Fleischgenuss: Woher kommt mein Schnitzel?

Immer wieder sorgen unklare Ursprungsangaben bei Fleischprodukten für Stirnrunzeln.

Die jüngsten Ereignisse, bei denen ein heimischer Lebensmittelkonzern bekannt geben musste, dass er in seiner konzerneigenen Metzgerei nicht nur – wie beworben – AMA-zertifiziertes Fleisch verarbeitet, sondern auch Fleisch aus Deutschland zukauft, verunsichert viele Konsumentinnen und Konsumenten – auch unter unserem Beitrag auf dolomitenstadt.at. Wir haben nachgefragt, wie man als Kunde vor solchen Produkttäuschungen gefeit sein kann.

Die Verpackungen tragen klingende Namen, die auf den ersten Blick heimisch und natürlich wirken. Auf den Logos findet man Bergkulissen, saftige Wiesen und idyllische Almhütten. Im Idealfall trägt das Produkt noch eine Reihe von Gütesiegeln und dann muss das gute Stück österreichischen Ursprungs, biologisch, gentechnikfrei, von glücklichen Kühen, … ja, wenn nicht sogar vegan sein. Oder nicht?

Wo verliert sich die Spur bei der Suche nach der Herkunft von Fleisch? Foto: iStock/industryview

Zu Beginn: Tatsächlich bieten die meisten österreichischen Lebensmittelkonzerne nur mehr ausschließlich heimisches Fleisch an. Auf Anfrage von dolomitenstadt.at sagt Nicole Berkmann, Pressesprecherin der Spar Warenhandels AG: „Selbstverständlich können sich Kunden darauf verlassen, dass wir ausschließlich österreichisches Frischfleisch verarbeiten und verkaufen! SPAR war vor 25 Jahren der erste Lebensmittelhändler, der ausschließlich auf heimisches Frischfleisch gesetzt und sich daher dem AMA-Gütesiegel verschrieben hat.“ Ausgenommen seien geringe Mengen an Geflügel. Der Selbstversorgungsgrad an Geflügelfleisch liegt in Österreich laut Statistik Austria nur bei etwa 70 Prozent, während der Wert bei Rind- und Schweinefleisch die 100 Prozent-Marke überschreitet. Auch Billa (Rewe-Gruppe) und Hofer versprechen seit Mitte Juni dieses Jahres bzw. mit Ende Juni, dass nur noch Frischfleisch österreichischen Ursprungs in ihren Regalen zu finden sein wird.

Ein Lokalaugenschein bestätigt: Sowohl bei Billa als auch bei Hofer tragen alle Frischfleischprodukte das AMA-Gütesiegel. Rund um das Siegel kreisen zwar Verschwörungstheorien um die Zusammenarbeit von großen Lebensmittelkonzernen und „unabhängigen“ Überprüfungen, grundsätzlich gilt für Fleisch mit dem rot-weiß-roten AMA-Zeichen allerdings, dass die Tiere in Österreich geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt wurden. In Kritik steht das Gütesiegel allerdings vor allem, weil gentechnisch verändertes Futtermittel in der Schweine- und Rindermast zulässig ist und dieses auch aus dem Ausland importiert werden darf.

Abgesehen von den Standards gewisser Gütesiegel gibt es auf EU-Ebene Vorgaben zur Herkunftskennzeichnung bei Frischfleisch. Beim Rindfleisch muss in ganz Europa klar am Etikett stehen, wo das Tier ge­boren, gemästet und geschlachtet wurde. Bei frischem Fleisch von Schwein, Geflügel und anderen Fleischsorten muss zumindest das Land der Aufzucht und das der Schlachtung angegeben werden.

Weitaus weniger Informationen sind bei verarbeiteten Fleischprodukten zu finden. Auf europäischer Ebene gibt es hier keine Kennzeichnungspflicht zur Herkunft der Rohstoffe und das AMA-Gütesiegel sticht im Wurstwarenregal weniger oft ins Auge, als beim Frischfleisch.

Auf jedem Fleischprodukt ist ein Genusstauglichkeitskennzeichen angegeben, z.B. lautend auf „AT M-K-0002 EG“. Dieses sagt allerdings nichts über die Herkunft aus, sondern gibt nur an, wo der letzte Arbeitsschritt passiert ist.

