Der Asslinger Bürgermeister Bernhard Schneider hält die Tafel auf der steht, was man hier demnächst sehen sollte: eine bunte Wildblumenwiese. Fotos: Vogl/Biocolalp

Der Asslinger Bürgermeister Bernhard Schneider hält die Tafel auf der steht, was man hier demnächst sehen sollte: eine bunte Wildblumenwiese. Fotos: Vogl/Biocolalp

Blütenpracht am Straßenrand durch Schotter statt Humus

Ein Workshop in Assling offenbarte Erstaunliches zum Thema Biodiversität.

Der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen (IBPES) tagte Anfang Mai in Paris mit 132 Mitgliedsstaaten und warnte eindringlich vor dem vom Menschen verursachten globalen Artensterben, das in rasantem Tempo voranschreitet. Fast zeitgleich fand in der Osttiroler Gemeinde Assling ein Workshop mit Experten statt, der aufzeigen sollte, dass bei korrekter Anlage und Pflege auch das „Begleitgrün“ entlang von Straßen einen Beitrag zur Erhaltung der heimischen Artenvielfalt leisten kann.

Verkehrsinseln und Bankette werden im Regelfall entweder gärtnerisch behübscht oder vernachlässigt. Manchmal werden mit viel Ambition Blumenmischungen mit prächtigen Namen wie „Schmetterlingswiese“ und „Bienenweide“ auf solchen Flächen gesät. Im ersten Jahr entfalten sich Blumen, doch schon im zweiten Jahr macht sich meist Enttäuschung breit, weil die Saat nicht aufgeht.

Markus Kumpfmüller erklärt, welches „Begleitgrün“ sich am Straßenrand ideal entwickeln kann.

„Einer der Gründe dafür ist, dass viele Blumenmischungen exotische Sommerblumen oder schnell keimende und schön blühende Ackerblumen enthalten. Diese Arten sind weder im Garten noch im Straßenbegleitgrün geeignet, einen dauerhaften Bestand zu etablieren. Als Beitrag zur Erhaltung der heimischen Pflanzenvielfalt sind diese Samenmischungen und ein unüberlegtes Ausstreuen wenig sinnvoll“, erklärt Markus Kumpfmüller, Landschaftsplaner aus Steyr. Er und Matthias Karadar (Natur im Garten, Tirol) waren als Experten zum Workshop nach Assling eingeladen. Gastgeber waren neben der Gemeinde das Tiroler Bildungsforum und die Mitwirkenden des Interreg Projektes BioColAlp.

Kumpfmüller und Karadar informierten zunächst bei einer Abendveranstaltung über neue Wege in der dauerhaften Etablierung von artenreichem und pflegeleichtem Straßenbegleitgrün. Am folgenden Tag erhielten Vertreter von Osttiroler und Südtiroler Gemeinden auf drei Flächen in Assling die Gelegenheit, die vorgeschlagenen Maßnahmen praktisch zu erproben. Es war ein Tag voll mit Tipps, Tricks und praktischen Erfahrungen über einen anderen Zugang zur Anlage bzw. Pflege von Straßenbegleitgrün.

Schotter als idealer „magerer“ Untergrund für die Begrünung einer Straßenböschung? Ja, sagen die Experten.

Viel Humus aufbringen und fest düngen? Im Gegenteil! Auf den Testflächen entlang der Straßen wurde das Erdreich abgetragen, um Wurzeln und Samen der bisherigen Vegetation zu entfernen. Schotter wurde aufgebracht und mit nur einem Zentimeter Sägespänen oder unkrautfreiem Grünschnittkompost bedeckt. In diese mageren Flächen wurden Topfpflanzen und Samen von heimischen Wildpflanzen eingebracht, die für magere Standorte typisch sowie regional verfügbar sind.

Matthias Karadar packt seine Schätze aus. Saatgut aus dem Netzwerk Rewisa und Topfpflanzen von spezialisierten Fachbetrieben. Fotos: Vogl/Biocolalp

„Das Saatgut stammt nicht aus dem üblichen Saatguthandel. Es stammt von Spezialisten des Netzwerkes Rewisa, die in Wildsammlung Saatgut ausgesuchter Arten in Wiesen und Böschungen händisch sammeln. Die Topfpflanzen stammen von zertifizierten Fachbetrieben, die auf die Vermehrung von Wildpflanzen des Netzwerkes spezialisiert sind“, erklärt Matthias Karadar. Ein positiver Effekt dieser Vorgehensweise sei, dass sich die Bestände an Wildarten dauerhaft etablieren und nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden müssen. Die bisherige sechs- bis siebenmalige Mahd entfällt. Zur Pflege der nun angelegten Flächen sind im Jahr 2019 noch zwei weitere Workshops geplant.

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senf

die aussaat diverser blumenmischungen zum bsp. an straßenböschungen oder inseln hat nur mit einer entsprechenden dauerbegleitpflege sinn. das geschieht in der regel nicht, und die zierlichen blumen müssen erst dem hohen, schattigen gras weichen, den rest erledigt dann der rasenmäher oder der mähbalken des straßendienstes. schade um die mühe und das viele geld.

die hier vorgestellte methode leuchtet ein, aber auch hier ist intensive pflege erforderlich, vor allem bei der bewässerung und unkrautbeseitigung. wenn sich aber die jeweiligen "anrainer" über sommer dieser aufgabe annehmen, ist erfolg garantiert und wenn die gemeinde dann noch pauschal mit einigen kubikmeter gratisgartenwasser entgegenkommt, blüht und lebt das dorf. assling macht es vor.