VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly besichtigte am Donnerstag das Abfallwirtschaftszentrum der Familie Rossbacher in Nußdorf-Debant. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly besichtigte am Donnerstag das Abfallwirtschaftszentrum der Familie Rossbacher in Nußdorf-Debant. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Spitze der Abfallwirtschaft zu Besuch in Lienz

VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly sprach auf der Rossbacher-Deponie über ihre Ziele.

Anfang Juni wurde mit Gabriele Jüly erstmals eine Frau zur Präsidentin des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) gewählt. Die Niederösterreicherin betreibt selbst ein Abfallservice-Unternehmen und steht nun der Vereinigung von über 250 Mitgliedsunternehmen und rund 43.000 Mitarbeitern vor. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt als VOEB-Präsidentin besuchte Jüly das Osttiroler Abfallwirtschaftszentrum der Familie Rossbacher.

Bei ihrem Besuch sprach die 47-Jährige unter anderem über die aktuelle Situation und die Herausforderungen in der Entsorgungswirtschaft. Jüly sieht als erste große Aufgabe die Umsetzung des Kreislaufwirtschaftspakts der EU. Die VOEB-Präsidentin nimmt dabei auch die Politik in die Pflicht: „Wir wollen kein Schattendasein führen und das sollte die Politik ebenfalls nicht tun. Es gibt viele Leute, auch in den Ministerien, die noch nie eine Müllsortieranlage gesehen haben. Das zuständige Umweltministerium zeigte kaum Interesse für die Abfallwirtschaft und tut es auch heute noch nicht.“

Seit Juni steht Gabriele Jüly an der Spitze des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe. Ihr erster offizieller Termin führte die 47-Jährige nach Osttirol.

Für die Zukunft des Kunststoffrecyclings fordere der VOEB daher unter anderem ein entsprechendes „Ecodesign“ für Produkte, eine Steigerung der Inputqualität und Informationskampagnen für die Öffentlichkeit. „Der massive Preisabfall und die schwindende Nachfrage nach Recyclingkunststoffen gefährden das Überleben der Kunststoffrecycler und damit die Erreichung der Ziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakts“, so Jüly. Sie fordere daher eine verpflichtende Mindesteinsatzquote von recyceltem Kunststoff in Industrie und Wirtschaft.

Im Audiointerview mit Dolomitenstadt.at spricht Jüly unter anderem über die Herausforderungen in ihrer Branche und ihren Osttirol-Besuch:

Ein weiteres, wichtiges Vorhaben für die Zukunft sei die Einführung eines Lithiumpfandes. „Jährlich werden bei uns 1,4 Millionen Lithium-Akkus falsch entsorgt, obwohl sie eine große Gefahr mit sich bringen. Hier sind auch die Hersteller gefordert“, so Jüly. Eine solche Batterie dürfte laut Lukas Rossbacher auch den jüngsten Brand auf der Deponie in Nußdorf-Debant ausgelöst haben. „Die Batterien können wegen dieser Bauweise am Recyclinghof nicht herausgenommen werden. Fährt man beispielsweise mit dem Stapler dann genau da hinein, vermischen sich die Kammern und es kommt zur Entzündung“, so Rossbacher.

Eine festverbaute Lithium-Batterie, wie bei diesem Elektrorasenmäher, dürfte die Ursache für den jüngsten Brand auf der Mülldeponie in Nußdorf-Debant gewesen sein.

Rossbacher führte die VOEB-Präsidentin gemeinsam mit seinen Familienmitgliedern und dem Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbandes Osttirol, Bernhard Schneider, über das 7,5 Hektar große Gelände in Nußdorf-Debant.

(V.l.) Rossbacher-Geschäftsführer Ronald Pirker, Bernhard Schneider (Abfallwirtschaftsverband Osttirol), Lukas Rossbacher, Betriebsleiter Bernhard Zanon, VOEB-Präsidentin Gabriele Jüly und Franz Rossbacher.

Auf der Mülldeponie werden etwa 16 bis 20 Tonnen Elektroschrott pro Monat verarbeitet, zudem steht hier eine von elf Kunststoffsortieranlagen Österreichs. Jüly zeigte sich beeindruckt: „Es ist ein sehr schöner und sauberer Betrieb.“

Slideshow von der Besichtigung der Rossbacher-Deponie:

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