Gurgiser: „Platter sollte den Euregio-Vorsitz zurücklegen“

Tiroler Transitforum-Obmann schießt eine Breitseite gegen die Südtiroler Frächterlobby ab.

Fritz Gurgiser fordert Tirols LH Günther Platter (ÖVP) auf, den derzeitigen Tiroler Vorsitz in der Euregio, also der Europaregion Tirol, zurückzulegen. Der Grund: Die Südtiroler und Trentiner Wirtschaft verlangt in einem Schreiben Ausnahmen von den Tiroler Lkw-Fahrverboten für ihre Regionen. Setze Platter diesen Schritt nicht, sei er „mitgehangen, mitgefangen“, so Gurgiser.

In dem Schreiben, das Gurgiser auf die Palme brachte, wirft der Präsident der Südtiroler Handelskammer Michl Ebner laut einem Bericht der „Tiroler Tageszeitung“ Tirol zudem Wettbewerbsverzerrung vor. Denn von den Fahrverboten profitiere vor allem die Transportwirtschaft in Tirol, während Südtirol und das Trentino Aufträge verlieren würden. Außerdem werden weitere Verkehrseinschränkungen und Verbote von Kufstein bis Ala abgelehnt.

„Die Betriebe und Beschäftigten nehmen in Nordtirol deutlich zu und in den beiden anderen Ländern ab. Mit anderen Worten, es gab und gibt eine Verlagerung der Aufträge von Südtirol und dem Trentino nach Nordtirol“, hieß es in dem Schreiben an die Tiroler Landesregierung. Ebner forderte – wie für die Tiroler Frächter – Ausnahmen vom Sektoralen Fahrverbot für bestimmte Massengüter auf dem gesamten Gebiet der Europaregion Tirol.

Setze Platter kein Zeichen, werde auch er in den „Sog der brutalen und rücksichtslosen Transitverfechter“ gezogen, spielte Gurgiser indes den Ball an den Tiroler Landeshauptmann weiter. Und der Obmann des Transitforums Austria-Tirol ging gleichzeitig mit den südlichen Nachbarn hart ins Gericht: Wie seit Jahrzehnten „geübte südliche Praxis“ gebe es vom Süden des Brenners „keine Rücksicht und Verantwortung für die Bevölkerung und Regionalwirtschaft an der Gesamtstrecke Rosenheim-Verona im Anwendungsbereich der Alpenkonvention“.

„Andreas Hofer wurde nicht umsonst im Süden und nicht im Norden Tirols verraten“, wettert Fritz Gurgiser gegen die Südtiroler Frächterlobby. Foto: APA

„Im Gegenteil, alles, was seit Jahren vom Brenner abwärts kommt – Aufrufe zur Missachtung der StVO, des IG-Luft, der Durchführungsprotokolle der Alpenkonvention, der EU-Grundrechtscharta – sind Aufrufe zum Gesetzesbruch auf nationaler und internationaler Ebene“, polterte Gurgiser.

Und er scheute vor einem historischen Vergleich nicht zurück: „Andreas Hofer wurde nicht umsonst im Süden und nicht im Norden Tirols verraten. Anscheinend hat sich nichts geändert – nur die Namen und die Waffen sind heute der Auspuff und das Dröhnen der Laster“.

Tirols LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) erteilte Ebner in der „TT“ indes eine Absage. Sie verwies unter anderem darauf, dass bei Ausdehnung der Ziel- und Quellverkehrsregelung auf die gesamte Euregio dort das Sektorale Lkw-Fahrverbot ebenfalls eingeführt werden müsse. Und vorliegende Zahlen würden die von Ebner behauptete Wettbewerbsverzerrung widerlegen.

Tirol und das offizielle Südtirol in Person von Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) wollen seit langem beständig Einigkeit in Sachen Bekämpfung des überbordenden Transitverkehrs über den Brenner demonstrieren. Am Freitag kommt es in Innsbruck übrigens zu einem Treffen von Landeshauptmann Platter mit Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und EU-Verkehrskommissarin Adina Vălean. Neben dem Bau des Brennerbasistunnels im Hauptfokus: Die Transitproblematik.

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3 Postings bisher
Weltreise

Bevor man gegen den LKW Verkehr vorgeht, muss zuerst der Brennerbasistunel fertig, sein das ist er noch nicht. Ausserdem muss vorher auch die Zulauf strecken fertig sein, vorher braucht man nicht, den Transitverkehr verteufeln.Die LKW braucht es, wie sollen sonst unsere Produkte in alle Welt geliefert, werden können. Wir können auch nicht überall Eisenbahnstrecken, machen das würde Zuviel kosten , würden die LKW wegfallen, haben wir auch sehr viele Arbeitsplätze weniger, und dadurch mehr Arbeitslose Menschen, das sollten wir bedenken.

    steuerzahler

    Das ist alles Unsinn. Der LKW-Verkehr nimmt hauptsächlich wegen der uferlosen Profitgier zu. Solange es billiger ist, werden hemmungslos Waren kreuz und quer herumgekarrt. Daß die Bahn leider sehr weit zurück liegt, wurde von der Politik verschuldet. Und man kann noch wesentlich mehr und bessere Bahnstrecken bauen. Wer's nicht glaubt, soll sich das in der Schweiz anschauen. Für die arbeitslosen LKW-Lenker gibt es genug Jobs bei der Bahn. Das Argument Arbeitslose zieht überhaupt nicht. Verbrauchsgüter sollten dort produziert werden, wo sie verbraucht werden und nicht irgendwo anders. Kostet vielleicht mehr, aber dafür müssen wir auch nicht so viele Strassenreparaturen zahlen. Auch das sind hauptsächlich LKW-Kosten, die wir alle zahlen.

Biker

Ziel und Quellverkehr innerhalb der Europaregion sollten ausgenommen werden und alles was darüber hinausgeht ist schlicht und einfach Transitverkehr.