„Passion Heute“ – Bilder zum Leidensweg in St. Andrä

Der Corona-Shutdown traf auch ein Kunstprojekt des BORG Lienz.

Ein Projekt im Kunstunterricht der 6B, 6M und 8B widmete sich in den letzten regulären Schulwochen des Winters dem Thema „Passion Heute“. Angeregt wurde das Projekt von Lukas Hofmann, einem ehemaligen Schüler des BORG Lienz und künstlerischen Leiter der Osttiroler Bläserphilharmonie. BORG-Kunsterzieherin Andrea Kollnig erläutert: „Er hat uns dazu eingeladen, eine bildnerische Untermalung für das Passionskonzert am Palmsonntag in der Pfarrkirche St. Andrä zu gestalten. Die Bildwerke und ein Video mit Bildanimationen konnten gerade noch bis zum coronabedingten Unterrichtsende fertiggestellt werden. Noch am letzten Tag vor der Schulschließung wurden die Staffeleien samt Malereien von den Schülern und Schülerinnen zum Ausstellungsort in die Pfarrkirche St. Andrä getragen und aufgestellt.“

Das Passionskonzert am Palmsonntag fiel wegen der Coronakrise ins Wasser. Es soll an einem anderen Termin nachgeholt werden. Eine Bildanimation in Videoformat solle im Rahmen des Passionskonzerts projiziert werden. Sie vermittelt multimedial einen sehr guten Eindruck von dieser Kunstaktion und ist auch auf YouTube zu sehen.

Andrea Kollnig erklärt den künstlerischen Hintergrund der Aktion: „Wie der Titel ‚Passion Heute‘ zum Ausdruck bringt, geht es um eine gegenwartsbezogene Interpretation der Passion Christi – sowohl inhaltlich als auch in der Wahl der bildnerischen Ausdrucksmittel.“ Die durchaus zeitkritisch interpretierten Leidensstationen in blauvioletten Farben mit eingeklebten Bildfragmenten spiegeln Stationen des Leidens, „unter denen Menschen heute zu Fall kommen“: körperliche Gewalt, Kinderarbeit, Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, Leistungsdruck, Zeitdruck, Depression. „Gelbes Licht“ symbolisiert die drei Stationen des „Helfens“. Die Ausführung der Bilder erfolgte in verschiedenen modernen Ausdrucksformen der Malerei: als abstrakte Farbfeldmalerei, als aktionistische Malperformance und als Neuinterpretation bekannter Kunstwerke.

Die aktionistischen Werke zu Station 1 (Geißelung) und 11 (Kreuzigung) entstanden in einer Malperformance in der Gruppe – jeder bekam ein „Malgerät“ (Flasche mit Farbe, Pinsel, Farbwalze, Kreiden, Spachtel, Stichel etc.) und es wurden zur Musik „Passion“ von Peter Gabriel und mit Assoziation zu Begriffen wie „Aggression – Schmerz – Wunde – Folter“ (1) bzw. „Kreuzigung und Wundmale“(11) aktionistische Malspuren gesetzt, beim ersten Werk „Geißelung“ spontan und frei und bei der „Kreuzigung“ mit choreografischer Anweisung. Auch die Werke von Station 2 und 11 wurden in der Gruppe gemalt, inspiriert vom Stil der abstrakten Farbfeldmalerei von Mark Rothko.

Die Ausstellung in der Pfarrkirche St. Andrä kann zurzeit nur unter Einhaltung der immer noch bestehenden Auflagen besichtigt werden. Die Türen der Kirche sind jedenfalls weit geöffnet. Hier einige der Schülerarbeiten als Bildergalerie:

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

2 Postings bisher
Murmele

Wollten heute am frühen Nachmittag (Karsamstag) in der Kirche St.Andrä die Kunstwerke anschauen und wurden enttäuscht, da nur noch leere Staffeleien die Besucher empfingen! Schade, dass auf dolomitenstadt.at erst am 8. April darüber berichtet wurde und auch kein Ende der Ausstellung angegeben war... Bestimmt hätten noch viele Interessierte diese Darstellungen der SchülerInnen gerne gesehen!

Michael Wolf

Großartiges, berührendes Projekt!!! KünstlerInnen-Nachwuchs ist gesichert. Gratuliere!