Kaltschmid: „Nie waren so viele Menschen auf der Flucht“

Das UNHCR legt dramatische Zahlen vor. Tiroler Grünpolitiker fordert Umdenken.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) hat vor dem morgigen Weltflüchtlingstag in einem neuen Bericht dramatische Zahlen vorgelegt: fast 80 Millionen Menschen – rund ein Prozent der Weltbevölkerung – sind aktuell gezwungen, entfernt ihrer Heimat zu leben, ihr gewohntes Umfeld hinter sich zu lassen und den Weg in eine ungewisse Zukunft abseits von Krieg, Verfolgung und Katastrophen zu suchen. Der Tiroler Landtagsabgeordnete Georg Kaltschmid (Grüne) möchte mehr Aufmerksamkeit auf die Problematik lenken: „Die dramatischen Situationen finden meist abseits der öffentlichen Wahrnehmung statt, denn der überwiegende Teil sucht in ihrer Herkunftsregion nach einem sicheren Platz, es bleiben aber Millionen schreckliche Einzelschicksale und diese Zahl steigt in den letzten Jahren rasant“, sagt Kaltschmid.

Georg Kaltschmid (Grüne): „Wir leben in Europa in einer privilegierten Situation“. Foto: Expa/Groder

Die Zahl der Menschen auf der Flucht war in den neunziger Jahren und Anfang des Jahrtausends mehr oder weniger konstant, begann aber vor rund acht Jahren stetig zu steigen und hat sich seither verdoppelt. Kaltschmid sieht Europa in der Verantwortung: „Wir leben in Europa in einer privilegierten Situation: keine Kriege, keine Vertreibungen, wenig Naturkatastrophen, stabile Demokratien und eine intakte, funktionierende Wirtschaft.“

Für den Abgeordneten der Grünen gibt es sowohl eine rechtliche als auch eine menschliche Verpflichtung gegenüber Flüchtenden egal welcher Herkunft. Kaltschmid verweist in seinem Appell auf die finanziellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten der europäischen Länder: „Wir haben eine Verantwortung und es ist höchste Zeit diese auch wahrzunehmen. Menschen ertrinken im Mittelmeer, leben in unwürdigen Lagern an den Außengrenzen und verzweifeln an der unmenschlichen Haltung Europas – es ist höchste Zeit umzudenken. Schluss mit populistischen Ausreden, schreiten wir zur Tat und bieten wir schutzsuchenden Menschen ein sicheres Dach über ihren Köpfen!“

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4 Postings bisher
gruenxi

Hr.Kaltschmid, warum reden Sie nicht mit dem Koalitionspartner im Bund, damit wenigstens einige unbegleitete Kinder von unwürdigen Lagern nach Österreich geholt werden? Oder getrauen Sie sich nicht, weil vielleicht auch die "soziale" ÖVP im Bund mit Neuwahlen droht?

    Thomas Haidenberger

    Liebe(r) gruenxi, ich weiß nicht, ob sie ernsthaft denken, dass nicht geredet wird. Ich kann Ihnen versichern, dass dies bei jeder Gelegenheit geschieht. Auch wenn manche Kritik berechtigt war und ist: letztlich ist es eine Frage des (politischen) Gewichts, und das wird bei Wahlen definiert.

    Aber Sie wissen als interessierte(r) Beobachter(in) auch, in welchem Teich der "Seniorpartner" sowohl auf Landes- besonders aber auf Bundesebene bei den letzten Wahlen gefischt hat, relativ erfolgreich noch dazu. Das ist einer der Gründe, warum sich die türkis-schwarzen Repräsentant*innen derart einbetonieren. Jene Wähler*innen, die da "aus alter Gewohnheit" noch christlich soziale Aspekte zu erkennen glauben, müssten nur einmal genauer hinschauen ...

      dolo

      Herr Haidenbergen. Das was die Grünen momentan praktizieren, ist der Verrat an ihren Wählern. Da hilft es auch nicht, den Ball an die ÖVP zu spielen. Zurück zu den Wurzeln , sonst verschwindet ihr wieder in der Bedeutungslosigkeit.

      Chronos

      Die Gefahr die dolo anspricht, sollten Grüne Funktionäre sehr ernst nehmen! Von den Tiroler Grünen haben sich sehr viele, auch Stammwähler verabschiedet!