Angela Lehner im Rennen um den großen Preis

Die Osttirolerin steht auf der Longlist für den Preis des Deutschen Buchhandels 2019.

Es ist nicht immer leicht aus provinzieller Sicht Erfolge einzuordnen, die „draußen“, in der Weite der Welt erzielt werden. Im Sport kann sich der regionale Held zumindest mit der Stoppuhr an globalen Maßstäben orientieren, doch in der Kunst erscheint uns Vieles relativ. Ein großer Maler, eine herausragende Autorin, was heißt das schon? Wer maßt sich an, das zu entscheiden?

Ein paar Instanzen gibt es, die über diesen Zweifeln stehen und eine davon adelt in diesen Tagen eine Autorin, die in Klagenfurt geboren wurde – und deshalb aus der Ferne betrachtet nicht selten als Kärntnerin gehandelt wird – aber bei genauerem Hinsehen und Hinhören ganz klar eine Osttirolerin ist: Angela Lehner. Wir hatten die Ausnahme-Literatin erst vor wenigen Monaten bei einer Dolomitenstadt-Lesung im Altstadthotel Eck zu Gast. Angela las aus ihrem Erstling „Vater unser“, einem Buch erschienen im Hanser-Verlag, das mittlerweile Furore macht und nun wohl vor dem endgültigen Durchbruch zum Bestseller steht, mit dem Sprung auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019.

Angela Lehner hat gut Lachen. Auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis zu stehen ist ein echter Ritterschlag in der deutschsprachigen Literaturszene. Foto: Ramona Waldner

Was das heißt? Das heißt, dass eine siebenköpfige hochkarätige Jury aus allen, von mehr als hundert Verlagen des deutschen Sprachraums eingereichten Büchern 20 ausgesucht hat, von denen eines am 14. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse zum deutschsprachigen „Roman des Jahres 2019“ gekürt wird. Der Autor oder die Autorin wird dann den mit 25.000 Euro dotierten Preis des Deutschen Buchhandels in Empfang nehmen und – soferne es sich nicht bereits um einen Literaturstar handelt – auf jeden Fall zu einem solchen werden.

Dieser Preis ist der wichtigste, den man mit einem deutschsprachigen Buch gewinnen kann. Und wie beim Oscar oder den Golden Globes gilt bereits die Nominierung als Ritterschlag. Um die ganze Sache aber noch ein wenig spannender zu machen, wird nach der kürzlich erfolgten Verkündung der „Longlist“ am 17. September die „Shortlist“ veröffentlicht. Dann werden nur noch sechs Titel im Rennen sein und sollte Angela Lehner auch diese Hürde nehmen, wird die Spannung bis zum 14. Oktober wohl unerträglich, auch für uns Lehner-Fans hier in der Redaktion.

Angela Lehner und Gerhard Pirkner bei der Lesung im April im Lienzer Altstadthotel Eck. Die Literatin realisierte für Dolomitenstadt bereits 2012 ein Kunstprojekt. Foto: Ramona Walder

Die Verbindung unseres Mediums mit der Künstlerin – und ihre eigene Bindung an Osttirol – ist auch in ihrem furiosen Erstling evident. „Vater unser“ beginnt mit einem Zitat aus der Erzählung „Schattenkampf“ von Christoph Zanon, dem früh verstorbenen Osttiroler Literaten. Angela wandelte gemeinsam mit der Fotografin Miriam Raneburger 2012 bei einem Projekt der Dolomitenstadt-Redaktion buchstäblich auf Zanons Spuren durch die Nacht. Die literarische Fotostrecke aus dieser Zeit wurde zu einer Serie von Kunstpostkarten, die wir demnächst neu auflegen möchten, als kleine Hommage für eine mittlerweile groß gewordene Autorin aus unseren Reihen. Wir halten Angela die Daumen und freuen uns schon jetzt auf ihr nächstes Buch. Ihr erster Roman sei allen, die gerne Gutes lesen, ans Herz gelegt. Dieses Buch ist, ganz unabhängig von jeder Preisverleihung, ein literarischer Hochgenuss.

Nur 20 Werke der deutschsprachigen Literatur schaffen alljährlich den Sprung auf die „Longlist“. Heuer ist mit „Vater unser“ erstmals in der Geschichte des Preises ein Buch gelistet, dessen Autorin Angela Lehner aus Osttirol stammt.
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1 Posting bisher
miraculix

Hut ab und herzlichen Glückwunsch an die Autorin!