Keine „Herdenimmunität“ im Südtiroler Grödental

Nur ein Viertel der Bevölkerung im Corona-Hotspot hat nach einer aktuellen Studie Antikörper.

Selbst im Südtiroler Corona-Hotspot Gröden ist man offenbar von einer Herdenimmunität noch weit entfernt. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Südtiroler Sanitätsbetriebs. Demnach hatte nur rund ein Viertel der Bevölkerung Kontakt mit dem Coronavirus und weist nun Antikörper auf. Bei 2.194 Probanden wurden ein PCR-Test sowie ein Antikörpertest durchgeführt.

Insgesamt waren vom Statistikinstitut des Landes Südtirol 2.958 Personen repräsentativ ausgewählt worden. Davon folgten schlussendlich 2.194 Personen der Einladung, an der Studie, die von 26. Mai bis 8. Juni durchgeführt wurde, teilzunehmen. Eine erste Auswertung der Ergebnisse zeigt nun, dass die nach Sensibilität und Spezifität korrigierte Seroprävalenz – also der Nachweis – für SARS-CoV-2 IgG-Antikörper bei 26,86 Prozent liegt.

„Wir sind also von einer Herdenimmunität auch im Grödnertal noch weit entfernt“, meinte Michael Mian, Studienleiter und Verantwortlicher der Onkohämatologischen Tagesklinik am Landeskrankenhaus Bozen. Viel weniger Personen als vermutet seien mit dem Virus in Kontakt gekommen. „Wenn das schon in einem sogenannten Hotspot wie Gröden der Fall ist, lässt dies den Schluss zu, dass sich im Rest des Landes noch viel weniger mit dem neuartigen Virus infiziert haben“, so Mian.

Dabei seien signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufgetreten. Die Seroprävalenz betrug bei Frauen 24 Prozent, bei Männern 28,7 Prozent. Auch zwischen den Gemeinden gab es Unterschiede. In St. Ulrich hatten 23,2 Prozent Antikörper, in St. Christina 27,7 Prozent und in Wolkenstein 31,1 Prozent. Die Durchseuchungsrate sei demnach im Talschluss höher als am Talbeginn.

Doch auch das berufliche Umfeld hatte offenbar Einfluss auf die Infektionen. Bei Personen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, verfügten 27,26 Prozent über Antikörper. Bei im Tourismus Beschäftigten betrug der Anteil 31,59 Prozent und bei „inaktiven Personen“ 23,01 Prozent. „Bei den Beschäftigten im Tourismussektor ist eine höhere Durchseuchung festzustellen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Infektionswelle über diesen Kanal und vom Talschluss aus ihren Ausgang genommen hat“, sagte Mian.

Keiner der rund 2.200 Teilnehmer wies übrigens einen positiven PCR-Test auf. Es war also niemand akut an Covid-19 erkrankt. Von jenen Personen, bei denen Antikörper festgestellt wurden und die auch Symptome wahrgenommen hatten, hatten 62,1 Prozent damals den Sanitätsbetrieb nicht kontaktiert. 17,29 Prozent der Personen mit einem positiven Antikörpertest waren symptomfrei geblieben. Die Studie soll noch heuer publiziert werden.

Eine private Initiative hatte bereits im April Antikörpertests in St. Ulrich durchgeführt. Dabei waren bei rund 50 Prozent der Getesteten Antikörper nachgewiesen worden. Die Ergebnisse waren damals angezweifelt worden.

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