Grüne kritisieren Tiroler „Anti-Wolfs-Verein“

Energie sollte in den Herdenschutz gesteckt werden. Laut WWF keine Senkung des Schutzstatus in Sicht.

Der Wolf genießt den höchsten Schutzstatus in der EU. Das wird laut WWF auch so bleiben. Foto: WWF/Frank

Wie berichtet, wurde am 24. Juli ein Verein vorgestellt, der von VP-dominierten Kammern und Bünden getragen wird und als Ziel die Bekämpfung des streng geschützten Wolfs angibt. Dagegen protestiert der Koalitionspartner im Land. Die Grünen wollen den einstimmig im Landtag beschlossenen nüchternen Umgang mit dem Wolf fortsetzen. „Statt gegen den Wolf einseitig zu kampagnisieren, sollte der Bauernbund besser seine Energie dafür aufwenden, den Herdenschutz in Tirol voranzutreiben. Denn da ist bisher wenig bis nichts passiert“, reagiert der Grüne Landwirtschaftssprecher Georg Kaltschmid auf die angekündigte Kampagne, in der suggeriert werde, dass es beim Wolf nur schwarz oder weiß gebe.

„Die Welt ist zum Glück nicht so, wie es von Wirtschafts-, Arbeiter-, Landwirtschaftskammer und dem Gemeindebund dargestellt wird. Das zeigen die Beispiele in vielen europäischen Regionen. Da funktioniert das Zusammenleben mit Beutegreifern, weil sich alle angestrengt haben. Man gewinnt eher den Eindruck, dass bei uns manche lieber mit der Flinte hantieren statt den Hausverstand walten zu lassen“, kritisiert Kaltschmid.

Dass die Schafrisse viel Betroffenheit auslösen und Tierleid zu minimieren ist, stehe außer Frage. Solange aber keinerlei Herdenschutzmaßnahmen getroffen werden, seien Schafrisse auch nicht weiter verwunderlich.

Auch der WWF fordert als Reaktion auf den neu gegründeten Verein die Ausweitung von Herdenschutzprogrammen. Die Tiroler Sozialpartner müssten die Almwirtschaft konkret unterstützen, anstatt den Artenschutz in Frage zu stellen, so der WWF-Experte Christian Pichler: „Wer der Almwirtschaft tatsächlich helfen will, muss den finanziellen Rahmen und die Förderstruktur verbessern.“

Der Schutzstatus des Wolfes innerhalb der EU werde auch weiterhin hoch bleiben, Österreich sei immer noch weit vom EU-rechtlich geforderten günstigen Erhaltungstand entfernt, erklärt Pichler.

Der WWF plädiert daher für einen sachlichen Umgang mit der natürlichen Rückkehr der Wölfe und schlägt einen Fünf-Punkte-Plan vor: Der Herdenschutz soll stärker gefördert werden, das Hirtenwesen wiederbelebt. Außerdem soll die Ausbildung von Herdenschutzhunden vorangetrieben werden und Nutztierhaltende sollen besser entschädigt werden. Das von Bund und Ländern gegründete „Österreichzentrum Bär-Luchs-Wolf“ sollte gestärkt und ausreichend dotiert werden.

Zudem muss in der aktuellen Debatte auch die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. „Jedes gerissene Tier ist ein schmerzhafter Verlust. Dass in Österreich aber jährlich tausende Schafe aufgrund von Krankheiten, Unwetter oder Steinschlag verenden, stellt eine weit größere Belastung dar als die insgesamt 103 Risse durch Wölfe im Vorjahr“, sagt Pichler.

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11 Postings bisher
Goldhafer

Hintergünde zum Wolfsschutz

Die Alpenkonvention ist durch die CIPRA entstanden welche von der IUCN begründet wurde. Der erste Präsident der CIPRA war auch gleichzeitig der erste Präsident der IUCN. Die IUCN ist "DIE" Institution die weltweit die Pärke definiert und auch ihr Management. Die LCIE der IUCN ist für die die Grossraubtieransiedlung, ihr Management und den Schutz des Wolfes zuständig.

Ausserdem bestanden Grossraubtieransiedlungspläne bei der IUCN lange bevor es die Alpenkonvention gab. Tatsächlich geht der Ursprung des Plans auf ein IUCN Manifest zur Erhaltung des Wolfes von 1973 zurück.

