Klagenfurter Stadion-Wald wird offiziell eröffnet

Kunstinstallation „For Forest“ von Klaus Littmann nach einer Zeichnung von Max Peintner.

Im Klagenfurter Wörthersee-Stadion wird heute, Sonntag 8. September, um 14.00 Uhr die Kunstinstallation „For Forest“ eröffnet. Bei dem Projekt des Schweizer Initiators Klaus Littmann bilden fast 300 bis zu 14 Meter hohe Bäume einen Wald am Stadionrasen. Die Installation kann bis 27. Oktober täglich bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Bereits am vergangenen Donnerstag war das Projekt der Presse vorgestellt worden. Die Installation geht auf die Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ des Künstlers Max Peintner zurück. Sowohl Littmann als auch Peintner betonen, dass das Projekt in Klagenfurt als Mahnmal gegen den Klimawandel verstanden werden kann. Erfolgreich sei es jedenfalls dann, wenn ein Bild entsteht, das um die Welt geht und in den Köpfen bleibt.

Der Wald im Stadion. 300 echte Bäume sind in Klagenfurt noch bis 27. Oktober zu sehen. Fotos: APA

Den Auftakt zum Begleitprogramm der Stadionwald-Installation „For Forest“ hat am Donnerstagabend die Klagenfurter Galerie 3 mit 20 Ölkreide-Arbeiten Max Peintners aus den 1990er und 2000er Jahren gemacht. Ein paar Schritte weiter war der Künstler auch in der Stadtgalerie anzutreffen, wo mit „Touch Wood“ die Entwicklung der Landschaftsmalerei vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart illustriert wird.

„Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ heißt jene Zeichnung von Max Peintner, die Ideengeber für die Kunstinstallation „For Forest“ des Schweizers Klaus Littmann war. Darauf ist vor einem futuristischen Großstadthintergrund ein Sportstadion zu sehen, in dem Zuseher einen auf dem Spielfeld gepflanzten Wald betrachten. Das Original, bald nach seiner Entstehung vor rund 30 Jahren in die USA verkauft, ist als Leihgabe im „Living Studio“ der Stadtgalerie Klagenfurt zu sehen. Der Wald im Stadion ist eine von 31 frühen Zeichnungen des in Wien lebenden Tirolers, die vor allem Katastrophen-Szenarien variieren: Flutwellen und Flugzeuge, die auf Berge zusteuern, Autobahnen und Staumauern zeigen „Paradise lost: Negative Utopien“.

Dieses Bild von Max Peintner war Vorlage für die Kustinstallation im Stadion. Foto: APA/Peintner

„Ich habe meine eigene Ausstellung noch gar nicht gesehen, aber die Bilder kenne ich ja“, meinte der vom Vernissagen-Marathon atemlose Künstler (81) verschmitzt. Er hatte in mühevoller Kleinarbeit die Besitzer seiner frühen Zeichnungen kontaktiert und mit Stadtgalerie-Direktorin Beatrix Obernosterer die zum Großteil privaten Leihgaben nach Kärnten geholt.

Eingebettet ist die Max-Peintner-Ausstellung in einen beeindruckenden Überblick zum Thema Wald mit Werken aus den Sammlungen von Stadt Klagenfurt und Land Kärnten. Regionale Künstler treffen dabei auf internationale Arbeiten. Beginnend mit Natur-Idyllen aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu Expressionismus und Abstraktion reicht die Zeitreise rund um den Baum als Motiv. Von Ludwig Willroider und Markus Pernhart über Werner Berg und Valentin Oman bis zu Arbeiten zeitgenössischer Kärntner Fotografen lässt sich die heimische Kunstszene so in internationale Positionen einfügen, wie Kuratorin Nora Leitgeb bei der Eröffnung erläuterte.

Sie ist mit Stadtgalerie-Leiterin Obernosterer und der Direktorin des Museums Moderner Kunst Kärnten (MMKK) Christine Wetzlinger-Grundnig für die Konzeption und Gestaltung der zweiteiligen Ausstellung „Touch Wood“ verantwortlich. Die englische Redensart bedeutet „auf Holz klopfen“, was wohl alle Verantwortlichen des umfangreichen kulturellen Begleitprogrammes in der Stadt getan haben dürften. Der Stadtgalerie-Eröffnung gestern wird am 18. September die ebenfalls mit „For Forest“ korrespondierende Ausstellung im MMKK folgen, beide Teile sind bis Anfang Jänner 2020 zu sehen.

