Die Originale des Lienzer Kunst-Adventkalenders sind in der Galerie der Kunstwerkstatt in der Mühlgasse zu sehen – ein Muss für alle, die am 3. Jänner mitbieten wollen. Foto: Lukas Jungmann

Die Originale des Lienzer Kunst-Adventkalenders sind in der Galerie der Kunstwerkstatt in der Mühlgasse zu sehen – ein Muss für alle, die am 3. Jänner mitbieten wollen. Foto: Lukas Jungmann

Adventkalender: Über die Kunst, sich selbst zu finden

Daniel Leiter und Sylvia Manfreda sind ein ungleiches Paar und wählten das selbe Motiv.

Obwohl der Weihnachtsabend noch nicht da ist und deshalb die letzten Fenster des Lienzer Rathauses noch verschlossen bleiben, haben Kunstinteressierte seit einigen Tagen die Gelegenheit, sich die Originale der gezeigten Kalenderbilder und -skulpturen des Lienzer Kunst-Adventkalenders in der Galerie der Kunstwerkstatt anzusehen. Die Ausstellung ist sehenswert und ein Muss für alle, die am 3. Jänner mitbieten wollen. Keine Reproduktion – schon gar nicht in luftiger Höhe über dem Hauptplatz und zum Teil spiegelverkehrt – kann den Zauber des echten Bildes einfangen, jenen unbestechlichen Moment, in dem man vor einem Werk steht und eigentlich nur eine Entscheidung für sich treffen muss: gefällt mir oder gefällt mir nicht.

Im Untergeschoss der Galerie, einem schönen, schlichten Raum, hängen an der Stirnseite prominent und einnehmend die beiden Bilder der Kalenderfenster 21 und 22. Sie sind exakt gleich groß, „ohne Titel“ und zeigen jeweils eine Frau, die Maria sein könnte. Vergleichbar sind die Werke von Sylvia Manfreda und Daniel Leiter dennoch kaum.

Daniel Leiter, Ohne Titel, 2019, 100 x 70 cm, Öl auf Leinwand. Rufpreis: 800 Euro

Daniel Leiter, Kunststudent, jung, selbstbewusst und talentiert, zeigt was er kann. Ganz anders Silvia Manfreda. Ohne Scheu öffnet sie ihr Herz und trifft damit auch unseres. Nicht Virtuosität ist Sinn ihrer Kunst, sondern Wahrheit.

Frauenportraits nehmen in Manfredas Schaffen einen breiten Raum ein und ziehen sich wie ein Leitmotiv durch ihr gesamtes Werk. Wer mehr über die etablierte Malerin aus dem Kreis der Lienzer Kunstwerkstatt wissen möchte, findet im Dolomitenstadt-Magazin ein sehr schönes Porträt von Rudolf Ingruber.

Sylvia Manfreda, Ohne Titel, 2019, 100 x 70 cm, Pastell auf Papier. Rufpreis: 450 Euro.

Für alle, die unsere kleine Serie zur diesjährigen Kalenderkunst nicht regelmäßig verfolgen: Heuer gehören je zwei Bilder auf mehr oder weniger subtile Art zusammen. Zwölf Kunstschaffende aus der Kunstwerkstatt und zwölf freischaffende Künstlerinnen und Künstler fanden sich zu kreativen Paaren zusammen, die sich auf verschiedenste Art inspirierten und teilweise sogar gemeinsam an Bildern und Skulpturen arbeiteten.

Daniel Leiter und Sylvia Manfreda sind das vorletzte und ein sehr ungleiches Paar. Das ist äußerst reizvoll. Der junge Mann suchte sich die etablierte Künstlerin selbst aus und traf damit eine mutige Wahl, die man als Risiko und Chance sehen kann. Die Chance liegt nicht im Vergleich der Arbeiten, sondern im Erkennen dessen, was Kunst jenseits handwerklicher Virtuosität leistet, wenn es ihr gelingt, unser Innerstes zu erreichen und zu berühren. In diesem Sinn ist Silvia Manfreda wie ein Stern, der jungen, talentierten Künstlern einen guten Weg weisen kann. Vielleicht nicht zum wirtschaftlichen Erfolg, dafür aber zu sich selbst.


Alle 24 Kalenderbilder des Kunst-Adventkalenders 2019 werden in einer vom Round Table Lienz organisierten Auktion am 3. Jänner im Lienzer Rathaus für einen guten Zweck versteigert.

Mehr über Sylvia Manfreda im Dolomitenstadt-Magazin
Sylvia Manfreda im Dolomitenstadt-Artshop.

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