Kritisches Buch kostet Susanne Wiesinger den Job

Ombudsfrau veröffentlicht „Machtkampf im Ministerium“ und wird vom Minister entlassen.

Die Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte, Susanne Wiesinger, ist bis zum Auslaufen ihres Vertrages im Februar vom Bildungsministerium freigestellt. Aller Voraussicht nach wird sie in die Bildungsdirektion Wien wechseln. Wiesinger hatte mit der Ankündigung ihres Buchs „Machtkampf im Ministerium“ für Verärgerung gesorgt. Wiesinger selbst wusste noch nichts von ihrer Freistellung.

„Machtkampf im Ministerium. Wie Parteipolitik unsere Schulen zerstört“ wird am Montag präsentiert. Darin berichtet sie über angebliche „politische Vereinnahmung des Lehrkörpers“. Das Ministerium zeigte sich darüber verärgert und erklärte: „Gemeinsam mit der Bildungsdirektion Wien, die ihre zuständige Dienstbehörde ist, wird in den nächsten Tagen darüber beraten, welche Funktion Frau Wiesinger künftig ausüben kann und wird“.

Lehrerin, Buchautorin und Ombudsfrau – Susanne Wiesinger eckt an und muss deshalb gehen. Foto: APA

Die Opposition nutzte die Freistellung Wiesingers dazu, das ÖVP-geführte Bildungsministerium zu kritisieren. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sieht in der Reaktion auf das Buch eine „direkte Auswirkung der Message Control des Systems Kurz“. Auch FPÖ und NEOS kritisierten Minister Heinz Faßmann (ÖVP).

„In den Schulen, besonders in jenen, wo die Herausforderungen groß sind, ist viel zu tun. Da kann der richtige Weg nur sein, dass man die Probleme der Lehrerinnen und Lehrer ernst nimmt“, meinte Hammerschmid. Parteipolitische Message Control sei hier völlig fehl am Platz. Parteipolitik und Ideologie müssten daher „raus aus der Schule“, so die SPÖ-Politikerin.

Für FPÖ-Obmann Norbert Hofer und Klubchef Herbert Kickl ist die Freistellung der Ombudsfrau „offenbar der Versuch, kritische Stimmen mundtot zu machen“. Kritische Stimmen, die die Wahrheit sagten, seien wichtig. „ÖVP-Minister Faßmann bestraft Susanne Wiesinger anscheinend dafür, dass sie ihre Meinung niedergeschrieben hat“, glauben die Freiheitlichen.

„Wir dürfen uns von den türkisen Message-Kontrolloren keinen Sand in die Augen streuen lassen“, meinte NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre zur Aufregung um das neue Buch von Wiesinger. Statt sich künstlich über „Anpatzversuche einer Wutlehrerin“ zu echauffieren, „sollten wir Frau Wiesinger für ihren Mut dankbar sein und lieber dringend über die Inhalte des Buches sprechen“.

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11 Postings bisher
Sonnenstrahl

Dass an unserem Schulsystem das ein und andere "reparier- und ausbaufähig" ist, das ist kein Geheimnis. Und ich spreche da als Insider. Vorgaben die jeder Vernunft widersprechen, Dokumentationen, welche fernab jeder sinngebenden Wirklichkeit sind, Testungen ohne Bezug zu den dahinter stehenden Wirklichkeiten der Kinder ... eine Realität, die uns vor Ort zu schaffen macht - vor allem, wenn man/frau diesen Beruf gewählt hat, um ganz nah an den Kindern zu sein, sie zu unterstützen in ihren Lernprozessen. Ich bin nicht parteigebunden, doch erlebe ich seit Jahren, wie politische Führungen so oder anders die Bildungspolitik steuern und alle an der Basis "gängeln" wollen - ganz nach dem Geschmack der jeweiligen politischen Färbung. Durchatmen heißt es da, abwarten ... vor allem aber in der eigenen Verantwortung bleiben gegenüber dem Bildungsauftrag. Und diese Verantwortung kann keine Politik steuern. Bildungsminister Faßmann hat mich schon auch aufhorchen lassen mit Ideen zu einer zeitgemäßen Bildungspolitik. Vieles davon kann ich unterstützen und gutheißen, wie beispielsweise seine Bemühungen um einen Ethikunterricht... und aus heutiger Sicht auch um das Bestreben, eine (sozialdemokratische) Ombudsfrau in sein Ministerium aufzunehmen, der er augenscheinlich viel zugetraut hat. (Welches Ministerium egal welcher Färbung hätte wohl den Mut, eine Person einer anderen Partei in das eigene Team hereinzunehmen um qualitativ notwendige Veränderungen anzugehen???). Ob eine Aktion wie die der Frau Wiesinger zielführend ist, stelle ich auch sehr in Frage. Sie hat jedenfalls den erhobenen Zeigefinger und die Kritiksucht aller anderen Parteien, die es ja viel besser wüssten 😉 (hätten sie erst das Sagen) - auf den Plan gerufen!

