Josef Pretis: „Wir sind auf alles vorbereitet“.

Der Direktor der Lienzer HAK hat zur Krisen-Zentralmatura noch einige Fragen.

Als Bildungsminister Heinz Faßmann am 8. April endlich bekanntgab, wie der heurige Maturajahrgang zu einem Schulabschluss kommt, haben wir einen Rundruf unter den Direktoren der größten Höheren Schulen des Bezirkes gestartet. Neben Roland Rossbacher (Gymnasium), Peter Girstmair (PHTL) und Meinhard Trummer (BORG), hat auch HAK-Direktor Josef Pretis eine erste Einschätzung abgegeben.


Josef Pretis: „Geschenkt wird nichts, aber doch angesichts der Umstände viel einfacher gemacht.“ Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Die Lösung für den heurigen Maturajahrgang liegt auf dem Tisch. Eine Zentralmatura mit nur drei schriftlichen Fächern und optional auch mündlichen Prüfungen. Ist das ein guter Weg? Gibt es Probleme, die noch nicht gelöst sind? Wie wird die Entscheidung des Ministeriums in der HAK-Lienz beurteilt?

Besondere Situationen brauchen besondere Lösungen. Ich habe großen Respekt vor den Entscheidungen der Regierung, denn schließlich müssen auch sie die Verantwortung dafür tragen – und die außerordentlich geringe Anzahl an Verstorbenen lässt uns vorerst sehr zuversichtlich sein.

Matura – dass diese heuer „besonders“ wird, war zu erwarten. Ich denke, niemand hat Mitte März schon damit gerechnet, dass nach Ostern alles seinen gewohnten Lauf nehmen wird. Ich bin sehr froh und auch ein wenig stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch Kolleginnen und Kollegen, die den „Zahn der Zeit“ erkannten und Distance-Learning zum großen Teil vorbildlich meisterten. Office 365 hat uns eine ausgezeichnete Plattform dafür geboten. Von da her habe ich keine Sorge um die Matura.

So sind auch die Maturanten in den letzten drei Wochen – die nur zum Üben genutzt werden durften – bestens von den Kolleginnen und Kollegen begleitet worden und ein Antritt zum „normalen“ Termin wäre sich auch noch ausgegangen. Eigenverantwortung der Kandidaten ist hoffentlich vorhanden!

Jetzt ist klar, dass die Heimbetreuung weiterlaufen wird, am 4. Mai in der Schule mit dem Unterricht für die Maturanten gestartet, die erforderlichen Leistungsfeststellungen gemacht und am 25. Mai mit der Matura in absolut abgespeckter Form losgelegt werden wird.

Welche Vereinfachung bzw. welches Entgegenkommen haben die Maturanten heuer? Da ist einmal der Wegfall der Präsentation und Defensio der Diplomarbeit, dann entfällt noch das vierte schriftliche Fach (und da fehlt mir noch eindeutig die Klärung, welches Fach gestrichen werden darf und vor allem von wem???) und schließlich die mündliche Reifeprüfung. Freiwillig kann sie jeder machen … ist schließlich auch wie der Schlusspfiff in einem Fußballspiel – er macht die Sache erst reizvoll. Da bin ich noch auf die Entscheidungen der Kandidatinnen und Kandidaten gespannt! Ansonsten die Jahresnote … naja…

Offen ist für mich: Es gibt ja auch noch Kandidaten aus den vergangenen Terminen – wie ist mit diesen umzugehen? Und ein Vergleich mit den bisherigen Reifeprüfungen und auch den kommenden kann nicht gemacht werden. So „einfach“ vom gesamten erforderlichen Leistungsniveau gesehen war sie noch nie – so besonders wie alle bisherigen vermutlich aber auch nicht. Geschenkt wird nichts, aber doch angesichts der Umstände viel einfacher gemacht.

Dann die Betreuung in der Schule von den Maturanten – laut Stundenplan? Zum Glück hat in unserer Schule jede Lehrperson einen digitalen Arbeitsplatz und kann so das Distance Learning mit den 1. bis 4. Klassen durchführen und dazwischen die Absolventen vorbereiten. Aber wenn kein Platz möglich ???

Meine einzige große Sorge ist, dass es zu einer neuerlichen Ausbreitung der Infektionen irgendwo in Österreich kommt und alles unterbrochen werden müsste.

Wichtig ist nun die klare Verordnung und die Durchführungsbestimmungen, die in den kommenden Tagen verlautbart werden.

Wir sind aber auf alles vorbereitet.

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