Wie spricht man mit Kindern über Verlust und Tod?

Allerheiligen ist die Zeit des Gedenkens an Verstorbene. Kindliche Trauer hat viele Facetten.

Tut tot sein weh? Ist Mama im Himmel? Kommt Papa wieder? Trauer hat für Kinder viele Facetten und wirft viele Fragen auf. „Wenn es einen Trauerfall in der Familie gibt, fällt es vielen Eltern schwer, mit ihren Kindern darüber zu sprechen“, sagt Birgit Satke, Leiterin der Helpline Rat auf Draht. „Manche empfinden eine starke Unsicherheit, wie sie ihren Kindern in dieser Situation am besten helfen können.“ Gerade bei Kindern gibt es verschiedenste Situationen, die Trauergefühle auslösen. Neben dem Verlust eines geliebten Menschen kann es auch der Abschied vom Kindergarten, ein Umzug, die Trennung von einem Freund oder ein verlorenes Kuscheltier sein. „Je früher Kinder lernen, mit Gefühlen von Trauer und Schmerz umzugehen, desto besser kommen sie auch mit den kleinen und großen Abschieden im Leben zurecht“, sagt Satke.

Neben der eigenen Trauer müssen Kinder auch lernen, mit der Trauer ihrer Bezugspersonen umzugehen. Foto: Jordan Whitt/Unsplash

Kindliche Trauer sei oft sprunghaft und werde von Erwachsenen daher manchmal nicht richtig verstanden, so die Expertin: „Kinder können in einem Moment sehr traurig sein und im nächsten wieder ganz fröhlich. Manche Kinder sind aggressiver, wütender, reizbarer als sonst – andere spielen mehr, sind anhänglicher oder ziehen sich zurück. All das sind völlig normale Reaktionen bei der Verarbeitung von Trauer.“ Wichtig sei, den Fragen des Kindes zuzuhören und diese geduldig zu beantworten. „Kinder wollen dabei keine neuen Antworten hören, sondern sind mit den alten zufrieden“, sagt Satke.

Neben der eigenen Trauer müssen Kinder auch lernen, mit der Trauer ihrer Bezugspersonen umzugehen. Die Eltern weinen zu sehen, ist für viele Kinder ungewohnt und vielleicht erschreckend. Daher ist es in dieser Situation wichtig zu vermitteln, dass Trauern und Weinen ganz normal sind und dazugehören. Außerdem empfiehlt Satke: „Seien Sie ehrlich zu Ihrem Kind und erklären Sie ihm, was passiert ist. Vermitteln Sie Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit. Bewahren und fördern Sie die alltäglichen Rituale und signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es jederzeit kommen kann, wenn es etwas erzählen möchte.“

Wie häufig Kinder und Jugendliche vom Thema Trauer betroffen sind, zeigt die Statistik: In Österreich gibt es derzeit rund 2.600 Halbwaisen und Waisen im Alter von 0 bis 18 Jahren. Dazu kommen jene Kinder, die um andere nahe Angehörige oder Bezugspersonen trauern. Diesen betroffenen jungen Menschen muss professionell geholfen werden, um mögliche Beeinträchtigungen in ihrem weiteren Leben zu verhindern.

Rat auf Draht ist Österreichs wichtigste Notrufnummer für Kinder und Jugendliche. Sie ist unter 147 rund um die Uhr kostenlos aus ganz Österreich erreichbar und wird von SOS-Kinderdorf überwiegend aus Spenden finanziert.

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Nino Steinhauser

Mit Kindern über den Tod sprechen DAS PROBLEM „Stirbst du auch irgendwann?“ Wenn der oder die kleine 6-Jährige so etwas fragt, fühlt man sich als Mutter oder Vater schon mal leicht überfordert. Was sagt man da? Ist das Kind alt genug für die Antwort? Wie soll man bloß über das Thema Tod reden?

WAS MAN WISSEN SOLLTE So gut wie jedes Kind denkt über den Tod nach. Manchmal spielen Kinder sogar, dass jemand stirbt. Man sollte diesem Thema also nicht aus dem Weg gehen, und es ist sogar gut, wenn das Kind Fragen dazu stellt. Spricht man hin und wieder offen mit seinem Kind über den Tod, wird es besser damit zurechtkommen, wenn jemand stirbt, den es lieb hatte.

