Österreich für Jazzmusiker Hackl keine „Kulturnation“ mehr

Über Trump meint der Musiker: „Es ist vorbei. Nichts kann ihn mehr retten“.

Der in New York lebende Tiroler Jazzmusiker Franz Hackl, einer der erfolgreichsten heimischen Musikexporte, übt scharfe Kritik an der Kulturpolitik der Bundesregierung in Corona-Zeiten. Das Land habe „kein Recht mehr darauf“, sich selbst eine Kulturnation zu nennen, sagte Hackl und warf der Politik vor, zu wenig improvisiert und „lächerliche Regeln“ aufgestellt zu haben.

Als „lächerliche Regeln“ bezeichnete Hackl etwa die zu Beginn im Kulturbereich ausgegebenen 20-Quadratmeter und 10 Quadratmeter-Abstandsgebote. In keinem anderen Bereich sei mit solchen Vorgaben operiert worden. Die Verantwortlichen hätten vor allem zu Beginn „komplett die Kontrolle über die verschiedenen ausgesendeten Botschaften“ verloren und seien „komplett hilflos“ gewesen. „In Zeiten einer Krise kann man nicht so agieren“, kritisierte der Jazzmusiker, der vom 6. bis 8. August in seiner Heimatstadt Schwaz erneut das „Outreach“-Festival organisiert. Nun würde man sich zwar bemühen, aber „vom absoluten Desaster ausgehend“.

Hackl bemängelte auch den seiner Meinung nach vergleichsweise geringen Stellenwert von Kunst und Kultur im Land. Während nämlich in allen anderen Bereichen Experten und Profis für praktikable Lösungen zurate gezogen worden wären und man auf diese gehört hätte, sei dies im Kulturbereich nicht passiert. Ohne diese Versäumnisse wäre bereits jetzt um einiges mehr an Veranstaltungen und sonstigem möglich. Auch sah der Tiroler mangelnden Willen zur Improvisation, was etwa Ersatz-Konzerte und dergleichen unter Nutzung von virtuellen Plattformen betrifft.

„In Zeiten einer Krise kann man nicht so agieren“, kritisierte Jazzmusiker Franz Hackl die Kulturpolitik in Österreich. Foto: Tirol Werbung/Bert Heinzlmeier

Auch was die finanzielle Unterstützung von Kulturschaffenden in der Coronakrise angeht, hat Österreich für Hackl Nachholbedarf. Der Musiker sah darin seine zweite Heimat als Vorbild: So würden „bedürftige“ Künstler in den USA zumindest drei Monate lang 600 Dollar wöchentlich vom Staat an Unterstützung bekommen. „Unkomplizierte Hilfe“, das fehle hingegen hierzulande.

Er selbst habe in den vergangenen Monaten zwar auch mit Einkommensverlusten zu kämpfen gehabt, da alle Konzerte dem Virus zum Opfer fielen, befinde sich aber glücklicherweise in einer „speziellen Situation“. So setzte Hackl in den vergangenen Wochen und Monaten etwa verstärkt auf Online-Musikunterricht. Diesbezüglich habe er sich bereits Jahre vor der Krise „gut aufgestellt“.

Was die generelle Corona-Situation betrifft, sah Hackl aber Österreich gegenüber den USA im Vorteil. Das Virus habe „soziale Ungleichheit“ in den Vereinigten Staaten aufgezeigt – besonders in Hinsicht auf das Gesundheitssystem. Dies habe sich etwa auch in New York gezeigt, wo sich die Situation in der härtesten Phase des Lockdown „wie im Krieg“ dargestellt habe. Präsident Donald Trump habe das Virus von Beginn an ignoriert und über 100.000 Tote zu verantworten. Nun treffe es nicht mehr „nur“ insbesondere als liberal geltende Hochburgen wie die Ostküsten-Metropole New York oder Kalifornien, sondern zunehmend auch republikanische Kern-Bundesstaaten, etwa im Süden und Süd-Westen, wie Texas und Arizona.

Nicht nur deshalb sah Hackl Trump knapp drei Monate vor der Präsidentenwahl de facto schon ausgeknockt. „Es ist vorbei. Nichts kann ihn mehr retten“, zeigte sich der Musiker überzeugt. Die Handhabung des Coronavirus sowie die wirtschaftlichen Folgen hätten dem Präsidenten zu sehr zugesetzt. Und dieser fahre auch weiter keine Strategie, über die eigene Wählerbasis hinaus zu wirken. Als „Running Mate“ des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden hoffte Hackl auf die kalifornische Senatorin Kamala Harris. Denn diese würde auch in die politische Mitte hinein wirken. Auf keinen Fall dürfe die Wahl auf einen zu linksorientierten Kandidaten fallen. Dies würde nur Trump in die Hände spielen.

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