Hunderte Zuschauer warteten im Matreier Ortskern auf den Faschingsumzug. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Hunderte Zuschauer warteten im Matreier Ortskern auf den Faschingsumzug. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Im Marktle marschierten die Narren auf!

Und mit ihnen Promis wie „H.Zeh“, Greta und ein schwarzhaariger König auf der Psychocouch!

Der Matreier Faschingsumzug gilt als größter im Bezirk und zog wie gewohnt wieder unzählige Zuseher im Marktle an. Das junge Team um Musikkapellen-Obmann Renè Wibmer hatte in diesem Jahr in der Vorbereitungszeit mit einigen Problemen auf Gemeindeebene zu kämpfen, die aber alle gelöst wurden. Und so stand dem mit Spannung erwarteten Umzug – auf den sich einzelne Gruppen über Monate vorbereiteten – nichts mehr im Weg.

Eröffnet wurde der Reigen von der veranstaltenden Musikkapelle, die sich gleich einem vieldiskutierten gemeindepolitischen Thema annahm. Unter dem Motto „Jeder Notarzt auf der Flucht, weil man bei uns das Weite sucht“ wurde die aktuell wenig zufriedenstellende ärztliche Versorgungslage in der Tauerngemeinde thematisiert. Passend dazu waren die Musikanten als Mediziner oder Pflegepersonal verkleidet. Um an bessere Zeiten zu erinnern, brachte die Kapelle als Gastdirigent den beliebten – nun leider pensionierten – Allgemeinmediziner Dr. Josef Moser mit.

Die „Mediziner“ der Musikkapelle Matrei.

Der Jubel bei den Zuschauern war groß, ist doch alles was mit dem Thema Versorgung zusammenhängt in Matrei ein sehr heißes Eisen. So waren auch die aus den Reihen der Musikkapelle stammenden Ordner – passend zum Thema – als „Nou-Arzt“ mit Flugretterausrüstung kostümiert.

Eines der Monsterchen aus dem Matreier Kindergarten.

Auf die Musikkapelle folgten viele kleine Monsterchen der unterschiedlichsten Art aus dem Matreier Kindergarten. Die berittene Polizei des Ex-Innenministers Herbert Kickl war ebenso Thema, wie der in Matrei neuerdings ausgebrochene Fitnesswahn. Als Lösungsvorschlag für das Touristen-Almbauern-Problem wurde ein Weidezaun für Wanderer vorgestellt.

Der Kalser „Glockner-Express“ wurde von einem deutschen Fernsehteam begleitet.

Für großes Gelächter sorgte dann eine Gruppe, die an das Schneechaos im vergangenen November erinnerte und an die damit einhergehende Berichterstattung sowohl über Matrei als auch das – seither – per Zug erreichbare Kals. Es gab sogar ein kleines Konzert der Kalser Stubenfliegen.

Die berittene Polizei des Ex-Innenministers Herbert Kickl trabte über den Rauterplatz.

Greta Thunbergs Klimakampf war mehrmals Thema, einmal mit einer eigens dafür entwickelten Zeitmaschine. Zu retten ist wohl nicht mehr viel, die Jungbauern versuchten es da lieber mit Dosenbier als Klimarettung. Was viele Osttiroler wohl bis heute nicht wussten: Die Zunigalm wird im Gault Millau erwähnt und angepriesen! Da kocht wohl wer so gut wie die Chefs im Saluti und beim Rauter. Die Bergrettung rückte mit einem Gipfel auf dem Rauterplatz an und thematisierte damit die sich häufenden Einsätze für Bergsteiger, die am Ende nicht bezahlen wollen. Ein eigens engagierter Anwalt wurde auch gleich mitgebracht. Zwischendrin tauchten immer wieder die Alltags-Heldinnen des Frauenchors Matrei auf, die die beliebte Faschingszeitung verkauften, von der jeder hofft, nicht darin aufzutauchen, aber alle Sprüche und Possen mit großer Begeisterung liest.

Eine ganz besondere Einlage kam von Siegmund „Freid“, der einen König mit pechschwarzem Haar auf seiner Couch therapierte und diesen zu allerlei größenwahnsinnig anmutenden Anwandlungen befragte. Der Psychiater konnte schließlich das Ausmaß der Verwirrung gar nicht mehr fassen und verordnete seinem Patienten eine längere Schweigeklausur samt dem Rat, während der Faschingszeit möglichst in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Lustig war das ganze deshalb, weil dem ortskundigen Zuhörer schnell klar war, wer der König auf der Couch sein sollte. Sogleich wurde im Publikum darüber diskutiert, dass der Matreier Bürgermeister schon längere Zeit nicht mehr gesichtet wurde.

Ein Mann mit Krone und pechschwarzem Haar wurde auf der Couch von Siegmund „Freid“ behandelt.

Schlümpfe gab es mehrfach, sogar Schlumpfhausen wurde auf den Rauterplatz gebracht. Die „Bio-Schwein“ Produktion am Eingang zum Gschlösstal war Thema, genauso wie die Ibiza-Affäre, die den Faschingsnarren zufolge nur deshalb aufflog, weil ein gewisser Herr Strache aufgrund der optisch nicht sehr ansprechenden russischen Pediküre misstrauisch wurde. Geholfen wurde direkt vor Ort im Kosmetiksalon H. Zeh.

Ein gewisser Herr Strache machte es sich im Kosmetiksalon H. Zeh gemütlich.

Die friedliche Koexistenz von Wolf und Schaf zweifelte eine weitere Gruppe an, bevor dann die Aineter Musikkapelle als vorletzte auf den Platz marschierte. Als letzte von 24 Gruppen waren die Zedlacher gereiht, eine jener Fraktionen, auf die immer mit großer Spannung gewartet wird, weiß man doch aus den Vorjahren, dass immer mit etwas Großartigem zu rechnen ist. Das Publikum wurde nicht enttäuscht. Thema waren klassische, alte Gesellschaftsspiele, anstelle von Handy, Tablet und Videokonsolen.

Es gab menschliches Domino, Riesenmikado, einen Fuchs und mehrere Hennen, Kartenspiele, ein Riesen-Mensch-ärgere-dich-nicht und wunderbar tanzende Schachfiguren. Allein die Größe dieser Gruppe ist fantastisch! Fast hat man den Eindruck, die ganze Fraktion kann mobilisiert und begeistert werden, bei jedem Faschingsumzug wieder mit einem noch besseren Thema und noch wunderbareren Kostümen zu begeistern. Einfach eine Augenweide!

Möglich war auch dieser Umzug, weil wieder alle mitgeholfen haben, Vereine, Angehörige der Musikanten, die Feuerwehr, Absperrer, Sicherheitspersonal, Krapfenverkäufer, Eintritt-Kassierer, Sprecher, und viele mehr… Zomme! Zomme! Nur so geht’s in Matrei und das hat schon Tradition.

Slideshow: Roman Wagner

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wiederdahoame

Vielen Dank allen Beteiligten, die wirklich viel Zeit, Arbeit und Geld in ihre Beiträge gesteckt haben. Wir haben sehr viel gelacht, die Kreativität und den Witz bewundert und freuen uns schon jetzt auf den nächsten Umzug in 2 Jahren! Danke!