Transit: Adina Valean sieht Korridormaut als Lösung

EU-Kommissarin traf LH Günther Platter und Ministerin Leonore Gewessler in Innsbruck.

Ohne konkrete Ergebnisse, aber mit Absichtserklärungen, ist am Freitag in Innsbruck das Transit-Treffen zwischen EU-Verkehrskommissarin Adina Valean, Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) und LH Günther Platter (ÖVP) über die Bühne gegangen. Die von Tirol seit Jahren vehement geforderte Korridormaut zwischen München und Verona bezeichnete Valean als „gangbare Lösung für die nahe Zukunft“.

Um zu einer solchen Lösung zu kommen, müssten sich aber „alle Parteien an einen Tisch setzen“, meinte die Neo-Kommissarin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus – ohne konkreter zu werden. Sie verstehe sich ohnehin als „Moderatorin“, die es nicht als ihre Aufgabe sehe, selber Lösungen vorzuschlagen: „Das liegt nicht an mir“. Die verschiedenen Parteien müssten sich hingegen „zusammensetzen“ und Maßnahmen erarbeiten, so die Rumänin, die sich gegen unilaterale und für multilaterale Lösungen aussprach.

Einen wesentlichen Baustein für die Lösung der Transitproblematik über den Brenner sah die Verkehrskommissarin im Brennerbasistunnel (BBT), der zeitgerecht im Jahr 2028 fertiggestellt sein soll. Dieser werde eine entsprechende Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene bringen. Im Bereich der Zulaufstrecken für den Tunnel werde mehr Geld investiert werden müssen, erklärte Valean.

Günther Platter, Leonore Gewessler und Adina Valean beim Pressegespräch nach dem Transitgipfel in Innsbruck. Foto: APA

Gewessler dankte indes Valean, dass sich diese auf den Weg nach Tirol gemacht habe, um sich das Transitproblem vor Ort zu vergegenwärtigen. Man habe ein „manifestes Problem“, es brauche Entlastungen für die Bevölkerung. „Es eint uns ein Ringen um Lösungen. Danke für die Unterstützung und das Verständnis“, meinte die Verkehrsministerin – wie Valean relativ frisch im Amt. Am Ende wolle man ein „gutes und gangbares System“ haben. Konkreter wurde auch Gewessler nicht – aber auch sie sprach davon, dass man an der Korridormaut „weiterarbeiten“ wolle und zudem eine Weiterentwicklung der Wegekostenrichtlinie auf EU-Ebene anstehe. Österreich habe jedenfalls seinen Teil beigetragen, so die Ministerin, und verwies etwa auf die deutlichen Kapazitätssteigerungen auf der Rollenden Landstraße (RoLa) durch die ÖBB. Sie werde aber in Sachen Transit das Gespräch mit den Kollegen aus Deutschland und Italien suchen, kündigte Gewessler an.

Platter nutzte die Gelegenheit, um einmal mehr den bekannten Tiroler Forderungskatalog zu präsentieren. So brauche es etwa dringend die Korridormaut. Dafür müsse der Alpenraum als „sensibler Raum“ definiert werden – um die Lkw-Maut stufenweise auf das Niveau von Tirol bzw. Österreich anzuheben. Zudem erwarte er von der EU-Kommission, sich endlich der Problematik des Umwegtransits zu widmen. Die Route über den Brenner sei im Vergleich zu jener über die Schweiz zu billig – diese Ungleichheit müsse beendet werden. „Wir fordern eine faire Verteilung und Lenkungsmaßnahmen. Da ist meine Bitte und auch jene von Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer“, sagte Platter, der die Einigkeit mit Scheuer in den verschiedensten Transit-Fragen mehrmals hervorstrich.

Er sei bemüht, Lösungen mit dem deutschen Verkehrsminister zu finden, so Platter, der mit dem CSU-Politiker zuletzt nicht immer gerade grün war. So habe ihm Scheuer auch die Umsetzung des beim Transit-Gipfel in Berlin im vergangenen Jahr verabschiedeten „Zehn-Punkte-Plans“ garantiert – eine weitere Tiroler Forderung. Einmal mehr mahnte Platter zudem die Realisierung der Zulaufstrecken für den Brennerbasistunnel in Nord- und Süd ein. Es sei „fatal“, dass man immer noch darum „bitten und betteln“ müsse.

An den Tiroler Fahrverboten wie dem „Sektoralen“ will Platter trotz heftigen Widerstands, vor allem aus Italien, festhalten. Dass es hier Druck aus Italien und Deutschland gebe, „kann nicht sein“. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, so der Landeshauptmann. Die EU-Kommission habe „Verständnis, aber keine Freude“ mit den Tiroler „Notmaßnahmen“.

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3 Postings bisher
wolfgangwien

Wird eigentlich auch schon darüber gesprochen wie der LKW -Verkehr nach Fertigstellung des Tunnels auf die Schiene verlagert wird? Freiwillig? Zwangsmaßnahmen? Und wie das technisch abläuft?

wolf_c

Die Maut geht nach Wien; aus Wien baut die ASFINAG die Autobahn über den Brenner neu; noch mehr SchwerLaster machen noch mehr Maut, die Maut geht ... und die Wähler wählen ... (anders wie in der Schweiz) ... und der Dreck bleibt ...

steuerzahler

Die Korridormaut darf sich nicht auf den Brenner beschränken, denn sonst werden wir auf den Nebenstrecken wie Felbertauern vom Transit überrollt. Der Druck von seiten Italien und Deutschland muß mit Gegendruck kompensiert werden. Wir müssen ganz deutlich klar machen, daß wir den Transit auf den Straßen reduzieren werden, ob das die EU freut oder nicht. Der Transit muß jährlich reduziert werden, das sollte mit aller Klarheit kommuniziert und auch durchgeführt werden. Darauf können sich dann alle einstellen. Und die Zulaufstrecken für die Bahn sind nur eine unzureichende Lösung, besser wäre es, den BBT bis Bayern weiterzuführen und zwar unterirdisch.