2020 bis zu 4,8 Mrd. Euro Verlust für Tirols Wirtschaft

WK-Präsident Walser fordert „Repositionierung in Richtung Qualitätstourismus“.

Die Tiroler Wirtschaftskammer hat sich damit beschäftigt, wie sehr sich der Ausfall des Tourismus auf die Tiroler Gesamtwirtschaft auswirken könnte und dabei ein recht düsteres Bild gezeichnet. Im schlimmsten Fall ging die Kammer von einem Verlust der Bruttowertschöpfung von 4,8 Mrd. Euro für das Jahr 2020 aus, damit würde der Wegfall von 42.500 Arbeitsplätzen einhergehen.

Dieses „pessimistische Szenario“ würde dann eintreten, wenn die Nächtigungen österreichischer Gäste in Tirol bis Herbst nur auf 70 Prozent steigen würden – die anderen Zielmärkte aber mit zehn Prozent auf einem niedrigen Niveau bleiben würden. Diese Annahme sei „nicht unrealistisch“, warnte Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie bei einer Videopressekonferenz am Mittwoch.

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser zeichnet ein düsteres Bild der Lage nach dem Lockdown. Foto: APA

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser schätzte dagegen, dass es wohl realistisch sei, dass ein Fall zwischen einem „mittleren“ und dem „pessimistischen Szenario“ eintreten werde. Ersterem zufolge würde 2020 ein Verlust von rund 3,6 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung in Tirol erfolgen, rund 31.600 Arbeitsplätze würden demnach verloren gehen. Hier wurde davon ausgegangen, dass bis Herbst wieder 100 Prozent der österreichischen Gäste anreisen würden. Auch die deutschen Gäste würden demnach bis Herbst bis zu 50 Prozent wieder kommen. Das Eintreten des ebenso kalkulierten „optimistischen Szenarios“ hielten Garbislander als auch Walser für nicht realistisch. „Jeder Tag macht das optimistische Szenario unwahrscheinlicher“, hielt Garbislander fest.

Damit die Tiroler Tourismuswirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen könne, stellte Walser einige Forderungen. So wollte er eine „Testinfrastruktur in Beherbergungsbetrieben“ und auch anderen Betrieben etabliert wissen. Es solle klar sein, wie etwa mit einem Gast umzugehen sei, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Denn eine komplette Schließung der Betriebe werde man „in einer zweiten Phase nicht überleben“ und sprach die nach wie vor schwierige Situation im Handel an. Seit Beginn der schrittweisen Öffnung seien die Umsätze nur „mau“ gewesen, berichtete er.

Wichtig sei außerdem, dass die Grenzen wieder geöffnet werden, so Walser. Vor allem zu den Ländern, in denen die Fallzahlen ebenso im Sinken begriffen sind. „Damit wir die Sommersaison 2020 retten können“, sagte er. Darüber hinaus wollte Walser auch den Tiroler Tourismus insgesamt ins rechte Licht gerückt sehen. Es brauche eine „Repositionierung in Richtung Qualitätstourismus“, sagte er. Man müsse die Qualität im Tourismus, über die Tirol verfüge, mehr bewerben als ein Apres-Ski-Lokal.

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2 Postings bisher
Der Graukofler

Die wirtschaftliche Situation ist sicherlich sehr ernst. Speziell Tourismusbetriebe, ohnehin ausgestattet mit wenig Eigenkapital, haben schwere Zeiten vor sich. Wie wäre es mit einem Aussetzen der Grundumlage für das Jahr 2020, Herr Walser?

wolf_c

für das richtige gibt es keine wahl

' wirtschaft ' wie sie war wird es so nie mehr geben; dies sollte ansatz und tor für eine gute ' wirtschaft ' sein, nie wieder soll es ' diese wirtschaft tötet ' heissen müssen. und die grenzschliessungen als zeichen einer angst-, und nicht einer vernunft-reaktion, beweisen den weiten weg der erst angefangen hat: wirtschaftlich u politisch u sozial u spirituell .