In Österreich hat der junge Anraser schon jetzt so ziemlich alles gewonnen, das es zu gewinnen gibt. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

In Österreich hat der junge Anraser schon jetzt so ziemlich alles gewonnen, das es zu gewinnen gibt. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Kevin Weiler: Ein junger Meister am Luftgewehr

Der 15-Jährige schießt sich regelmäßig in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Wenn jeder im engsten Familienkreis scharf schießt, was bleibt einem da noch übrig, als selbst zum Gewehr zu greifen? Kevin Weiler ist 15 Jahre jung und hat sich dem Sportschießen verschrieben. Diese, für Burschen in seinem Alter eher ungewöhnliche Sportart, betreibt der Anraser nicht nur gerne, sondern auch gut.

Wir haben den jungen Sportschützen an einem seiner Trainingsorte in Innervillgraten besucht. Kevin wirkt sehr lebhaft und quirlig. Er redet gerne und hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen. Seinen ersten Schuss mit einem Luftgewehr habe er vor etwa vier Jahren abgefeuert. Zuvor habe er es mit gängigen Sportarten wie Skifahren oder Tennis versucht, doch erst beim Schießen sei der Funke übergesprungen.

„Bei der Schützenkompanie in Anras gibt es einen eigenen Schießstand, da hat man mich früher auf einen Hocker gestellt, damit ich die Zielscheiben durch das Luftgewehr sehe. So entdeckte ich meine Leidenschaft“, erklärt Kevin schmunzelnd. Hinzu kommt, dass seine Eltern und sein Bruder allesamt Jäger sind. Mit ihnen ging Kevin schon in jungen Jahren gerne auf die Pirsch. Nach ersten Erfahrungen am Schießstand in Anras nahm er dann das Training bei der Schützengilde Hochpustertal auf.

Dort war Kevin jedoch der einzige Sportschütze in seiner Altersklasse und sehnte sich nach Konkurrenz im Training. Franz Mair, Trainer bei der Sportschützengilde Innervillgraten, hat ihn mit seinen Kollegen bei den Trainings in Sillian beobachtet. „Wir erkannten schnell, dass er ein Diamant ist“, erinnert sich Franz. Wenig später wechselte Kevin nach Innervillgraten, wo er fortan intensiv trainierte.

Kevin Weiler mit Franz Mair – einem seiner Trainer in Innervillgraten.

Das Sportschießen – der Name suggeriert viel Action – braucht der 15-Jährige, „um abzuschalten und mich zu entspannen“. Er mag es, wenn er sich derart konzentrieren muss. Doch wie läuft das Schießen in dieser Sportart eigentlich ab? „Wir feuern mit Pressluftgewehren mit 4,5-Millimeter-Kaliber und einer Kraft von maximal 7,5 Joule auf runde Scheiben, die zehn Meter entfernt sind“, erklärt Kevin. Das Ziel ist dabei selbstredend: Die Scheibenmitte.

Dass er diese sehr oft trifft, bestätigen Kevins bisherige Erfolge. Obwohl erst 15 Jahre jung, ist der Anraser bereits Osttiroler Bezirksmeister, Tiroler Landesmeister und Österreichischer Staatsmeister im Sportschießen. In der vergangenen Saison triumphierte er zudem in der Jugend-Bundesliga. „Dort ist er beim Finale so richtig aufgeblüht und hat sensationell gut geschossen“, lobt ihn Franz. „Das war bisher neben der Staatsmeisterschaft das tollste Erlebnis. Die ganze Halle hat getobt“, erzählt mir Kevin mit funkelnden Augen.

Die Bundesliga nahm er dabei im 4er-Team „Tirol 2“ in Angriff. Im Finale trafen die Jungspunde dann ausgerechnet auf ihre – vermeintlich besseren – Kollegen von „Tirol 1“ und siegten nach 40 Schuss als Underdog.

Durch dieses winzige Loch an seinem Luftgewehr muss Kevin die Zielscheibe anvisieren.

Angesprochen auf sein Erfolgsrezept meint Kevin: „Eine ruhige Hand, ein klarer Kopf und vor allem Konzentration. Aber auch die Ernährung ist wichtig.“ Inwiefern? „Es ist unerlässlich, zwei Stunden vor einem Bewerb nichts mehr zu essen.“

Natürlich spielt auch das Training eine entscheidende Rolle, immerhin dauert die Saison im Sportschießen von September bis April. Mindestens ein bis zwei Mal pro Woche wird daher trainiert – entweder in Innervillgraten, in Sillian oder daheim in Anras. „Vor den Wettkämpfen sind es oft auch sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche“, erklärt Kevin. In Innervillgraten stehen ihm dabei vier bis fünf Betreuer – darunter auch ein Nationalteam-Trainer – zur Seite.

Eine gute Ausrüstung ist ebenfalls unverzichtbar, um am Ende ganz oben zu stehen. Beim Schießen trägt der 15-Jährige einen recht steifen Anzug aus Kunstfaser und einer doppelten Leinenschicht, sowie Schuhe mit einer komplett flachen Sohle. Wichtigstes Asset ist natürlich sein Luftgewehr. Dieses muss bestimmte Kriterien erfüllen und wird daher beim Profi gekauft. Da nützt es leider nichts, dass Kevins Bruder Büchsenmacher ist, da dieser keine Luftgewehre baut.

Slideshow: Kevin zeigt seine Ausrüstung und den Ablauf am Schießstand

Für sein Hobby müssen der 15-Jährige und seine Eltern neben der vielen Zeit auch jede Menge Geld investieren: Kevins Gewehr hat einen Listenpreis von etwa 3.000 Euro, Bekleidung und Schuhe kosten zusammen rund 1.800 Euro. Da kommt es ihm natürlich gelegen, dass er unlängst durch die Initiative „Talente Scouts“ für seine hervorragenden Leistungen mit 1.000 Euro gefördert wurde.

Doch nicht nur mit dem Luftgewehr, sondern auch mit dem Kleinkalibergewehr ist Kevin erfolgreich. Letzteres wird bei der Schützengilde Hochpustertal trainiert. Mit der Kleinkaliber-Büchse krönte sich der Osttiroler zum Österreichischen Vize-Staatsmeister und zum Tiroler Meister.

Mittlerweile steht Kevin auch im Talentekader des Österreichischen Schützenbundes. Für den 15-Jährigen bedeutet das, dass er künftig mindestens einmal pro Monat in Innsbruck trainieren muss. „Da fährt dann meistens mein Vater mit mir hin“, erzählt Kevin. Seine einzige Passion ist das Schießen nicht. Der junge Anraser geht in seiner Freizeit fischen und beschäftigt sich gerne mit Holz. Nach seinem Abschluss an der Polytechnischen Schule in Sillian will Kevin eine Lehre als Zimmerer starten.

Zu seinen wichtigsten sportlichen Zielen zählt für die kommende Zeit die Teilnahme an internationalen Bewerben. Auch ein Platz im Nationalteam steht auf seiner Liste. Der 15-Jährige will künftig auch außerhalb Österreichs für Furore sorgen.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren