Hardware allein macht Kinder nicht medienfit

SOS-Kinderdorf fordert neben neuer Technik an Schulen auch „digitale Grundbildung“.

Auf die Ankündigung der Bundesregierung, ab dem Schuljahr 2021/22 sämtliche Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe mit Laptops und/oder Tablets auszurüsten reagiert das SOS-Kinderdorf mit verhaltenem Applaus. „In den letzten Wochen entschied die IT-Ausstattung und Medienkompetenz in den Haushalten vielfach über Erfolg und Misserfolg des Homeschooling. Das Recht auf Bildung wurde dadurch für viele Kinder und Jugendliche massiv eingeschränkt oder verletzt,“ so Geschäftsführer Christian Moser.

Die Regierung habe Versäumnisse der Vergangenheit erkannt und treibe nun eine Digitalisierungsreform voran, die sich aber nicht auf eine verbesserte Ausstattung mit technischen Geräten beschränken dürfe. Wichtig sei auch eine „digitale Grundbildung“, die altersadäquat bereits in der Volksschule starten sollte. Moser: „Damit junge Menschen zu kompetenten und kritischen Usern heranwachsen können, brauchen wir eine moderne Medienerziehung über alle Schulstufen und Schulformen, bereits ab der Volksschule.“

30 Prozent der 11-18-Jährigen sind laut „Rat auf Draht“ von sexueller Belästigung im Netz betroffen. Foto: Annie Spratt/Unsplash

Zentral dafür sei, dass es ausreichend zeitliche und finanzielle Ressourcen sowie flächendeckende Fortbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer zu digitalen Kompetenzen gebe. „Wir müssen junge Menschen dabei unterstützen die notwendigen Nutzungskompetenzen zu entwickeln – nicht nur technische, sondern vor allem auch soziale“. Moser untermauert seine Forderung mit Zahlen einer Studie, die von SOS-Kinderdorf und der Hotline „Rat auf Draht“ beauftragt wurde. Schon vor der Corona-Krise waren demnach rund 30 Prozent der 11-18-Jährigen von sexueller Belästigung im Netz betroffen. 80 Prozent wünschten sich auch mehr Aufklärung zu diesem Thema in der Schule.

Während des Corona-Lockdowns verzeichnete Rat auf Draht vermehrt Beratungsanfragen zu unerwünschter Kontaktaufnahme über digitale Medien und Cyber-Mobbing. Es sei daher davon auszugehen, dass die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in den letzten Monaten weiter angestiegen sei, vermutet Moser: „Die Regierung muss neben der technischen Ausstattung also auch dringend Maßnahmen ergreifen, um Kinder und Jugendliche vor Übergriffen und Gewalt im Netz zu schützen“.

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