Kalenderkunst im Advent: Licht ins Dunkel?

Mit den Werken von Christian Wurnitsch und Lois Salcher sind nun alle Fenster geöffnet.

„Nirgends war in dem unermesslich weiten Raum ein Ausgang zu entdecken, ebenso wenig eine Fackel oder eine andere künstliche Lichtquelle, dennoch aber ergoss sich eine Flut greller Strahlen durch das Gewölbe und tauchte es in eine gespenstische, rätselhafte Beleuchtung.“ So beschrieb Edgar Allen Poe ein Bild des „an einer Überempfindlichkeit all seiner Sinne“ leidenden Roderich Usher, des Einzigen, dem es je gelungen war, „eine Idee zu malen.“ Kein Repräsentant des Realismus also, den wir insgeheim so schätzen, weil er sich unzweideutig deklariert und es sich „in dem engbegrenzten Kreis, den das geschriebene Wort umgreift“ höchst komfortabel eingerichtet hat.

Gestern, 24. Dezember, öffnete sich das letzte Fenster des Kunstadventskalenders an der Liebburg, der unter dem Motto „Zwei Künstler zwei Werke“ Schaffende in und außerhalb der Kunstwerkstatt Lienz paarweise miteinander konfrontierte. Die Strategien waren durchaus unterschiedlich: Man arbeitete zum gleichen Thema, interpretierte dasselbe Vorbild oder intervenierte direkt in das Werk des Partners. Die Finalisten, Christian Wurnitsch und Lois Salcher, zwei Farbfeldmaler reinsten Wassers, aber brauchten nur ihren Fundus greifen, um die Korrespondenz der eigenen Arbeit mit der des anderen ans Licht zu bringen.

Christian Wurnitsch, Ohne Titel, 2008, 100 x 120 cm, Aquarell auf Mollino, Rufpreis: 500 Euro

Colourfield Painting hat keine Gegenstände der sichtbaren Welt zum Vorbild und keine Themen, die auch mit Worten zu beschreiben sind. Farben sind nicht nur imstande, unsere Sinne zu reizen, sie wecken tiefe innere Empfindungen. Der Farbfeldmaler kann sich aber nie ganz sicher sein, dass andere seine Empfindungen auch teilen. Wenn die Hoffnung grün, der Montag blau, die Seele schwarz ist, dann sind das Konventionen – verlässlich zwar, doch willkürlich und mit Empfindungen nur sehr weitschichtig verwandt.

Christian Wurnitsch baut seine Harmonien auf kleinen, mit Bedacht gesetzten Farbfeldern auf. Der transparente Fluss der Wasserfarben unterstützt die Leichtigkeit des Komponierens, Figuren bringen Balance und Ordnung in das Farbgefüge. Da Farbe für Wurnitsch keine Eigenschaft von Figuren oder Dingen, sondern eine Eigenschaft des Lichts ist, kommen viele seiner Bilder auch ganz ohne Dinge aus.

Lois Salcher, Chromgelb hell, 62 x 93 cm, 2015, Eitempera auf Aquarellpapier. Rufpreis: 750 Euro

Nicht die Körperfarbe, sondern der Farbkörper, in Gestalt reinster Pigmente, ist auch für Lois Salchers Arbeit wesentlich. Die eindrucksvolle Wirkung seiner Gemälde erzielt er durch ein komplexes Übereinanderschichten dünner Farbaufträge, die seine tiefe Einsicht in die Eigenart des Materials erfahrbar werden lässt. Die Farbe als Idee wird wieder zur Materie und so zum Träger einer Botschaft, vielschichtig empfindsam und geheimnisvoll.


Am 3. Jänner werden die 24 Kunstwerke des Lienzer Kunst-Adventkalenders im Rathaus bei einer vom Round Table organisierten Auktion versteigert. Zu sehen sind die Originale an Werktagen in der Galerie der Kunstwerkstatt in der Mühlgasse.

Mehr über Lois Salcher im Dolomitenstadt Magazin.
Lois Salcher im Artshop von Dolomitenstadt

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