Bis Ende Oktober, also so lange wie die temporäre Kunstinstallation von Klaus Littmann im Stadion, ist die Verkaufsausstellung in der privaten Galerie 3 zugänglich. 1997 fand hier die erste Einzelausstellung Max Peintners in Kärnten statt. Derzeit werden spätere Arbeiten des documenta- (1977) und Biennale von Venedig-Teilnehmers (1986) gezeigt, in denen er sich neben ökologischen Themen auch mit (Selbst-)Wahrnehmung beschäftigt. „Man kann nicht ewig ein Satiriker sein“, kommentierte der Künstler die Schau bei der Eröffnung, an der auch Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) teilnahmen. Beide Politiker freuten sich sichtlich über die Realisierung des umstrittenen Projektes „For Forest“, das Max Peintner nicht nur als Kunstprojekt verstanden wissen will, sondern als „politisches Mahnmal“.


„Touch wood“, Ausstellung in der Klagenfurter Stadtgalerie
6. September 2019 bis 5. Jänner 2020, www.stadtgalerie.net

Ausstellung im Museum Moderner Kunst Kärnten
19. September 2019 bis 5. Jänner 2020, www.mmkk.at

„Max Peintner: Kunst über Kunst als Modell der Natur . . . Bagger“
Ausstellung in der Galerie 3, Klagenfurt, Alter Platz 25
6. September bis 25. Oktober 2019, www.galerie3.com

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6 Postings bisher
matata

ich bitte alle interessierten diesen weniger begeisterten bericht zu lesen. zrugg zur natur, owa jo it zfuaß

https://www.ganzewoche.at/inhalte/artikel/?idartikel=11843/Kahle-Baeume-sollen-als-Mahnmal-dienen

Greenwatch e.V.

Ein großartiges Projekt, das zu Recht weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Welch verstörender Anblick. Ein faszinierendes Mahnmal!

Scheinbar absurd und doch so nah: Der Klimawald als Mega-Event...

Besser kann man die gravierendste aller globalen Gefahren wohl kaum visualisieren. Dieses geniale Werk zweier visionärer Künstler wirkt weit über Klagenfurt hinaus. Alle Achtung und Gratulation nach Austria !!!

    steuerzahler

    Ein interessantes Kunstwerk, aber nicht mehr. Da irgend etwas als Klimawandelmahnmal zu sehen, liegt fern. Aber natürlich muß heute jeder auf den Mainstream aufspringen. Wobei diese Installation sicher eine Menge Abgas erzeugt. Kunst ja, aber mehr nicht.

    sonnenstadtlienz

    Selbstverständlich wirkt dieses "Wunderwerk" weit über Klagenfurt hinaus - die ganze Welt lacht über Klagenfurt und greift sich auf den Kopf - über so viel Schwachsinn🙈🙈🙈

Domenik

Das Stadion wird für die Zeit der Ausstellung gemietet und bezahlt. Die Verträge waren schon weit vor den WAC Erfolgen unterzeichnet - ein Vertragsbruch hätte teure Pönalen zur Folge gehabt. Abgesehen davon ist dieses Projekt weltweit im den Medien und wird sehr positiv mit Kärnten in Verbindung gebracht. Ein solcher Werbewert ist unbezahlbar! Also, alles richtig gemacht in Kärnten! :-)

schnuffi

Über Kunst lässt sich´s streiten...... Sorry, aber für mich ist es absolut unverständlich warum man 300 Bäume in ein Fussballstadion bringt, um sie als Mahnmal für den Klimawandel auszustellen. Möchte gar nicht wissen was die ganze Aktion rundum kostet. Warum pflanzt man die Bäume nicht an geeigneter Stelle in einem Park ein und macht mit künstlerischen Bildern daneben auf den Umstand aufmerksam? Als hoffentlich "normal denkender" Mensch fehlt mir da einfach der Sinn......