Man schadet dem Kind nicht, wenn man mit ihm über den Tod spricht. Vielmehr nimmt man ihm damit seine Ängste. Und man kann auch manches klarstellen. Zum Beispiel sagen manche Experten, dass Kinder unter 6 Jahren oft denken, der Tod könnte einfach rückgängig gemacht werden. Wenn sie spielen, sind sie in dem einen Moment „tot“ und im nächsten wieder quicklebendig.

Aber je älter das Kind wird, desto besser versteht es, wie schlimm der Tod ist. Mit diesem Bewusstsein kommen dann Fragen, Sorgen oder sogar Ängste, besonders wenn tatsächlich ein Todesfall eintritt. Deswegen ist es ganz wichtig, mit dem Kind zu reden. Die Psychologin Marion Haza stellt fest: „Wenn ein Kind das Gefühl hat, dass es zu Hause nicht offen über den Tod sprechen darf, wird es Ängste in Verbindung mit dem Tod entwickeln.“

Man braucht es sich nicht unnötig kompliziert zu machen. Gemäß einer Studie möchten Kinder, dass man ihnen „nett sagt, wie es wirklich ist“. Wenn ein Kind eine Frage stellt, ist es normalerweise auch bereit für die Antwort.

WAS MAN TUN KANN Über den Tod sprechen, wenn es passt. Sieht man zum Beispiel einen toten Vogel auf der Straße oder ist das Haustier gestorben, könnte man so einfache Fragen stellen wie: „Meinst du, ihm tut noch was weh? Ob ihm kalt ist oder es noch Hunger hat? Was denkst du, woher man weiß, dass ein Tier oder ein Mensch tot ist?“ (Prediger 3:1, 7)

Nicht die Wahrheit verschleiern. Wenn ein Bekannter oder jemand aus der Verwandtschaft gestorben ist, sollte man lieber nicht so etwas Verhüllendes sagen wie: „Er hat seine letzte Reise angetreten.“ Das Kind denkt dann vielleicht, dass derjenige bald zurückkommt. Besser, man erklärt es dem Kind ganz klar und einfach. Zum Beispiel könnte man sagen: „Als Oma gestorben ist, hat ihr Körper aufgehört zu funktionieren. Mit Oma können wir jetzt zwar nicht mehr reden, aber wir können uns immer an sie erinnern.“ (Epheser 4:25)

Beruhigen. Vielleicht denkt das Kind, dass es schuld ist, weil es irgendetwas Falsches gedacht oder gesagt hat. Statt einfach nur zu sagen: „Es ist nicht deine Schuld“, ist es gut zu fragen: „Warum denkst du denn, dass du schuld bist?“ Dann heißt es: gut zuhören und die Gefühle auf keinen Fall herunterspielen. Kleine Kinder denken außerdem manchmal, der Tod sei ansteckend. Deshalb sollte man ihnen sagen, dass sie deswegen keine Angst zu haben brauchen.

Dem Kind helfen, frei über den Tod zu sprechen. Ein Kind traut sich eher, über Verstorbene zu reden oder an sie zu denken, wenn man selbst offen über tote Freunde oder Verwandte redet, auch solche, die es nicht gekannt hat. Man könnte zum Beispiel von schönen oder auch lustigen Erlebnissen mit der Tante, dem Onkel oder den Großeltern erzählen. Allerdings sollte man sein Kind nicht auf Biegen und Brechen dazu bringen, über den Tod zu reden. Vielleicht ergibt sich später eine passendere Gelegenheit. (Sprüche 20:5)

WAS DAS KIND WISSEN SOLLTE Damit das Kind nicht so viel Angst hat, wenn jemand gestorben ist, sollte man ihm verstehen helfen, dass . . .

# es nicht auch gleich sterben wird.

# es nicht verlassen sein wird, wenn auch den Eltern mal etwas passieren sollte; Verwandte würden für sie oder ihn da sein.

# jemand, der gestorben ist, nicht mehr leidet.

# man sich an den Verstorbenen immer erinnern wird. Man könnte zum Beispiel sagen: „Wir können Oma jetzt zwar nicht mehr besuchen, aber wir werden sie niemals vergessen.“

Nichts zu sagen bewirkt nicht, dass das Kind weniger Angst hat, sondern eher, dass seine Fantasie mit ihm durchgeht.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Erwachet!, Februar 2015.