Dieses Manifest wurde von der ‘Wolf Specialist Group“, der Arterhaltungskommission der IUCN, in der Folge mehrmals überarbeitet (1983 und 1996) und wurde dann im Jahr 2000 zum Aktionsplan zur Wiederansiedlung des Wolfes in Europa von Professor Luigi Boitani LCIE (Large Carnivore Initiative for Europe), die Grossraubtier Initiative für Europa

Seit dem IUCN Manifest 1973 wurde Jahrzehntelang an der Wiederansiedlung des Wolfes gearbeitet und deren Realisation vorangetrieben ohne dass man das man davon Kenntnis hatte. Der Aktionsplan wurde im Jahr 2000 offiziell herausgegeben, war aber immer noch nur intern bekannt und es vergingen Jahre bis er langsam durch Recherchen bekannt wurde. Um für den Aktionsplan quasi einen Freibrief zu haben, wurde vor dessen Veröffentlichung, der gesetzliche Rahmen (totaler Schutz des Wolfes) auf höchster Europäischer Ebene, durch die gleichen Kreise aus der IUCN, geschaffen bzw. zur Ratifizierung gebracht.

Zahlen-lügen-nicht..

Die Grünen kritisieren alles was einen Sinn hat, und fordern alles was Sinnlos ist. 🤔

motinga

@ Goldhafer. eine echt interessante Sichtweise von Professor Geist!! das würde ja konkreter Weise bedeuten, dass diese Klonwölfe ja wohl aus Naturschutz und zum schutz des orginal Wolfes entnommen werden müßten, um eine Verunreinigung der Rasse zu verhindern!!! eine interessante Variante über die es aber recht schwierige Diskusionen geben würde. also schützen wir den Wolf und entnehmen die "Bastarde". bin neugierig auf Rechtfertigungen der sogenannten Experten

Zahlen-lügen-nicht..

Der mit dem Wolf tanzt. 🐺🤣

Goldhafer

Schutzstatus des Wolfes innerhalb der EU

Was sagen die Experten zu dieser Aussage?

Aussage von Valerius Geist Professor für Wildbiologie an der Universität Calgary :

Was in Mitteleuropa heute als Wolf bezeichnet wird, hat wenig mit dem echten Räuber (Canis lupus lupus) zu tun. Der Wissenschaftler erklärt, wie Mischlinge erkannt werden können und wie sie die Arterhaltung der ursprünglichen Grauhunde bedrohen. "Deren gesetzlicher Schutz hat meines Erachtens weder mit Wissenschaft noch mit Naturschutz zu tun – geschweige denn mit dem taxonomie-freien Unsinn von DNA-Untersuchungen. Eindeutig ein Schwindel von einer verantwortungslosen Politik. Bedauernswert, ja schlimmer noch: vorsätzliche Falschdarstellung einer Faunen-Verfälschung mit all ihrer negativen Auswirkung auch für den reinrassigen Wolf selbst. Derartige Bastarde mit großem Aufwand von Steuer- und Spendengeldern unter Schutz zu stellen ist ein wissenschaftlicher Hohn, in keiner Weise ökosystemgerecht und schlichtweg Betrug an einer gutgläubigen und an Naturschutz interessierten Bevölkerung". Das Problem in Europa ist, dass man alles im Entferntesten „Wolfsähnliche“ gleich als Wolf bezeichnete und in die genetische Datei mit eintrug. Und das stimmt nicht nur für die „Flachlandwölfe Deutschlands”, sondern auch für die erbarmenswürdigen Kreaturen, die mir in Italien als Wölfe vorgestellt wurden.

motinga

also Ihr WWF Experten, nichts gegen eure Einstellung,auch nichts gegen den Wolf!!! aber kann mir mal einer von euch "Experten" auch mal einen vernünftigen Vorschlag über den Herdenschutz auf einer alpinen Hochalm unterbreiten, denn diese Situation herscht eben bei uns, ich bin auch nicht für Abschüsse, doch der wer Vorschläge macht soll auch konkrete Vorschläge dann auch bringen und sich nicht immer nicht realisierbare Ausreden vonHerdenschutz und Entschädigunen rausreden!!!! binmal gespannt

genaugenommen

was gibt es gegen den anti wolfsverein zu sagen? der WWF ist doch auch nur ein verein! sind die einen die bösen und die anderen die guten? und im übrigen der WWF vertritt nicht die volksmeinung!

    le corbusier

    wir sind das VOLK !!!11!!!ans!!

    miraculix

    Na ja, wenn der (einzige) Zweck eines Vereins ist, einen "status quo" aufrecht zu erhalten und sich damit gegen gültiges europäisches Recht zu stellen, dann das darf schon hinterfragt werden, oder?

    Täte auch in manch anderen Bereichen nicht schlecht, sich mit notwendigen Änderungen zu beschäftigen ...

bergfex

Als die Wölfe vor Jahren bei uns durch die Gegend schlichen war noch viel mehr Platz, weniger Menschen, weniger Vieh (Kühe/Schafe usw.) Die Tiere waren über Nacht in den Stallungen oder wurden bewacht.

Ich sehe heute die Wölfe und Bären auch mit Skepsis. Wer kein Vieh hat , hat leicht reden.

    phoenix

    So ist es. Es wird wohl der Bauer weichen müssen... Das Herdenschutzprogramm ist halt nur Theorie.