Die Arbeiterkammer empfiehlt Konsumentinnen und Konsumenten mehr auf Qualität und weniger auf Masse zu setzen. Wer also auf Nummer sicher gehen will, kauft lieber beim Bauern ums Eck oder am Bauernmarkt. Wolfgang Ottmann-Warum aus Lendorf verkauft die Produkte seiner „Glücksschweine“ ab Hof und am Lienzer Stadtmarkt. „Meine Schweine leben rund um meinen Hof, werden hier geschlachtet und reisen nicht um die ganze Welt. Ich habe ein ruhiges Gewissen“, meint der Landwirt pragmatisch.

Für die Gastronomie wird ebenfalls schon lange eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch und andere Produkte wie Milch und Eier gefordert. Die Debatte darüber ist nun auch in Tirol neu entfacht. Während das Fleisch im Handel gekennzeichnet werden muss, gibt es in der Gastronomie keine verpflichtende Regeln. „Alle reden in der Krise von Regionalität. Wir sollten nicht nur darüber reden, sondern mutige Schritte setzen und geschlossen auf die Bundesregierung einwirken. Die Kennzeichnungspflicht kostet keine Millionen Steuergeld, aber sie spült Millionen in den Wirtschaftskreislauf“, argumentiert beispielsweise Georg Kaltschmid, Landwirtschaftssprecher der Tiroler Grünen.

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12 Postings bisher
miraculix

Es ist schon bezeichnend, dass der Wolf (siehe Artikel nebenan) die Gemüter der dolomitenstadt.at - Leser*innen - Gemeinde weit stärker erhitzt als die Herkunft von dem, was auf unseren Tellern landet ... Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, mit Sicherheit wesentlich geringer, als jene, ein Schnitzel mit unklarer Herkunft auf dem Teller zu bekommen ...

Dass die gewählten Vertreter*innen der heimischen Gastronomie sich mit aller Kraft dagegen stemmen, klare und verpflichtende Offenlegung der Herkunft der verareiteten Lebensmittel in die Speisearten aufzunehmen, spricht auch Bände: Auf der einen Seite ist die "Marke Tirol" unverzichtbar, auf der anderen darf das "Wiener Schnitzel" oder der Rostbraten und das Steak ruhig aus Großbetrieben aus dem Ausland stammen ...

Wäre doch gerade jetzt der richtige Moment: Mehr als das, was der Gesetzgeber jetzt in Form der gesenkten Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke den Gatrominiebetrieben zukommen lässt, soll der Preisunterschied dem Vernehmen nach nicht ausmachen ...

    rebuh

    würde wohl auch den vegetariern und vegan essern die augen öffnen, wen draufsteht woher es kommt, die bilden sich auch nur ein wie resourcen schonend sie leben.

      bobbilein

      ich bitte um nähere informationen! nicht etwas schreiben u. dann ohne ausführungen stehen lassen.

      aber im zweifel hauen wir halt auf die vegetarier_innen u. veganer_innen hin.

bla

Ein österreichisches Bio-Schwein bekommt zwischen 0,8 und 1,5m2 "Auslauf", frisst gentechnisch veränderte Futtermittel aus anderen Kontinenten, wird mit Antibiotikern und anderen Medikamenten vollgepumpt. Das ist die die traurige Normalität, alles andere ist eine Ausnahme.

    baur.peter

    kannst du den schmarrn, den du hier schreibst auch beweisen?

      bla

      nein. aber sie können nach kurzer recherche feststellen, dass das beschriebene szenario möglich ist. wenns sie dann noch davon ausgehen, dass die meisten fleischfabriken einen gewinn erzielen wollen, wird mein posting hoffentlich auch für sie schlüssig.

Schachtelhalm

Ach was? Ab Mitte bzw. Ende Juni bei Billa und Hofer: "...ganz ehrlich, nur Fleisch aus Österreich..." Und was war vorher??? Es wird rundum gelogen, daß sich die Balken biegen!

freekit78

alternative: von osttiroler bio bauern das fleisch kaufen!

    rebuh

    wieviele osttiroler bio bauern die in der lage sind fleisch zu verkaufen gibt es, da würden so schnell nachgedacht wohl schon mitte jänner die fleischtheken leer bleiben. würde sagen nicht einmal der auf dem bauernmarkt verkaufte speck, kommt mit ausnahme das er hier geräuchert wird, aus dem vom verkäufer eigenem betrieb! ist aber auch egal, ob das schwein in holland, deutschland, steiermark oder auf dem bauernhof in assling gemästet wird, es bekommt überall das gleich vorgesetzt.

wolf_c

geboren in ... gestorben ... , gefüttert mit ... ??? transportiert nach ... gelebt wofür???