibt es in den Kommentaren fast nur Kritik. Ich freue mich, dass es unter einer roten Bürgermeisterin und Grüner Regierungsbeteiligung endlich auch in Lienz ein barrierefreies Mobilitätszentrum geben wird und der öffentliche Verrkehr noch attraktiver wird. Sepp brugger

    senf

    Dank deiner Kollegin in der Landesregierung wird der neue Bahnhof sicher nie überlastet werden. Auch das könnte man als Erfolgsstorry verkaufen, lieber Sepp. Übrigens, nach Jahrzehnte langen Zuwartens auf das Eintreffen der ersten Dampflock in Huben, wurde der fast fertige Bahnhof dort zu einer erfolgreichen Bäckerei zur Versorgung des Oberen Iseltales samt Seitentäler adaptiert. Du brauchst also nicht schwarz oder tot zu sehen, irgendwie geht alles munter weiter.

rebuh

wow, wen ich an die hilflosigkeit mancher autofahrer bei so was normalem wie dem kreisverkehr in der debant denke, seh ich schon das totale chaos vor mir, wen sie nicht mehr wie ein leben lang gewoht, auf den bahnhof vorplatz einfahren können/dürfen.

roland

Und wie ist es mit der Apotheke, die derzeit im Bahnof ist? Kommt die weg oder bleibt sie bestehen? Ich würd mich freuen, wenn sie bliebe

    Christof

    ....kommt in den Ostteil des Gebäudes!

    Gertrude

    Man kann auch zu Fuß zur Apotheke gelangen, im Stadtzentrum kann man auch nicht bis zu jeder Geschäftstüre fahren.

    Edi1913

    schad wärs nicht drum, kann ja ins ehemalige Proviantstandl übersiedeln ;-)

thomas78

Ich nehme mal an, wenn im Osten die Linksabbiegespur zum Bahnhof kommt, muss der MC Zebrastreifen zwangsläufig verschwinden, sonst funktioniert das Abbiegen nicht reibungslos. Oder irre ich mich da?

Hot doc

Beim Mc Donald eine Unterführung zu bauen ist nicht so einfach, denn wie beim DEZ in Innsbruck, die Leute laufen trotzdem über die Strasse. So muß man rechts und links von der Unterführung lange Zäune aufstellen, damit die Fussgänger durch die Unterführung gehen müssen,das will ja euch keiner ?

    rebuh

    die zäune würde es auch bei der derzeitigen zebrastreifenlösung benötigen. man kommt ja selten mal ohne anhalten zu müssen von der ampel bis zum mc i, weil ständig leute einfach über die strasse laufen. und durch diese erzwungenen stauss kann auch das beste ampelsystem nicht funktionieren. wobei das in lienz vom besten weit entfernt ist. warum können diese in villach in der nacht einfach nur orange blinken und es geht problemlos?

    meinlz

    In lienz ist es noch immer nicht ganz angekommen, dass Unterführungen generell gerne vermieden werden. Wer fühlt sich schon wohl in dunklen Gängen?

bergfex

Und dann werden wieder zwei Links-Abbiegespuren gemacht, die den Verkehrsfluß sicher NICHT beschleunigen werden. Oder kommen so inteligente Ampeln wie beim Fagerer? Liebe Frau Bla-Bürgermeisterin, sie machen es so vorbildlich, das in nächster Zeit noch mehr Geschäfte in der Stadt schließen müssen und dann eben Richtung Debant fahren werden . Danke.😱

    meinlz

    Offensichtlich legt man in der Stadtverwaltung keinen Wert darauf, Geschäfte bzw Firmen in Lienz zu halten, siehe öamtc, zanier, .... Auch die Altstoffsammelstelle kommt ja vermutlich aus Lienz weg und somit sind wieder einige Wege mehr mit dem Auto zu absolvieren!

Klettermaxi

zu thomas78... wozu schon wieder eine Unterführung? Wenige Meter entfernt befindet sich die große Kreuzung...die paar Schritte kann doch jeder gehn ! Ich finde den Mc Donalds Fussübergang allerdings auch sehr verkehrsverzögernd und lästig. 😐

    tetris

    Die paar Schritte kann jeder gehen? Hahaha 😂😂😂 Nein ernsthaft, wenn der Zebrastreifen verschwindet, latschen die Leute halt so über die Strasse wie beim Leonardo...

    chiller336

    genau deshalb - weils ja jetzt all die jahre auch nicht funktioniert hat obwohls nur 50 m weiter sind zur bahnhofskreuzung. dasselbe gilt im übrigen auch für all jene bundesstraßenüberquerer oberhalb der bahnhofskreuzung - dort wärens auch nur wenige meter zum zebrastreifen

meinlz

Es wird spannend, wie die immer mehr zur südlichen Umfahrung der überlasteten B100 genutzte tristacher strasse den zusätzlichen Verkehr aufnehmen soll, der durch die Zu- und abfahrten zu den geplanten neuen Parkplätzen, entstehen wird (man munkelt von ca 6000 Autos täglich die diese Strasse befahren)! In der Hochsaison kommen dann noch zusätzliche 5000 Radtouristen täglich hinzu! In Leisach "verbannte" man die Radtouristen von einer Strasse mit nur wenigen Häusern!

alpensepp

Typisch Politik....Frau Blanik hat offensichtlich keinen Plan von dem ganzen Projekt.....

thomas78

Kann man im Zuge der Kreuzung Umgestaltung mit der neuen Abbiegespur im Osten nicht auch gleich den unsäglichen MC Donalds Zebrastreifen verschwinden lassen, der die Funktion einer Zusatzampel mit Zufallsgenerator inne hat? Unterführung?

    Edi1913

    @thomas78 eigene Unterführung? Die soll aber dan der Mäki zahlen :-D

      one1

      Die Menschen wechseln aus den unterschiedlichsten Gründen die Straße dort. Vom Bahnhof zum Intersport und zum Mäki aber auch von dort zu den Geschäften und zum Bahnhof usw. Alle Geschäfte die sich dort angesiedelt haben mussten Erschließungsgebühren zahlen und weil die Politik seit 20!!! Jahren nicht in der Lage ist ein ordentliches Verkehrskonzept vorzulegen sollen jetzt wieder die Unternehmen zahlen - eh klar und wer zahlt es dann ganz am Schluss weils wieder mal nicht passt? WIR ALLE! Eine Einbindung in eine Ampelregelung wäre der einzig vernünftige Lösungsweg denn dann is Ruhe dort - aber HALT🤔 100 Meter weiter Richtung Westen wären ja dann auch noch zwei/drei ungeregelte Aus- und Einfahrten 😱. Wenn dann muss der gesamte Verlauf geregelt sein sonst is alles für die Katz, irgendwann werden das auch die "Experten" erkennen 😜.

Hot doc

2016 meinte Hanser Jürgen vom Mobilitätsauss.:​ Für Kontroversen werden ganz sicher die Pläne des SPÖ-Ausschussobmanns in Sachen Radverkehr sorgen. So lange der Hauptplatz nicht saniert ist, können Radler vermutlich weiterhin dort fahren, danach – geht es nach Jürgen Hanser – sicher nicht mehr. Also wozu eine Unterführung mit Radstreifen, wenn man danach Richtung Innenstadt nicht weiter kommt.

    Edi1913

    @hotdoc: auch Touristenradfahrer können ein paar Meter zu Guß gehen