nikolaus

War sowieso mutig vom Herrn Minister eine SPÖ-Gewerkschafterin für diesen Job zu buchen! Nach solchen Aktionen ist es durchaus nachvollziehbar, warum in der Politik bei einem Regierungswechsel Ministerien "umgefärbt" werden. Hätte ich eine Führungsposition, würde ich wohl auch lieber die "eigenen" Leute hinter mir wissen, lieber jedenfalls als erklärte politische Gegenspieler.

Michael Wolf

Frau Wiesinger bringt ein Buch heraus, in dem das Bildungsministerium heftig kritisiert und Lehrer offensichtlich politisch vereinnahmt werden. Abgesehen davon, ob sie recht hat oder nicht, die Vorgehensweise ist nicht in Ordnung. Wer und welche Organisation, Firma, Verein ... würde es ohne weiteres hinnehmen, wenn ein Mitarbeiter / Mitarbeiterin oder Mitglied aus heiterem Himmel heraus über ein Buch (das gutes Geld bringen soll) oder über die Presse Negatives über innere Abläufe berichtet. Das ist höchst unprofessionell! Und die Blauen sollen nicht so tun, als ob sie einen Kritiker aus ihren Reihen, der so medienwirksam überraschend an die Öffentlichkeit geht, nicht ebenfalls hochkantig hinauswerfen würden.

    Denksport

    Und wenn sie die Missstände "verniedlicht" hätte, wäre sie befördert worden.

Biker

Schön langsam kommt die Grundierung unter der türkisen Farbe zum Vorschein! Hat wohl doch nicht alles unter Kontrolle - unser türkiser Wunderwuzzi! :-)

wolfgangwien

Für mich ist diese Frau Wiesinger eine recht eigenartige Person. Aber leider hat sie jetzt gar NICHTS erreicht!!!

    Biker

    Immerhin die Gratiswerbung für ihr Buch ist schon gewaltig. Aus Marketingtechnischer Sicht der perfekte Zeitpunkt.

bergfex

....Minister Heinz Faßmann, der die streitbare Lehrerin engagiert hatte, um Missstände im Schulsystem zu dokumentieren, hat sie gefeuert....

....Sie sollte vorgefertigte Antworten bei Interviews geben.....

Fassmann hat sie engagiert um sie unter seiner Kontrolle zu haben, was ihm aber anscheinend nicht gelang. Nun ist aber etwas an das Tageslicht gekommen das dem Herrn Minister gegen den Strich ging.

julchen

Als Frau Wiesinger (zurecht) gegen die politische Islamisierung und kulturelle Unterwanderung in den Schulen aufgetreten ist, wurde sie in den Himmel gehoben. Jetzt prangert sie (ebenfalls zurecht) weitere Missstände an und soll mundtot gemacht werden. Man kann ihr Vertrauensbruch vorwerfen, aber seien wir uns ehrlich: Hätte sie ihr Buch früher mit dem Ministerium besprochen, wäre es NIEMALS veröffentlicht worden. Ich gratuliere Frau Wiesinger zu so viel Mut, sich jetzt dieser Diskussion um ihre Person und ihr Handeln freiwillig auszusetzen. Eines scheint mir offensichtlich: Diese Frau will etwas zur Verbesserung in unserem Schulsystem und -betrieb beitragen!!! Ob der - von ihr gewählte - Weg der richtige ist und ihr ein Veränderung der Zustände in die richtige Richtung gelingen wird, wage ich zu bezweifeln - ich würde es uns ALLEN aber wirklich SEHR wünschen!

    nikolaus

    Ich glaub' sie will absahnen - so viel gratis Publicity muss man erst einmal erreichen. Ob es den menschlichen Preis, den sie dafür zahlt, wert ist ...???

      wolfgangwien

      Nikolaus das glaube ich nicht. Das Buch wird sicher kein Bestseller. Die will nur einen Wirbel machen, sonst nichts.